Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Listeriose

bakterielle Infektion durch Listeria monocytogenes übertragen durch infizierte Tiere oder durch infizierte Nahrung (meist rohe Milch, Käse oder andere Milchprodukte aber auch  Fleisch Wurstwaren, und Fisch, Krustentiere). Schwangere sollte deshalb Rohmilchprodukte und rohes Fleisch, Fisch etc. meiden. Listeria monocytogenes ist ein überall in der Natur vorkommendes Bakterium. Seit 1930 sind ZNS-Infektionen bei  bei Wiederkäuern bekannt («circling disease» der Schafe).  L. monocytogenes ist ein nicht Sporen bildendes, grampositives, Katalase-positives, und aerobes oder fakultativ anaerobes Stäbchenbakterium, das eine Tendenz hat in kurzen Ketten von 3-5 Organismen aufzutreten. Listerien können aus Bodenproben, Staub, Tierfutter, Wasser, Abwasser, Nahrungsmitteln, und vielen Haustieren (besonders häufig Schafe, Ziegen, Geflügel, Kaninchen  aber alle Haustiere, auch Hunde, Katzen, Vögel und Kaltblüter) und beschwerdefreien Menschen isoliert werden. 1 bis 5% aller Menschen, und bis zu 4.8% der Schlachthausmitarbeiter sind asymptomatische Träger des Bakteriums, bei Menschen, die Kontakt zu einem Erkrankten hatten, soll es jeder 4. sein. Möglicherweise ist die Zahl sogar höher, da die Isolierung aus den Stuhlproben schwierig ist. Ob infizierte Menschen bei der Übertragung eine wesentliche Rolle spielen ist bisher nicht genau bekannt. Sogar verarbeitete Lebensmittel, die bei 4°C gelagert werden, können Listerien enthalten (Vermehrung im Kühlschrank möglich auch ein Übergreifen auf andere Nahrungsmittel im Kühlschrank ist möglich). Einzelne epidemische Ausbrüche werden berichtet, meist handelt es sich aber um Einzelfälle. Am häufigsten tritt die Krankheit in der heißen Jahreszeit des Spätsommers und Frühherbstes auf.  Etwa 230 Fälle pro Jahr in Deutschland. Führt meist nur bei immungeschwächten Patienten (70%) Säuglingen und Senioren zu Symptomen, das Auftreten einer Listeriose sollte deshalb immer ein Grund sein, nach einer Immunschwäche (Krebserkrankungen, Leukämie, Hämophilie, Anämie, Hypogammaglobulinämie, chronische Niereninsuffizienz, chronische Hepatitis C, Diabetes, Alkoholismus, HIV(300fach erhöhtes Risiko)..) zu suchen. Im letzten Drittel der Schwangerschaft ist der Infekt besonders gefährlich und kann neben Frühgeburtsbestrebungen zu einem Absterben des Fetus, Fehl-, Früh, Totgeburt oder zur Geburt eines geschädigten Kindes führen. Auch die Infektion während der Geburt ist möglich. Die Inkubationszeit beträgt 3-45 Tage. Neben der Aufnahme durch die Nahrung ist auch eine Aufnahme (Infektion über das Auge, die Haut und in der Schwangerschaft über die Vagina möglich. Häufig tritt nur Fieber oder ein Mononukleose ähliches Krankheitsbild mit Angina und regionaler Lymphknotenschwellung auf, nur bei der Hälfte der Fälle und bei 16% der Fälle mit ZNS- Beteiligung kommt es zu relevanten Magendarmsymptomen mit Erbrechen, Durchfall, Übelkeit... Auch isolierter Hautbefall mit Geschwüren, Sepsis, Lungenentzündung, Herzklappenentzündung, Bauchfellentzündung,  oder eine isolierte Bindehautentzündung sind möglich. Gelenksinfektion nach Operation kommen ebenfalls vor. Bei einem Viertel der Fälle kommt es zu einer Neurolisteriose mit Meningoenzephalitis oder Hirnstammenzephalitis.  Die Neurolisteriose tritt eher bei den sonst gesunden Menschen auf, und weniger bei den immungeschwächten Patienten, was die Diagnose erschwert. Zunehmend Kopfschmerzen und kognitive Störungen können Symptome eines erhöhten Hirndrucks sein. Es kann zu Lethargie, Eintrübung, Bewusstseinsverlust und Koma kommen. Abduzensparesen und Fazialisparesen kommen vor, Anfälle sind seltener (werden aber bis 27% angegeben), 10 bis 15% der Patienten mit Meningoenzephalitis entwickeln eine Hemiparese. Abduzensparesen sind eher ein Hirndruckzeichen, Fazialisparesen ein Hinweis auf eine Hirnstammbeteiligung, dann folgt oft schnell eine Dysarthrie, Dysphagie, Schwindel, und Hemiataxie. Mittelhirnbeteiligungen und cerebrale Mikroabszesse werden ebenfalls berichtet.  Bei der Meningitis fehlt auffallend oft die Nackensteife. Im Blut finden sich unspezifische Entzündungszeichen, im Liquor  500- 1000 Zellen/mm3  meit keine Liquorzuckererniedrigung. Liquorkulturen sind in 80% positiv, Blutkulturen in bis zu 75% positiv. Latex-Schnelltests und Antikörpertiter sind nicht beweisend für die Krankheit. Ampicillin ist das Antibiotikum der Wahl, manchmal in Kombination mit Gentamicin, ein Ansprechen auf Trimethoprim-Sulfamethoxazol als Alternative wird berichtet, auf Cephalosporine sollen die Erreger häufig nicht ansprechen. Bei zeitiger Ampicillinbehandlung bei Verdacht, sollen 3/4 die Hirnstammenzephalitis überleben. Rückfälle nach erfolgreicher Behandlung sind möglich. Wie bei allen bakteriellen Erkrankungen kann hier die Kortisonbehandlung der Symptome zur Verschlimmerung einer Enzephalitis oder Myelitis führen. (Cave DD zur MS und anderen ZNS- Entzündungen, auch bei Verdacht auf bakterielle Meningitis, kann die Behandlung mit Cephalosporinen problematisch sein). 
 

Quellen / Literatur:

  Russell Bartt, M.D. Listeria and Atypical Presentations of Listeria in the Central Nervous System SEMINARS IN NEUROLOGY—VOLUME 20, NO. 3 2000 Listeriosesituation in der Schweiz, RKI EpidBull 2003/46

 

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