Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Liquor



Flüssigkeit, Lösung: Liquor oder Liquor cerebrospinalis ist in der Neurologie synonym zu den ungangssprachlichen Wörtern: Hirn-, Nervenwasser, Rückenmarkflüssigkeit. Es handelt sich um eine wässrige helle, klare Flüssigkeit in den Hirnkammern, wo sie gebildet, die das Gehirn und Rückenmark wie einen Flüssigkeitsschutzmantel umgibt. Es ist eine farblose und klare Flüssigkeit, die u. a. Salze, Glucose und Proteine in unterschiedlicher Konzentration enthält.

Liquorpassage: spontanes Zirkulieren des Liquors von Hirnkammer zu Hirnkammer und über die Oberfläche von Gehirn und Rückenmark. Normalerweise werden in 24 Stunden etwa 500 ml Liquor produziert. Davon befinden sich ca. 30 ml im Subarachnoidalraum. Die Liquorströmung läuft von den Plexus choroidei über die Aperturae Magendii und Luschkae zum Subarachnoidalraum und den basalen Zisternen. Von dort fließt er weiter in den spinalen Subarachoidalraum und über die Oberflächen vom Klein- und Großhirn zu den Resorptionsorten. Diese liegen vor allem in den Arachnoidalzotten (Granulationes arachnoideae, Pacchionische Granulationen). D.h. hier findet ein Austausch von Lymphflüssigkeit und Blut statt. Ein aktiver Rücktransport einzelner Liqourbestandteile wie Makromoleküle, Aminosäuren, Elektrolyte erfolgt über die Plexus choroidei.

Bereits bei Entnahme des Liquors können auf den ersten Blick erkennbare Auffälligkeiten vorhanden sein. Der Liquor kann unter erhöhtem Druck stehen, der normale Druck variiert von 10 bis 100 mm Wassersäule bei jungen Kindern auf 60 bis 200 mm mit 8 Jahren und bis zu 250 mm bei adipösen Patienten. Werte über 250mm weisen auf eine erhöhten intracerbralen Druck hin, werte unter 60mm weisen auf einen Unterdruck hin. Gelben Liquor findet man bedingt durch alte Blutprodukte oder bei Hyperbilirubinämie, eine orange Verfärbung findet sich bei Abbau von Hämoglobin nach einer Blutung oder bei sehr hohem Komsum von Karotinoiden, lila Verfärbungen weisen ebenfalls auf einen Abbau von Hämoglobin nach einer Blutung hin, eine grüne Verfärbung findet sich bei Hyperbilirubinämie und auch bei Eitererregern, braune Verfärbungen bei meningealer Melanomatose.

Besonders wichtig ist die Zählung der Zellen (weißen Blutkörperchen) im Liquor. Idealerweise wird die Zellzählung und- färbung direkt nach der Punktion von einem darin erfahrenen Arzt vorgenommen. Zellzahlerhöhungen können verschiedenste Ursachen haben. 5 Zellen/ mm3 sind normal, bei Säuglingen auch 20 Zellen/ mm3. Wenn bei der Punktion ein Blutgefäß verletzt wurde (jede 5. Lp), kann die Bestimmung der Zellzahl schwierig sein. Es gibt hierfür Rechenformeln, die bei normaler Leukozytenzahl im Blut helfen. Wichtig ist dann die Differenzierung der Zellen. Lymphozyten finden sich bei viralen Entzündungen, Pilzen oder Tbc, Granulozyten bei bakteriellen Entzündungen. Auch Krebszellen lassen sich im gefärbten Ausstrich nachweisen. Auch die Bestimmung des Eiweißgehaltes ist oft wichtig (bei Erwachsenen 18 bis 58 mg/dL). Erhöhungen können auf einen Liquorstau hinweisen, wie er bei Spinalkanalstenose vorkommt, hinweisen. Eiweißerhöhugnen kommen aber auch bei Infektionen, Entzündungen, nach Blutungen, bei multipler Sklerose, beim Guillain Barré Syndrom, bei Krebs, bei einigen endokrinen Erkrankungen und bei bestimmten Medikamenten vor. Die Glukosekonzentration (2/3 des Blutglukosewertes) im Liquor ist ebenfalls interessant, der Zucker ist besonders bei bakteriellen Infekten erniedrigt, bei viralen Infekten ist der Zucker normal. Ein normaler Liquorzucker schließt aber eine bakterielle Infektion aus, soll sogar in 50% der Fälle vorkommen. Eine chemische Meningitis, bestimmte Entzündungen, Subarachnoidalblutungen und eine Hypoglykaemie können ebenfalls einen niedrigen Liquorzuckerwert bedingen. Liquorkulturen, Latex Agglutination und PCR- können bei Infekten oft den Erreger klären.

