Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Messie- Syndrom

engl.„mess“ (Unordnung, Chaos, Durcheinander). Auch Diogenes Syndrom, Senile Squalor Syndrom, Vermüllungsyndrom,   Sammelzwang -Horten und Nicht-Wegwerfen-Können-  oft bis zum  „Vermüllungssyndrom“. Sie lassen niemanden in Ihre Wohnung, horten z. B. Zeitungen und Zeitschriften, können sich von nichts trennen, suchen ständig verlegte Sachen, z. B. Schlüssel, Rechnungen,..haben Schwierigkeiten, eine Arbeit zu beenden, versuchen ständig, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, dieser Zustand treibt sie zur Verzweiflung und/oder in die Isolation. Es handelt sich um ein Syndrom, damit nicht um eine definierte Krankheit, sondern um ein Symptom anderer psychischer Störungen oder Hirnverletzungen. Möglicherweise liegt eine Störung im rechten medialen Frontalkortex ursächlich der Sammelwut zugrunde. Gemeint ist das Anhäufen nutzloser Gegenstände in der Wohnung nicht selten mit allgemeiner Verwahrlosung auch durch das Sammeln von Müll.  Wertlose Gegenstände wie leere Joghurtbecher, Marmeladengläser, Eierschachteln, alte Zeitungen usw. werden zu Schätzen die gehütet werden müssen und die man irgend wann einmal brauchen könnte, noch lesen will etc. Häusliche und persönliche Hygiene werden vernachlässigt, soziale Isolation ist häufig. Die große Scham verhindert sehr häufig notwendige soziale Kontakte und die "Messies" leiden unter der damit verbundenen Ausweglosigkeit. Es gibt durchaus Menschen die einem akademischen Beruf nachgehen und verheiratet sind und dennoch in hohem Maße von diesem Syndrom befallen sind, die meisten leben aber isoliert. Die Störung führt meist zu ganz erheblichen Problemen in der sozialen, beruflichen und familiären Integration Nach Schätzungen der Selbsthilfegruppe „Anonyme Messies“ gibt es in Deutschland mehr als 1,8 Millionen Menschen, die mit solchen chaotischen Zuständen leben. Die meisten Betroffenen sind zwischen 40 und 50 Jahre alt,  80% sind Frauen; Jeder Mensch verfügt von Natur aus über ein ausgeprägtes Organisationstalent, das aber aus verschiedenen Gründen im Laufe des Messie - Lebens verschüttet wurde. Ursachen sind häufig schwere psychische Krankheiten wie Schizophrenie,  affektiven Psychosen, Zwangsstörung, Suchterkrankungen, Demenz, Borderline-Störungen, Hirnschädigungen. Nach Dettmering drei Formen der Vermüllung: 1.) Wohnungen, in denen wertlose Gegenstände nach einem „Ordnungsschema“ gesammelt werden. Hier existiert manchmal ein Gangsystem, das an die Bauten von Nagetieren erinnert. 2.) Wohnungen, in denen Dinge ohne System gehortet werden. Sie gleichen eher Müllhalden, und die Benutzung wichtiger Gebrauchsgegenstände, wie Herd und sanitäre Anlagen, ist stark eingeschränkt.3.) Wohnungen, die unbewohnbar geworden sind, weil ihre hygienischen Einrichtungen nicht mehr funktionieren. Hier finden sich oft Essensreste, Urin und Exkremente im Wohnbereich. Meistens besteht keine Krankheitseinsicht und kein Wunsch nach einer Behandlung. Hilfsangebote werden oft als Bedrohung empfunden, es bedarf viel Mühe und Feinfühligkeit um eine Behandlungsmotivation zu erreichen. Von den Helfern entsorgter Müll wird oft als verlorener oder geraubter Schatz empfunden. Hilfe bedarf hier also oft eines großen Einfühlungsvermögens und der großen Toleranz.
 

Quellen / Literatur:

Dettmering P, Pestanaci R: Das Vermüllungssyndrom – Theorie und Praxis. Eschborn: Dietmar Klotz 2001.,Gross, Dipl.-Psych. Werner, Messie-Syndrom: Löcher in der Seele stopfen Dtsch Arztebl 2002; 99: PP 419–420 [Heft 9], FEM - Förderverein zur Erforschung des Messiesyndroms Anderson SW, Damasio H, Damasio AR: A neural basis for collecting behaviour in humans. Brain 2005; 1: 201–212. Thomas Knecht Das Diogenes-Syndrom: ein Phänomen der Vermüllung aus psychiatrischer Sicht Dranghaftes Sammeln und Horten als morbusübergreifende Verhaltensstörungen Schweiz Med Forum 2007;7:839–845

 

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