Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Malignes Neuroleptika induziertes Syndrom

Soll bei etwa 0,2% der mit Neuroleptika behandelten Patienten auftreten, am häufigsten unter Haloperidol, prinzipiell aber bei allen Neuroleptika - auch den Atypika möglich. Einzelne familiäre Fälle sind bekannt, so dass auch eine genetische Komponente in der Entstehung wahrscheinlich ist. Es bestehen gewisse Ähnlichkeiten zum Serotoninsyndrom. Die Kombination von Haloperidol mit Lithium scheint am häufigsten auslösend zu sein. Neben einer Neuroleptikabehandlung kann auch der Entzug von Parkinsonmedikamenten bei Parkinsonkranken auslösend sein. Einzelne Antidepressiva mit Wirkung auf das dopaminerge System können ebenfalls auslösend sein (Dothiepin, Amoxapin, Trimipramin). Nortryptilin und SSRIs und Lithium können vor allem bei Patienten die zuvor oder gleichzeitig Neuroleptika erhalten haben auslösend sein. Eine Vielzahl andere Medikamente wie Diphenhydramin, Methylphenidat, Droperidol und Metoclopramid können ebenfalls auslösend sein. Körperliche Erschöpfung. Flüssigkeitsmangel, Hyponatriämie, begünstigt das Syndrom. Junge Männer mit biplaren Störungen scheinen häufiger betroffen als ältere und Frauen oder an Schizophrenie erkrankte.  Hirnschädigungen und Schilddrüsenerkrankungen können das Risiko ebenfalls erhöhen.

Symptome: Unerwartete Änderungen des psychischen Befundes, Katatonie ähnliche Zustände, Herzrasen, schneller Atem, hoher Blutdruck, Sprech- und Schluckstörungen, Speichelfluss, Schweißausbrüche, Inkontinenz, Anstieg der Köpertemperatur, Rigor und CPK Anstieg im Labor können Hinweise auf den Beginn eines malignen Neuroleptika induzierten Syndroms sein. Die wichtigsten Zeichen sind Fieber, autonome Instabilität und Rigor seltener Tremor. Meist beginnt das maligne Neuroleptika induzierte Syndrom weniger als 10 Tage (selten bis zu 2 Monate) nachdem die Behandlung mit dem auslösenden Medikament begonnen wurde, innerhalb von 2 Tagen, sehr selten innerhalb weniger Stunden) entwickelt es sich meist zum Vollbild.

Diagnose: Fieber messen, Blutdruck kontrollieren (kann hoch oder nieder sein, ist oft labil), CPK Anstieg (als Zeichen der Rhabdomyolyse) auf 10 000–40 000 U/l in den meisten Fällen (kann aber auch nur leicht sein), erhöhte LDH, Leukozytose mit oder ohne Linksverschiebung, Proteinurie und Myoglobinurie, Hyponatriämie und Hypernatriämie, niedriges Serumeisen, Serumkalzium und Magnesium, metabolische Azidose und Hypoxie, im EEG diffuse Verlangsamung, leichte Eiweißerhöhung im Liquor. Die Differenzialdiagnose zur Katatonie kann schwierig sein (siehe auch Journal of Psychopharmacology, 23,2; 223-226 2009) oder The British Journal of Psychiatry 165: 548-550 1994 Manche Autoren halten es daher für sinnvoller von Hyperthermie Syndromen in der Psychiatrie zu sprechen (unter Einschluss des Serotoninsyndroms) Advances in Psychiatric Treatment (2009) 15: 181-191.

Die Behandlung des Vollbildes muss auf der Intensivstation erfolgen. Das Neuroleptikum oder Antipsychotikum wird abgesetzt, Flüssigkeitsverlust und Elektrolytverlust werden ausgeglichen, das Fieber so schnell wie möglich gesenkt. Manchmal ist eine zeitweise Dialyse notwendig. Muskelrelaxantien, und Dopaminagonisten scheinen wirksam. Die meisten Daten gibt es zu einer Behandlung mit Dantrolen i.v. und Bromocriptin oral. Einzelfälle beschreiben auch ein Wirksamkeit von subcutanem Apomorphin (Am J Psychiatry 163:1450-1451)  Wenn ein Antipsychotikum erforderlich ist, wird auf eine andere Substanzklasse gewechselt und niedrig beginnend eindosiert. Der Entzug von Parkinsonmedikamenten bei Parkinsonkranken in Sinne von Drug- Holidays wird ohnehin auch deshalb nicht mehr empfohlen, in jedem Fall sollten bei Parkinsonkranken die Medikamente (L-dopa und Dopaminagonisten) möglichst schnell wieder eindosiert werden. Bei rechtzeitiger Diagnose und Intensivbehandlung ist die Prognose meistens gut. (siehe auch J Neurol Neurosurg Psychiatry. 1995  58(3): 271–273.)

Patienten mit malignem neuroleptischem Syndrom haben ein erhöhtes Narkoserisiko, und sollte das durchgemachte Syndrom dem Narkosearzt mitteilen. Es sind zudem Rezidive möglich.
 

 

Diagnostische Kriterien nach dem DSM IV

A) Die Entwicklung einen schweren Rigors und erhöhter Temperatur in Verbindung mit neuroleptischer Medikation.

B) Zwei (oder mehr) der folgenden Kriterien (Symptome):

  • starkes Schwitzen
  • Dysphagie
  • Tremor
  • Inkontinenz
  • Bewusstseinsveränderungen von Verwirrtheit bis Koma
  • Mutismus
  • Tachykardie
  • erhöhter oder schwankender Blutdruck
  • Leukozytose
  • Laborhinweise für Muskelschädigung .

    Ausschluss: Die Symptome unter A und B sind nicht auf andere Substanzen oder einen neurologischen oder anderen medizinischen Krankheitsfaktor zurückzuführen.
    Die Symptome unter A und B können durch eine psychische Störung nicht besser erklärt werden.



 

Quellen / Literatur:

Ananth J, Aduri K, Parameswaran S, Gunatilake S. Neuroleptic malignant syndrome: risk factors, pathophysiology, and treatment. Acta Neuropsychiatrica 2004: 16:219–228.Mane A, Baeza I, Morer A, Lazaro ML, Bernardo M. Neuroleptic malignant syndrome associated with risperidone in a male with early-onset schizophrenia. J Child Adolesc Psychopharmacol. 2005 Dec;15(6):844- Borovicka MC, Bond LC, Gaughan KM.Ziprasidone- and Lithium-Induced Neuroleptic Malignant Syndrome (January). Ann Pharmacother. 2005 Dec 13, Tsai JH, Yang P, Yen JY, Chen CC, Yang MJ. Zotepine-induced catatonia as a precursor in the progression to neuroleptic malignant syndrome. Pharmacotherapy. 2005 Aug;25(8):1156-9Mendhekar DN, Jiloha RC.Neuroleptic malignant syndrome precipitated by haloperidol following clozapine discontinuation. Aust N Z J Psychiatry. 2005 Oct;39(10):947-8Nielsen J, Bruhn AM.Atypical neuroleptic malignant syndrome caused by olanzapine. Acta Psychiatr Scand. 2005 Sep;112(3):238-40;

 

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