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Seite 8
| Jährliches Schlaganfallrisiko in ausgewählten
Risikogruppen |
| Risikofaktoren |
Erkrankungswahrscheinlichkeit |
| Personen >70 |
0,6 |
| Asymptomatische Stenose der A. C.
interna |
2 |
| Vorhofflimmern und kardiale
Erkrankung |
6 |
| TIA, Schlaganfall und absolute
Arrhythmie |
12 |
| TIA |
6 |
| TIA, minor stroke und >70%ige
Stenose der Arteria carotis interna |
13 |
| Ischämischer Infarkt |
10 |
| Aus Konsensuspapier
Schlaganfall 1998 Zitat nach 5/2000 Neuropsychiatrische Nachrichten S. 9
Kessler, medikamentöse Therapie und Lebensführung, |
|
Migräne-assoziierter Schlaganfall
| Differentialdiagnose Migräne- Aura |
TIA |
| crescendo |
apoplektiform |
| seitenwechselnd |
meist gleichseitig |
| kein Dopplerbefund |
meist Dopplerbefund |
| häufig rezidivierend |
selten rezidivierend |
| meist jüngerer Patient |
meist älterer Patient |
Patienten (meist Patientinnen) mit Migraine mit Aura erleiden häufiger
Schlaganfälle, besonders wenn gleichzeitig orale Antikonzeptiva genommen werden
und Nikotinabusus vorliegt. Der Pathomechanismus hierfür ist nicht endgültig
geklärt. Auch im ,,normalen" Migräneanfall selbst kommt es zu einer Verminderung
des zerebralen Blutflusses, der bei Aura-Symptomatik auch die Funktionsschwelle
unterschreiten kann. Er erreicht aber praktisch nie die Infarktschwelle. Im
Migräneanfall sind hämostasiologische Veränderungen beschrieben worden (Erhöhung
von thrombozytenaggregationsfördernden Substanzen wie Thromboxan). Eine
Variante mit familiärer hemiplegischer Migräne mit Lokalisation auf dem
Chromosom 19 ist ebenfalls bekannt.
Cholesterin
Die Bedeutung des erhöhten Cholesterins für den Schlaganfall ist umstritten.
Beobachtungsstudien konnten zwar bisher keine Korrelation beweisen,
Interventionsstudien an Hochrisikopatienten mit Herzinfarkt in der Vorgeschichte
oder instabiler Angina pectoris zeigten jedoch eindeutige Ergebnisse: Mit
Statinen konnte in der LIPID-Studie (Wirkstoff Pravastatin) eine 19-prozentige
und in der CARE-Studie (Patienten über 65 Jahre, Wirkstoff Pravastatin) eine
40-prozentige Risikoreduktion eines Hirninsultes nachwiesen werden.
Bemerkenswert ist, dass ein positiver Effekt auch für Patienten mit initial
normalem Cholesterinwert gefunden wurde. Bereits 1994 wurde in der 4-S-Studie
(als Nebeneffekt) eine 30-prozentige Senkung des Insultrisikos durch Simvastatin
belegt. Eine neuere Metaanalyse von 17 kontrollierten randomisierten Studien mit
einer Mindestbeobachtungsdauer von einem Jahr bestätigte diese Ergebnisse.
Hyperlipidämie erhöhte Blutfette
Es gelingt in vielen Fällen nicht, allein durch diätetische Maßnahmen die
Hyperlipidämie zu normalisieren. Dennoch sind diätetische Maßnahmen und die
Senkung der Gesamtkalorienzahl als therapeutische Basismaßnahmen äußerst
hilfreich und unerlässlich. Dazu gehören ein hoher vegetarischer Anteil in der
Nahrung, häufige Obst-, Gemüse- und Fischmahlzeiten (nur fettarme Fische), kein
Verzehr sichtbaren Fettes, Vermeidung von Innereien, Schokolade und bestimmten
Nüssen. Damit wird nicht nur das Insultrisiko aufgrund der Hyperlipidämie als
solches reduziert, sondern gleichzeitig werden Übergewicht und Hypertonie
vermindert, der diabetischen Entgleisung entgegengewirkt und die Basis für eine
möglichst kostengünstige fettsenkende Therapie (durch Medikamenteneinsparung)
gelegt. In der Framingham-Studie zeigte sich, dass Männer bereits durch häufige
Mahlzeiten aus Obst oder Gemüse eine erhebliche Senkung des Schlaganfallrisikos
bewirken können. Besonders ausgeprägt war dieser positive Effekt bezüglich des
Risikos einer Hirnblutung, wahrscheinlich über den blutdrucksenkenden Effekt
dieser Kost. Ringelstein, Prof.