Liquorbefunde
Ursache Weiße Blut- körperlichen (x106 Zellen/l) Vorherschender Zelltyp Liquor:Serum- glukose (normal >0.5) oder 45–80 mg/dL Protein (g/l) (normal 0.2-0.4) Laktat

< 3,5 mmol/l

Liquor- öffnungs- Druck
Virale

Meningitis

50-1000 Mononukleäre (zu Beginn manchmal neutrophile) >0.5, normal, kann aber bei Mumps, HSV 2 erniedrigt sein 0.4-0.8 < 3,5 mmol/l normal bis erhöht
Bakteriell

Meningitis

100-5000 Neutrophile (Mononukleäre nach Antibiotika- behandlung) <0.5,

5-40mg/dL

0.5-2.0 > 3,5 mmol/l meist erhöht in 60–80% Grampositive Erreger im Ausstrich
Tuberkulose 50-300 Mononukleär <0.3 in 75%<45mg/dL 0.5-3.0 > 3,5 mmol/l aber auch normal meist erhöht säurefeste Stäbchen bei <25%, Kultur dauert Wochen
Syphylis bis 1000 Neutrophile und Lymphozyten vermindert erhöht bis 4 > 3,5 mmol/l normal bis erhöht  
Cryptococcus

Meningitis

20-500 Mononukleär <0.5, in 75%<45mg/dL 0.5-3.0 > 3,5 mmol/l meist erhöht Meist bei HIV, mit Fluconazol Itraconazol und Amphotericin B behandelbar
Meningeosis karzinomatosa 100-1000 Mononukleär <0.5, 0.5-2.0 normal selten > 3,5 mmol/l normal bis erhöht meist im Ausstrich auffällige Zellen sichtbar
MS 50% normal, sonst leichte Erhöhung bis 50/ml Mononukleär >0.5, normal, normal < 3,5 mmol/l normal IgG-Index, Nachweis oligoklonaler Banden
Behçet’sche Erkrankung bis 500 Neutrophile und Lymphozyten leicht erniedrigt meist erhöht   normal bis erhöht  
Wegener’sche Granulomatose <100 Lymphozyten leicht erniedrigt normal/ leicht erhöht   normal bis erhöht  
Sarkoidose
 
50–200 Monozyten und Lymphozyten, ACE erhöht normal normal/ leicht erhöht   normal bis erhöht  
systemischer Lupus erythematodes <!00 Lymphozyten, mit oder ohne oligoclonale Banden normal

 

normal/ leicht erhöht   normal bis erhöht  
Negrini B, Kelleher KJ, Wald ER. Cerebrospinal fluid findings in aseptic versus bacterial meningitis. Pediatrics 2000;105:316-9, Early Management of Suspected Bacterial Meningitis www.britishinfectionsociety.org Clinical Infectious Diseases 2001; 33:1380–5 ACE=angiotensin-converting enzyme, David M. Greer, Case 17-2009: A 30-Year-Old Man with Progressive Neurologic Deficits N Engl J Med 2009;360:2341-51.

Zur Durchführung und den Nebenwirkung der Lumbalpunktion zur Untersuchung des Liquors siehe unter Liquorunterdruck-Syndrom.

 

Quellen / Literatur:

siehe unter  Lumbalpunktion Liquorunterdrucksyndrom Orthostatischer Kopfschmerz ohne Liquorleck


 

Protocol for Lumbar Puncture -Lumbar Puncture - How to do a lumbar puncture -Randomised controlled trial of atraumatic versus standard needles for diagnostic lumbar puncture -Does bed rest after cervical or lumbar puncture prevent headache? A systematic review and meta-analysis - CSF IgG Index - Cerebrospinal white blood cell correction in traumatic lumbar puncture -Corrected CSF Protein in Traumatic LP - Post Lumbar Puncture Spinal Subarachnoid Hematoma Causing Paraplegia : A Short Report  J Bloch and L Regli Brain stem and cerebellar dysfunction after lumbar spinal fluid drainage: case report, J Neurol Neurosurg Psychiatry 2003; 74: 992-994. [Abstract] [Full text] [PDF]  CSF Circulation (from Brain and Mind Magazine, copyright Cramp Institute for Biological Imaging animierte Darstellung  

 

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