Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Leptin

Mit Zunahme ihrer Größe produzieren Adipozyten (oder einfach Fettzellen) durch eine Vergrößerung ihres Triglyzeriddepots mehr Leptin. Leptin wird auch als ob- Gen bezeichnet. Es meldet also in einer Rückkoppelungschleife dem Gehirn den Fettvorrat und reduziert damit die Nahrungsaufnahme. Es ist allerdings nicht das einzige Regulationssystem, die Nahrungsaufnahme reduziert, wenn kein Leptinmangel vorliegt, hat Leptin keinen Einfluss auf das Gewicht. Bei Anorexiepatienten liegt ein fast vollständiger Mangel an Leptin vor. Dies scheint dort bei der Nahrungsaufnahme keine Rolle zu spielen, könnte aber für andere körperliche Veränderungen bei diesen Patienten eine Bedeutung haben (fehlende Regelblutungen, Anämie..). Leptinrezeptoren im Gehirn finden sich überwiegend im Hypothalamus, es nimmt hier auf verschiedenste Neuropeptid- und Neurotransmittersysteme Einfluss. Die Leptinausschüttung hat einen Tagesrhythmus mit einem Peak zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden. Die Leptinausschüttung steigt nach Mahlzeiten nicht direkt an, es spielt deshalb bei der Beendigung einer Mahlzeit keine Rolle. Wesentlich ist Leptin bei der Regulation des langfristigen Energiehaushaltes. Frauen haben höhere Leptinspiegel als Männer, vor den Wechseljahren sind sie höher als dannach. Bei Anorexiepatienten, weniger auch bei Bulimie, sind die Leptinspiegel erniedrigt und normalisieren sich mit Normalisierung des Körpergewichtes. Leptinrezeptoren finden sich im Hypothalamus. dort liegen sie in Gegenden, die für die Kontrolle des Energiehaushaltes, des Essverhaltens, des Hungers und der Körpertemperatur zuständig sind. Mit Leptin- Injektionen kann man bei Mäusen das Körpergewicht in wenigen Tagen um 50% reduzieren. Leptin scheint dabei eine wichtige Rolle als Signalsubstanz über den Ernährungsstatus zu haben. Größer werdende Fettzellen melden über Leptin an die Zentren im Hypothalamus, dass Reserven im Überfluss vorhanden sind. Leptin ist wichtig für die Blutbildung und hat auch Einfluss auf das Immunsystem. Kortison erhöht den Leptinspiegel. Leptin scheint auch in der Verhaltensregulation sonst einen Einfluss zu haben. Es spielt eine Rolle bei der Regulation von Sexualität motorische Aktivität, Schlaf und Kognition. Leptin ist an Hirnentwicklung und -reifung beteiligt, ein Mangel führt in der Entwicklung zu einem kleineren Gehirn. Leptin ist für eine normale Gehirnentwicklung notwendig .Gewichtsschwankungen bei psychiatrischen Erkrankungen an sich, wie unter der Therapie mit Psychopharmaka sind zum Teil über Leptin moduliert. Manche Psychopharmaka, die deutliche Gewichtszunahmen bedingen, haben allerdings keinen Einfluss auf den Leptinspiegel. Bei anderen wie Olanzapin und Clozapin tritt die Erhöhung des Leptinspiegels vor der Gewichtszunahme auf. Andere Neuroleptika und Antidepressiva haben keinen Effekt auf die Leptinspiegel, obwohl sie auch zu Gewichtszunahmen führen können (z.B.Amitriptylin). Die Zusammenhänge sind komplex und werden noch nicht vollständig verstanden. Leptin spielt eine Rolle beim Craving im Entzug von Suchtstoffen.  Leptin hemmt im Hypothalamus die Synthese von Neuropeptid Y , das normalerweise die Nahrungsaufnahme stark anregt. Leptin trägt darüber hinaus zur Steigerung des Energieverbrauchs bei. Letzteres vermutlich über periphere wie zentrale Mechanismen, die aber noch nicht genau bekannt sind. Fettleibige Menschen haben erhöhte Leptinblutspiegel , man nimmt an, dass sie eine verminderte Sensibilität gegenüber der Wirkung von Leptin haben. An sich wäre mit Leptin die ideale Diabetesvorbeugung möglich. Leptin eignet sich mit bisherigen Möglichkeiten nicht besonders gut zur Gewichtsreduktion, da es regelmäßig gespritzt werden müsste. Bei Tieren mit einer Hyperleptinämie sinken die Serumspiegel von Plasmatriglyzeriden und die Seruminsulinspiegel ab. Leptin spielt also möglicherweise eine Rolle in der Regulation des Insulinsspiegels. Ähnlich wie bezgüglich des Insulins gibt es möglicherweise bei adipösen Menschen eine Leptinresistenz. Bei schlanken Menschen ist 66-98% des Leptins in gebundener Form vorhanden, bei Adipösen überwiegend in der freien Form. Leptin hat auch eine Funktion bei der Immunreaktion des Körpers auf Entzündungen. In den Skelettmuskeln aktiviert es den Abbau der Fettsäuren. Leptin steigert den Sympatikotonus und aktiviert. Die Körpertemperatur steigt so dass auch mehr Energie verbraucht wird. Bisher konnte nur bei wenigen Menschen nachgewiesen werden, dass angeborene Leptingenveränderungen für die Fettsucht verantwortlich sind.
 

 

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