Dr. med. E. Bernd; Henningsen, Prof. Dr. med. Henning
Primärprävention des Schlaganfalls,
Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 6 vom 09.02.01,
Seite A-323 [MEDIZIN]PDF
Hyperhomozysteinämie
Während sich die Hyperhomozysteinämie in
Fallkontrollstudien als ein unabhängiger Risikofaktor für Schlaganfall zeigte,
waren prospektive Kohortenstudien meist negativ. In einer Population englischer
Männer waren Homozysteinwerte im oberen Quartil mit einem fünffach erhöhten
Insultrisiko verbunden. Als Ursache werden verschiedene hereditäre
Enzymmangelkrankheiten im Homozystein- oder Folsäuremetabolismus diskutiert
sowie Mangelzustände der Vitamine Folsäure, B6 und B12 – insbesondere bei
älteren Menschen und Dialysepatienten. Erhöhte Homozysteinspiegel im Plasma
wirken atherogen und thrombogen. Unter Vitaminsubstitution (Folsäure, B6 und
B12) bei Patienten mit Hyperhomozysteinämie zeigte sich ein Stillstand,
möglicherweise sogar eine geringe Regression der Entwicklung
arteriosklerotischer Plaques. Direkte Interventionsstudien zum Schlaganfall
liegen noch nicht vor. Im Organismus agiert Folat in Form des Tetrahydrofolats
als Coenzym bei Transferreaktionen von Einkohlenstoffeinheiten (z.B. Methyl-
oder Formylgruppen). Somit ist es beteiligt am Aminosäure-und
Proteinstoffwechsel und an der Purin- und Pyrimidinsynthese. Folsäure-Mangel
kann einer megaloblastären Anämie führen. Folsäure-Plasmaspiegel zwischen 7 und
36 nmol/l gelten als normal. Zuverlässigere Resultate ergibt die Messung der
Folsäure-Konzentrationen in den Erythrozyten (Norm: 320 bis 1300 nmol/l). Heute
gilt auch als nachgewiesen, dass die regelmässige Einnahme von Folsäure vor und
während einer Schwangerschaft zur Verhinderung von Neuralrohrdefekten (Anenzephalie
