Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Neurozystizerkose

Schweinebandwurm "Taenia solium"- werden bis 4 Meter lang. Die Bandwurminfektion an sich ist oft harmlos, die Cysticercose  oder Zytizerkose mit Zystenbildungen im Gehrin kann massive Beschwerden verursachen und zu Behinderungen führen. Die cerebrale Beteiligung an der Schweine- Bandwurmerkrankung im Stadium der Finnenbildung ist eine der Hauptursachen der Epilepsie in Entwicklungsländern (mit Ausnahme moslemischer Länder) überwiegend ausgelöst durch das Halten von Hausschweinen. In Mexikocity soll 1% der Bevölkerung infiziert sein, 25% aller Hirntumore dort gehen auf diese Bandwürmer zurück. Früher dachte man, die einzige Möglichkeit sich anzustecken sei der Genuss von rohem Schweinefleisch, seit einem Ausbruch der Erkrankung 1992 bei einer Sekte orthodoxer Juden weiß man, dass auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch (fäkal-oral) möglich ist. Überall dort, wo sich viel menschlicher Stuhl im Boden findet, ist die Infektionsrate hoch. Es handelt sich also um ein Problem der Armut, Kanalisation und Hygiene.  Infektionsquelle in letzterem Fall waren infizierte mexikanische Hausangestellte. Die Behandlung (mit Niclosamid, Praziquantel und Mebendazol) ist billig, der Nachweis des Befalls des Gehirns mittels Kernspintomographie oder Computertomographie für die meisten Entwicklungsländer zu teuer. Ein serologischer Nachweis ist möglich. Zu Beginn der Behandlung kann als Folge der entzündlichen Reaktion eine vorübergehende Verschlechterung der neurologischen Symptome auftreten. Meist handelt es sich nur um Kopfschmerzen, die sich mit Kortisongabe bessern lassen, selten treten aber auch schwere Symptome auf. Manche Autoren gehen davon aus, dass die Erreger nur beim Absterben Symptome machen und raten deshalb von einer Behandlung ab, überwiegend wird aber davon ausgegangen, dass die Entscheidung ob behandelt werden soll von den individuellen Ergebnissen abhängig gemacht werden sollte. Die Studienlage ist uneinheitlich, es liegen auch zu wenige brauchbare Studien vor.   Dass die Symptome behandelt werden müssen ist aber unzweifelhaft (Antiepileptika, Shunt, ...). Die Differenzialdiagnose kann schwierig sein. Einzelne Zysten können mit Arachnoidalzysten, Porenzephalie, zystischen Astrozytomen, Colloidzysten des 3. Ventrikels verwechselt werden, Multiple Zysten können dem Bild multipler Metastasen, einer Tuberkulose, einer Mykose, einer Toxoplasmose, Abszessen, einen Frühstadium eines Gioms, Arteriovenösen Malformationen, der tuberösen Sklerose, einer Cytomegalievirusinfektion ähneln.   Taenia solium ist die adulte Form und befällt die Eingeweide, die Zystizerkose ist die embryonale Form und befällt hauptsächlich die Muskeln, die Augen, und das Gehirn,  Verkalkung der Finnen sind radiologisch einfach nachweisbar. Nachdem sie in das ZNS eingedrungen sind, verursachen die Zysticerci entzündliche Veränderungen im umgebenden Gewebe. Die Zysticerci können wegen der für sie schützenden Bluthirnschranke lange in diesem Stadium verbleiben. Sie verursachen dann Symptome durch die Raumforderung und dadurch, dass sie den Liquorfluss blockieren. Viele Symptome der Neurozysticerkoss sind aber auch direkte Folge des Entzündungsprozesses der die Degeneration der Zysten begleitet. Die Symptome sind insgesamt unspezifisch. Epileptische Anfälle sind das häufigste und oft einzige Symptom, sie treten bei 50-80% der Patienten mit parenchymalen Hirnzysten oder Verkalkungen auf, sind aber bei anderen Formen der Erkrankung seltener. Der neurologische Untersuchungsbefund ist oft normal. Eine Neurozysticerkose kann auch als erstes Symptom Hirndruckzeichen oder einen Hydrozephalus zeigen ( 20-30% der Fälle). Wenn die Zysten größer als die üblichen 1-2 cm werden, erzeugen sie die selben Symptome wie eine Tumormasse. Sie führen dann zu einer Druckschädigung und einem Ödem des umgebenden Gewebes und erzeugen dann entsprechende hirnlokale Symptome und Ausfallserscheinungen.  Schlaganfälle entstehen am häufigsten durch eine subarachnoidale Neurozysticerkose seltener auch durch intraparenchymale Infektionen. Meist handelt es sich um tiefe lacunäre Infarkte als Folge einer Endarteritis der kleinen penetrierenden Arterien, ein Verschluss großer Gefäße ist selten. Bei Kindern und Teenagern kann eine akute Enzephalitis auftreten. Sie ist Folge einer massiven entzündlichen Reaktion auf den Erreger. Eine Kompression des Rückenmarkes tritt bei 1% der Fälle auf, meist ist auch dann der Subarachnoidalraum befallen, selten gibt es auch intramedulläre Zysten. In Asien haben die meisten Patienten einzelne Hirnläsionen, nur wenige haben sehr massive Infektionen mit Hunderten von Zysten. In Lateinamerika tritt die Neurozysticerkoe meist mit mehreren Zysten ohne Entzündungszeichen auf.
 

Quellen / Literatur:

Sotelo, J. (2003). Neurocysticercosis. BMJ 326: 511-512 [Full Text]  Garcia, H. H., Evans, C. A. W., Nash, T. E., Takayanagui, O. M., White, A. C. Jr., Botero, D., Rajshekhar, V., Tsang, V. C. W., Schantz, P. M., Allan, J. C., Flisser, A., Correa, D., Sarti, E., Friedland, J. S., Martinez, S. M., Gonzalez, A. E., Gilman, R. H., Del Brutto, O. H. (2002). Current Consensus Guidelines for Treatment of Neurocysticercosis. Clin. Microbiol. Rev. 15: 747-756 [Abstract]  Nicoletti A, Bartoloni A, Reggio A, Bartalesi F, Roselli M, Sofía V, et al. Epilepsy, cysticercosis, and toxocariasis: a population-based case-control study in rural Bolivia. Neurology 2002; 58: 1256-1261   Leite JP, Terra-Bustamante VC, Fernandes RMF, Santos AC, Chimelli L, Sakamoto AC, et al. Calcified neurocysticercotic lesions and postsurgery seizure control in temporal lobe epilepsy. Neurology 2000; 55: 1485-1491  Medicine-Worldwide-Schweinebandwurm  Héctor H García, Armando E Gonzalez, Carlton A W Evans, Robert H Gilman, for the Cysticercosis Working Group in Peru, Taenia solium cysticercosis  [Summary] [Full Text] [PDF] Lancet 2003; 362: 547-56 Kramer LD, Locke GE, Byrd SE, Daryabagi J. Cerebral cysticercosis: documentation of natural history with CT.  Radiology 1989; 171: 459-62. [PubMed]Sotelo J, Escobedo F, Penagos P. Albendazole vs praziquantel for therapy for neurocysticercosis: a controlled trial.  Arch Neurol 1988; 45: 532-34. [PubMed Sonja Bertschya, Madeleine Rothenb, Christoph Hatzc Neurozystizerkose Schweiz Med Forum 2009;9(14):288–28

 

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