Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Prolaktinome

haben eine Prävalenz von etwa 100 pro 1 Million Menschen. Prolaktin- produziernde Tumore sind gutartig und machen etwa 40% aller Hypophysentumore aus. Die Mikroprolaktinome treten etwa 20-mal häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Alle anderen Adenomtypen kommen nur geringfügig häufiger bei Frauen vor. Risikofaktoren, die die Entstehung von Hypophysenadenomen beeinflussen bzw. begünstigen, sind nicht bekannt. Bei Frauen sind über 90% kleine intrasellare Tumore, die selten wachsen vorhanden. Neurologische Symptome und Kopfschmerzen sind bei Frauen selten Folge eines Prolaktionoms. Prolaktin stimuliert überwiegend den Milchfluss, eine Hypersekretion von Prolaktin führt aber auch zu Unfruchtbarkeit, sexuellen Funktionsstörungen, die Sekretion von GRH, LH und FSH wird eingestellt, dadurch wird auch die Produktion von Geschlechtshormonen in den Hoden oder Eierstöcken vermindert. Bei Frauen tritt am häufigsten eine Amenorrhoe oder Oligomenorrhoe und Unfruchtbarkeit auf, die fehlende Regel fällt nicht selten erst nach Absetzen der Pille auf. Eine Hormoneinnahme begünstigt aber Prolaktinome nicht. Bei Männern sind Prolactinome typischerweise bei Diagnosestellung groß, sie verursachen bei Männern deshalb auch häufiger Hirnnervenstörungen, . Sehstörungen und einen Hypopituitarismus. Hyperprolaktinaemie führt bei Männern zu Impotenz, verminderter Libido, und Unfruchtbarkeit. Eine Galactorrhoe (Milchfluss) und Gynäkomastie sind eher selten, aber bei Männern besonders beeinträchtigend. Bei beiden Geschlechtern führt eine langdauernde Hyperprolaktinaemie zu einer verminderten Knochendichte in der Wirbelsäule (durch die Gonadendysfunktion mit mangelnder Produktion von Geschlechtshormon und nicht durch das Prolaktin direkt). Nach Reduktion des Prolaktins durch die Behandlung bessert die Osteoporose, erreicht aber nicht den Ausgangswert. Als Symptom einer Hyperprolaktinämie kommt es sowohl bei der Frau als auch beim Mann zu einer gestörten Gonadenfunktion. So sind 18,8% der sekundären Amenorrhoen auf Prolaktinome zurückzuführen. Auch eine spontane Galktorrhoe kann wegweisend sein. Meist handelt es sich um Mikroadenome. Ein erhöhter PRL-Spiegel ist jedoch nicht mit einem Prolaktinom gleichzusetzen. Es kann sich auch um eine Begleithyperprolaktinämie bei hormoninaktiven Adenomen oder bei anderen suprasellären Tumoren handeln. Durch Druck auf den Hypothalamus oder durch eine Kompression des Hypophysenstiels kommt es zu Unterbrechungen der Verbindung von Hypothalamus zur Hypophyse, sodass sich die dopaminerge Inhibition vermindert. Eine medikamentös induzierte Hyperprolaktinämie, die durch Medikamente wie Neuroleptika oder Metoclopramid hervorgerufen wird, ist ebenfalls nicht selten. Denkbar ist auch eine primäre Hypothyreose (TRH-induzierte Hyperprolaktinämie). Somit sind für die Diagnose die Medikamentenanamnese, die Bestimmung von PRL basal (mindestens dreimal) sowie auch ein TRH-Test wichtig. Für die Hyperprolaktinämie gilt die Korrelation: Höhe des PRL- Spiegels – Größe des Adenoms. Makroadenome führen zu stärkerem Hormonanstieg, Spiegel über 250 µg/l sind hier häufig, manchmal liegt der Spiegel sogar über 1000 µg/l. Wenn bei einem Makroadenom der Prolaktinspiegel nur gering erhöht ist, kann diese Diskrepanz zwischen großem Tumor und nur leicht erhöhtem Prolaktinspiegel entweder auf die Kompression der Hypophyse durch den Tumor zurückgehen oder ein Artefakt im Radioimmunoassay für das Prolaktin sein. Diese Artefakt wird “Hookeffekt genannt und ist durch serielle Verdünnungen der Serumproben im Labor behebbar. Erhöhungen des Prolaktinspiegels können unabhängig von der Ursache das Brustkrebsrisiko erhöhen. Craniopharyngiome, Akromegalie, granulomatöse Infiltrationen des Hypothalamus, schwere Schädeltraumen, und große Hypophysentumore ohne Hormonausschüttung können ebenfalls den Prolaktinspiegel ansteigen lassen und müssen von Prolaktinomen unterschieden werden. Die Behandlung hängt auch davon ab, ob Kinderwunsch besteht. Prolaktinome werden in der Regel mit Dopaminagonisten (Lisurid, Bromocriptin, Cabergolin) behandelt. Cabergolin ist möglicherweise effektiver als Bromocriptin. Eine transsphenoidale Operation bietet keine sichere Heilung, ein Wiederauftreten eine Hyperprolaktinaemie ist häufig. 95% der Mikroadenome wachsen nicht. Auch die Ausdehnung des Tumors geht unter medikamentöser Behandlung zurück. Der Prolaktinspiegel wird zu Beginn der Behandlung monatlich kontrolliert. Über Bromocriptinbehandlungen in der Schwangerschaft liegen mehr Daten vor als über Cabergolin, die Behandlung wird nach Ausbleiben der Regel unterbrochen. Nur in einem Prozent wachsen die Mikroadenome während einer Schwangerschaft, bei Makroadenomen ist dieses Risiko bei 15-35%, so dass bei Kinderwunsch eine Operation (vor Beginn der Schwangerschaft) diskutiert werden muss. Daten über eine Bromocriptinbehandlung während der Schwangerschaft haben bisher kein erhöhtes Missbildungsrisiko nachgewiesen, das Risiko des Medikamentes wird für geringer eingeschätzt, als das einer Operation während der Schwangerschaft. Bei Makroadenomen muss in der Schwangerschaft eine regelmäßige Gesichtsfeldkontrolle erfolgen. Stillen führt nicht zu einem Wachstum der Prolaktinome. Wenn die Tumorgröße um 50% zurückgegangen ist und die Prolaktinspiegel sich normalisiert haben, kann die Medikamentendosis in der Regel nach 2 Jahren halbiert werden. Nach 3-4 Jahren soll bei manchen Patienten nach Absetzen der Behandlung der Prolaktinspiegel normal bleiben, die Angaben schwanken zwischen 3 und 60% (für mit Cabergolin behandelte Mikroadenome).
 

Quellen / Literatur:

D. Ivan, U. Renner, G. K. Stalla, NeuroTransmitter 11·2001

 

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