und Meningomyelozelen) beiträgt. Neuralrohrdefekte kommen bei bis zu 5 von 1000
Geburten vor. Neuralrohrdefekte führen oft zu schweren Lähmungen und
lebenslänglicher Stuhl- und Urininkontinenz. Dies betrifft besonders Menschen
die Antiepileptika einnehmen müssen, gilt aber auch für alle Schwangeren. In
Kanada reduzierte die Zugabe von Folsäure zu Getreideprodukten die Anzahl der
Neuralrohrdefekte auf die Hälfte. Schwangere mit Folsäuremangel haben ein
allgemein erhöhtes Risiko ihr Kind zu verlieren. Folsäure spielt in der
Prävention und Therapie von arteriosklerotischen Gefässerkrankungen sowie von
psychischen Erkrankungen eine Rolle. Eine Homocystinurie, wurde 1962 bei
zurückgebliebenen Kindern in Norirland beschrieben, der Autor McCully fand
damals bereits eine Verbindung zu vorzeitiger Arteriosklerose. Die Framingham
Heart Study zeigte einen direkten Zusammenhang zwischen dem
Homocysteinspiegel (der durch Folsäure gesenkt werden kann) und dem Risiko
einer Carotis-Stenosierung. In der British United Provident Association Study
wiesen Männer mittleren Alters mit Homocysteinkonzentrationen > 10,3 µmol/l ein
um 33% erhöhtes Risiko für ischämische Herzkrankheiten auf. Eine neue Schweizer
placebokontrollierte Studie sah nach Senkung des Homocysteinspiegels mittels
Folsäure, Vit B6 und B12 Einnahme eine deutlich bessere Prognose innerhalb von
6 Monaten bei Patienten nach einer coronaren Bypassoperation.
Die
möglichen Wirkmechanismen des Homocysteins im Atheroskleroseprozess sind bisher
nur unzureichend geklärt. In der Diskussion stehen unter anderem die oxidative
Modifikation des LDL durch Autoxidation des Homocysteins, eine Beeinträchtigung
der NO-Synthese und eine Verschiebung der Gerinnungshomöostase in Richtung einer
verstärkten Gerinnung. Besonders Menschen mit einem erhöhten Homozysteinspiegel
profitieren von einer Folsäureeinnahme. Im Methioninstoffwechsel ist zur
Methylierung von Homozystein zu Methionin nebst einer enzymatisch aktiven
Methioninsynthetase und den Vitaminen B6 und B12 genügend Folsäure als Kofaktor
notwendig. Folatreiche Lebensmittel - Milchprodukte Weichkäse wie Brie,
Edelpilzkäse, Camembert, - Getreideprodukte Vollkornbrot, Vollkornprodukte,
Keimlinge - Gemüse und Salate– Kohlsorten wie Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl,
Rosenkohl, Weißkohl– Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen – Dunkle Blattsalate und
-gemüse wie Spinat, Mangold – Knollengemüse wie Fenchel, rote Beete. Eine neue
Metaanalyse von Studien bis 1999 sieht keinen sicheren Effekt der
Folsäureeinnahme für Gesunde- allerdings eben nur Daten bis 1999. Bei
Individuuen
mit dem MTHFR 677 TT Genotyp, ( der zu erhöhten Homocysteinwerten und
niedrigen Folsäurewerten führt), sieht eine
andere Studie in der selben Ausgabe von JAMA eine 16%ige Erhöhung des
Herzinfarktrisikos. Alte Menschen mit erhöhten Homocysteinwerten sollen
unabhängig vom Kernspinbefund leichte kognitive Defizite aufweisen.
Möglicherweise spielt eine hochkalorische Diät im Zusammenhang mit
Folsäuremangel eine Rolle bei der Entstehung des M. Alzheimer. Folsäuremangel
könnte eine Hirnatrophie im Alter begünstigen. Folsäuremangel macht Alkoholiker
möglicherweise anfälliger für eine Lebercirrhose. Bei Frauen im mittleren Alter
spielt der erhöhte Homocysteinspiegel (nicht der der Folsäuremangel oder B12
Mangel) möglicherweise eine Rolle in der Entstehung von Depressionen. Eventuell
vermindert eine Folsäuregabe vor Beginn einer Schwangerschaft das Risiko ein
Kind mit einem Down- Syndrom (Mongolismus)zu bekommen. Menschen die erhöhte
Harnsäurewerte und gleichzeitig einen erhöhten Homocysteinspiegel haben haben
Aussichten, dass sich der Harnsäurespiegel unter alleiniger Gabe von Folsäure
bessert.
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Ringelstein, Prof.
Dr. med. E. Bernd; Henningsen, Prof. Dr.
med. Henning
Primärprävention des Schlaganfalls,
Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 6 vom 09.02.01,
Seite A-323 [MEDIZIN]PDF
Zelluläre und molekulare Grundlage der Endotheldysfunktion bei
Diabetes mellitus
Wer unter Übergewicht, Bluthochdruck, zu hohen Blutfettwerten und/oder einer
familiären Diabetes- Belastung leidet sollte sicherheitshalber seinen Blutzucker
testen lassen. Studien zeigen, dass der Typ 2 Diabetes oft durch Änderung
des Lebensstils vermeidbar ist. Dies gilt auch noch wenn bereits latent eine
diabetische Stoffwechsellage vorhanden ist. Alleine eine Reduktion des
Körpergewichtes um 4kg reduziert das Diabetesrisiko innerhalb eines Jahres um
58%.
