Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Wenn eine Behinderung zurückbleibt:

 

Statistisch gesehen sterben ca. 4 % der Betroffenen unmittelbar an den Folgen des Schlaganfalls.

  • -         34 % sind zunächst über einige Zeit krank und sterben an den Folgen

  • -         14 % sind pflegebedürftig

  • -         24 % stark beeinträchtigt

  • -         17 % werden wieder weitgehend gesund und

  • -         6 % werden wieder ganz gesund

  • -         31 % aller Schlaganfall-Patienten benötigen generelle Hilfe

  • -         20 % benötigen Hilfe beim Gehen

  • -         16 % müssen sogar in Pflegeheimen untergebracht werden

  • -         71 % haben noch sieben Jahre nach dem akuten Schlaganfall Sprach- und Sprechstörungen.

Prinzipien der Frührehabilitation beinhalten allgemeine rehabilitationsneurologische Maßnahmen: ein tagsüber mindestens alle zwei Stunden stattfindender Wechsel von der betroffenen auf die nicht betroffene Seite, zum Rücken und wenn möglich auf dem Bauch, um Druckgeschwüre, hypostatische Pneumonien und Kreislaufdysregulation zu verhindern. Der vorsichtige Umgang insbesondere mit der gelähmten oberen Extremität verhindert das Auftreten eines schmerzhaften Schulter-Arm-Syndroms. Wichtig sind deshalb das Vermeiden von Infusionen am gelähmten Arm und die Lagerung der gelähmten Extremität am Tisch mit unterstützender Hochlagerung des Unterarmes. Mobilisierungsversuche müssen frühzeitig initiiert werden auch in Positionen außerhalb des Bettes, sobald der medizinische Zustand dies zuläßt. Blasenstörungen sind häufig durch eine Detrusor-Instabilität mit Urge-Inkontinenz bedingt. Therapeutische Maßnahmen beinhalten zunächst die Regularisierung der Zeiten zum Wasserlassen, dann eine möglichst rasche Mobilisierung zum Sitzen und - bei erhaltener Sitzkontrolle - zum Toilettengang. Die Anlage von Urindauerkathetern ist zu tolerieren bei Patienten, die einer Flüssigkeitsbilanzierung bedürfen und solchen, die schlecht heilende Wunden im Genito-Anal-Bereich zeigen. Zur Behandlung der nächtlichen Inkontinenz sollte die erforderliche Trinkmenge bis zum frühen Abend verabreicht werden. Schluckstörungen sind eine häufige Komplikation und werden oft unterschätzt, da sie zunächst subklinisch ablaufen. Meist handelt es sich dabei um Störungen der oralen und der pharyngealen Phase, weniger der oesophagealen Phase des Schluckvorgangs. Klinisch zeigt sich häufig ein abgeschwächter Hustenstoß und eine heisere Sprache. Nach einem Hängenbleiben von Speiseresten und Sodbrennen muss gezielt gefragt werden.

Wieder in seiner vertrauten Umgebung, sollte deshalb der Patient alle Aktivitäten im Tagesablauf, die er bewältigen kann, auch selbst ausführen. Überfürsorgliche Hilfe der Angehörigen schadet dem Betroffenen mehr als sie nützt. Jeder selbst ausgeführte Handgriff wird für den Patienten zum Erfolgserlebnis, das sich zunehmend in einer Steigerung seines Selbstwertgefühls und damit in einer entscheidenden Verbesserung seiner Lebensqualität ausdrückt. Bei allen Tätigkeiten sollte die kranke Körperhälfte so viel wie möglich mit einbezogen werden. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus oder dem Rehabilitationszentrum ist für den Patienten ein normaler Tagesablauf von sehr viel größerer Bedeutung als eine Reihe von Übungen, deren tägliche Ausführung er als Aufgabe mit nach Hause bekommen hat. Wenn er die Aktivitäten des täglichen Lebens korrekt und selbständig ausführt, wird es ihm helfen, seine Bewegungsfähigkeit zu erhalten und sogar zu verbessern. Bestimmte Bewegungsabläufe kommen jedoch im täglichen Leben nicht vor. Für sie sind daher spezifische Bewegungen erforderlich, um einer Verkürzung der Muskeln und einer Verstärkung der Spastizität vorzubeugen. Betroffene und Angehörige sollten sich über weitere Maßnahmen der Nachbehandlung im Heimprogramm informieren, um die erreichten Erfolge zu erhalten und die Grundlage für weitere Verbesserungen zu schaffen. Erfolgreich sind diese Aktivitäten nur dann, wenn sie konsequent und zu festen Zeiten in den Tagesablauf eingebaut werden. Meist sind dem Patienten die Übungen aus der Behandlung bereits vertraut, so daß er sie selbständig durchführen kann. Führt der Patient diese Aktivitäten immer wieder regelmäßig und korrekt aus, kann er die volle Dehnfähigkeit der spastischen Muskeln erhalten und die besten Voraussetzungen für die Wiederherstellung von Funktionen für die Zukunft schaffen. Nach: Hemiplegie,Von P.M. Davies,Aus der Reihe Rehabilitation und Prävention,Band 18, Springer-Verlag

Stolperfallen entfernen, wie Läufer oder hohe Türschwellen
Stabile Stühle mit Rückenlehne bereitstellen. Davon kann der Patient leichter wieder aufstehen als von einem tiefen Polstersessel.
Auf einem stabilen Tisch kann der Patient den betroffenen Arm ablegen und seine Übungen machen.
Einfache Arbeitsutensilien wie Scheren mit Federmechanismus, Eßbesteck zum einhändigen Gebrauch oder Küchenbrettchen mit Fixiervorrichtungen erleichtern tägliche Handgriffe.
In der Küche können die Höhe der Hängeschränke und Arbeitsplatte für Rollstuhlfahrer angepaßt werden.
Im Bad müssen Haltestangen angebracht werden, beispielsweise in der Dusche und neben der Toilette.
Wird ein Badebrett über die Wanne gelegt, kann der Patient darauf sitzen und sich selbständig waschen.
Muß der Patient viel liegen, ist es sinnvoll, das Schlafzimmer umzuräumen. Bei Halbseitengelähmten soll die betroffene Seite möglichst viel gefordert werden. Deshalb sollten Fernseher, Besucherstuhl und Nachttisch besser an der betroffenen Seite stehen.
Das Bett frei in den Raum stellen, dann kann der Pflegende von beiden Seiten an den Patienten herantreten.

 

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