Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Prostatitis chronische

Etwa 9-12% aller Männer sollen an Symptomen einer Prostatitis leiden, sie haben ziehende Unterbauchschmerzen, müssen häufig Wasserlassen, leiden unter Brennen beim Wasserlassen, und manchmal auch unter Potenzstörungen. Nach probatorischer antibiotischer Behandlung stellt sich bei unverändert gebliebenen Symptomen Enttäuschung oder gar Verzweiflung ein. Nur in 5-10% der Fälle einer klinischen Prostatitis sind nachweislich Bakterien die Ursache. Obwohl Bakterien die Prostata infizieren können, haben die meisten Männer mit Prostatitisbeschwerden einen negativen Mittelstrahlurin ohne Nachweis von Bakterien in der Urinkultur, damit ohne Nachweis einer Infektion durch Bakterien als Ursache ihrer Prostata oder Beckenbeschwerden. Man spricht hier von einer Prostatitis Typ 3, oder einer chronischen Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS) bzw. vom entzündlichen oder nicht entzündlichen chronischen Schmerzsyndrom des Beckens. Studien zeigen, dass Bakterien in der Prostata nicht mit Beschwerden seitens der Prostata korrelieren, Bakterien alleine erkläre somit selten die Beschwerden. Die chronische Prostatitis wird nach den National Institutes of Health (NIH) Konsensus Klassifikationen für Prostatitissyndrome in 4 Kategorien eingeteilt. Typ1 ist die akute bakterielle Prostatitis (ABP), Typ 2 die chronisch bakterielle Prostatitis (CBP), Typ 3 die chronische Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS) (Dauer mindestens 3 Monate) und Typ 4 die asymptomatische entzündliche Prostatitis. Die Klassifikation hat erstmals eingestanden, dass beim häufigen CPPS (Typ3) die Ursache nicht bekannt ist und möglicherweise auch nicht anatomisch im Bereich der Prostata liegt. Typ 3 ist dabei das bei weitem häufigste Syndrom und wird in 2 Formen unterschieden: Typ 3A ist entzündlich mit Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im zur Untersuchung gewonnenen Prostatasekret, Post–Prostatamassage-Urin, oder Samen. Typ 3 B ist nicht entzündlich in den genannten Flüssigkeiten sind keine Leukozyten nachweisbar. Die Ursache der CP/CPPS ist unbekannt. Antibiotika waren in mehreren Studien wirkungslos, Studien zu Alphablockern ergaben widersprüchliche Erklärungen. Insgesamt bleibt die Ursache der CP/CPPS unbekannt. Verschiedene Theorien zur Entstehung sind im Umlauf, ein Ungleichgewicht zwischen erhöhten proinflammatorischen und verminderten antiinflammatorischen Zytokinen, ein Autoimmunprozess, Defekte an einem Androgenrezeptor, Blasenentzündungen, Störungen in der normalen Bakterienflosra, neurogene Entzündungen, und zentrale Sensiblisierungen wurden angeschuldigt. Psychologisch/psychosomatische Faktoren spielen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Rolle. Viele Patienten scheinen von einer Einbeziehung psychosomatischer Behandlungen ins Gesamtbehandlungskonzept zu profitieren. Muskelentspannung und Ausdauersport ist eine aussichtsreiche therapeutische Option, auch warme Sitzbäder können entspannen, für Liebhaber pflanzlicher Heilmittel kommen auch Kürbiskerne in Betracht. Ob allerdings zu intensive Anwendung welcher Behandlung auch immer, nicht zu einem verstärkten Leiden an den Beschwerden und einer Symptomfixierung führt ist offen. Immer sollte auch eine psychosomatische Diagnostik erfolgen. Ohne dass hierfür eine Zulassung oder ein gesicherter Wirkungsnachweis vorliegt, erfolgen teilweise Behandlungen mit Immunsuppressiva, Antidepressiva, Antiepileptika, Muskelrelaxantien, Schmerzmitteln, Antihormonen, verschiedenste pflanzliche und chemische Kombinationsarzneimittel, ... Eine Behandlung sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.Was nicht nützt kann trotzdem schaden. Die sakrale Neuromodulation kann eventuell in seltenen scheinbar aussichtslosen schweren Fällen eine therapeutische Alternative sein.
 

Quellen / Literatur:

Wolfgang Weidner,Treating Chronic Prostatitis: Antibiotics No, Alpha-Blockers Maybe, Ann Intern Med. 2004;141:639-640. Richard B. Alexander,  Ciprofloxacin or Tamsulosin in Men with Chronic Prostatitis/Chronic Pelvic Pain Syndrome: A Randomized, Double-Blind Trial, Ann Intern Med. 2004;141:581-589.  Pontari MA, Ruggieri MR.  Mechanisms in prostatitis/chronic pelvic pain syndrome. J Urol. 2004 Sep;172(3):839-45. Review Gonzalez RR, Te AE. Chronic prostatitis and sensory urgency: whose pain is it? Curr Urol Rep. 2004 Dec;5(6):437-41. Review Potts JM. Chronic pelvic pain syndrome: a non-prostatocentric perspective. World J Urol. 2003 Jun;21(2):54-6. Epub 2003 Apr 4. Review. J. Curtis Nickel, A New Era in Prostatitis Research Begins, Rev Urol. 2000;2(1):16-18 European Association of Urology - Guidelines on chronic pelvic pain   Thomas M. Kessler, Fiona C. Burkhard, Urs E. Studer Sakrale Neuromodulation –letzte Hoffnung bei therapierefraktären Blasenfunktionsstörungen und chronischem Schmerzsyndrom des Beckens? Schweiz Med Forum 2005;5:540–545

 

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