| Molekularer Defekt |
Folge |
| Vermehrte Aktivierung der
Proteinkinase |
Vermehrte Proliferation von
Gefäßen, veränderte Kontraktion, veränderte Signaltransduktion |
| Vermehrte Expression von
Wachstumsfaktoren (Endothelin, ANG-II) |
Vermehrtes Wachstum und
phänotypische Veränderung der Endothelzellen, besonders der glatten
Muskulatur. |
| Nichtenzymatische
Glykogenierung von Eiweißen und anderen Molekülen (DNA) |
Veränderung der Antigenität
mit der Folge von immunvermittelten Schädigungen, Glukose erweitert die
Gefäße und beeinträchtigt deren Reaktionsfähigkeit. |
| Hyperglykämie induzierte
vermehrte Synthese von Diacylglykerol |
Beeinträchtigte
Gefäßerweiterung und vermehrte Proliferation von glatten
Gefäßmuskelzellen. |
| Beeinträchtigte
Insulinaktivierung der PIP-3-Kinase aber normale MAP-Kinase
Antwort |
Vermehrte Wachstum und
Proliferation von Gefäßen als Antwort auf die Hyperinsulinämie |
| Übergewicht/Insulinresistenz
beeinträchtigen die physiologsiche Gefäßerweiterung in Muskelgefäßen
|
Verminderter Insulineffekt auf
die Verstärkung der Endothel-abhängigen Vasodilation |
| Vermehrte Produktion von
Plasminogen- Aktivator Hemmer (PAI) |
Verminderte Fibrinolyse,
prothrombotische Tendenz |
| Oxidativer Stress |
Verminderte Produktion von NO,
Hyperreaktivität der glatten Muskelzellen der Gefäße auf
vasokonstriktive Stimuli, Zunahme proinflammatorischer Adhäsionsmoleküle
(ICAM, ELAM, VCAM) |
| Tumor necrosis factor |
induziert Insulinresistenz,
vermehrt bei Adipositas ausgeschüttet, induziert die Synthese andere
Zytokine |
Modifiziert nach J. Calles-Escandon and M. Cipolla,
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[Full Text]
[PDF]
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Die Symptome
Die Symptomatik hängt davon ab, welcher Teil des Gehirns dem Schlaganfall zum
Opfer fiel. An den Symptomen kann der Neurologe den Ort der Schädigung im Gehirn
erkennen. Sehr bekannt geworden und immer noch aktuell und anschaulich ist die
Darstellung der Repräsentation verschiedener Körperregionen in der motorischen
und sensorischen Hirnrinde als Homunkulus, siehe Bild.(30
sek Ladezeit) Da die Nervenfasern im Hirnstammbereich zur Gegenseite wechseln
ist, wenn das Großhirn betroffen ist die Lähmung auf der Gegenseite, wenn der
Hirnstamm betroffen ist auf der selben Seite die Hirnnervenläsion und auf der
Gegenseite die Extremitätenlähmung oder Sensibilitätsstörung. Da die
"Hirnnerven" im Hirnstamm nicht kreuzen sind sie, wenn sie dort geschädigt
werden, auf der Seite der Schädigung betroffen. Nur wenn die
Ausfallserscheinungen zu den bildlich im Kernspin oder CT dagestellten Läsionen
passen, sind diese Läsionen tatsächlich die Ursache der Symptome. Der klinische
Befund ist immer mindestens genauso wichtig wie das Röntgenbild, meistens
wichtiger. (Links zu Bildern am Ende des Absatzes) Einige der Symptome die ein
Schlaganfall machen kann, sind unten näher erklärt (bei weitem unvollständig).
Selbstverständlich kann hier nicht alles exakt erklärt werden, hierzu ist ein
Neurologiebuch erforderlich. Als Folge eines Schlaganfalls liegen nach drei
Monaten bei 34% der Patienten Störungen des Sprachsystems, bei 30% Störungen der
Stehfähigkeit, bei 27% Störungen der Gehfähigkeit, bei weiteren 22% wesentliche
Einschränkungen in Aktivitäten des täglichen Lebens vor. In der akuten Phase
eines Schlaganfalles sind die Fähigkeitsstörungen noch deutlicher:
Kommunikationsstörungen liegen bei 51% und eine beeinträchtigte Steh- und
Gehfähigkeit bei 75 % vor, während 70% eine signifikante Beeinträchtigung der
übrigen Aktivitäten des täglichen Lebens hinnehmen müssen. Bei nahezu zwei
Drittel aller Patienten können in der Frühphase Störungen des Schluckvorganges
nachgewiesen werden, häufige Folge sind Aspirationen. Über 50% der Betroffenen
weisen zudem Störungen der Harnblasenfunktion auf.
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