Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Psychopathie Psychopath

Sonderform der dissozialen (ICD 10) oder antisozialen (DSM IV) Persönlichkeit. Traditionell hat man Menschen mit bestimmten Auffälligkeiten des Gefühlslebens und des Interaktionsverhaltens als Psychopathen bezeichnet. Gemeint waren oberflächliche Egozentriker mit Größenideen, mangelndem wirklichem Einfühlungsvermögen (wenngleich die emotionale Oberflächlichkeit für viele anderen Menschen verführerisch ist) und fehlenden Schuldgefühlen aber Charme und Erfolg in der Manipulation von Menschen für die eigenen Bedürfnisse. Neben dem fehlenden Schuldbewusstsein besteht eine Unfähigkeit, aus negativer Erfahrung, insbesondere Bestrafung, zu lernen, was vermutlich nach neueren Studien bereits im Kindergartenalter als Risikofaktor erkennbar wird und andauernde Kriminalität begünstigt. Arch Gen Psychiatry. 2006;63:562-568. Sie brauchen ständig Aktion und Abenteuer, sind impulsiv und haben ihr Verhalten schlecht unter Kontrolle, zeigen kein Verantwortungsgefühl und geraten oft mit dem Gesetz in Konflikt. Bereits 1952, wurde das Wort "Psychopath" in offiziellen psychiatrischen Nomenklaturen durch das Wort "soziopathische Persönlichkeit und später dissozialen oder antisozialen Persönlichkeit ersetzt. Die Bezeichnung gilt seit Einführung des Begriffs dissozialen oder antisozialen Persönlichkeit im DSM III bei in einem Teil der Literatur als überholt, hat aber weiter seine Berechtigung und wird auch weiter in der Forschung und einem Teil auch der neuen Literatur berechtigt verwendet. Das DSM III ging (weniger auch die Nachfolger DSM IV und IV TR, die teilweise das Psychopathiekonzept wieder eingefügt haben) davon aus, dass es sinnvoller ist Persönlichkeitsstörungen nach direkt beobachtbaren Verhaltensweisen zu definieren. Das DSM IV listet deshalb weiter nur die antisozialen Verhaltensweisen als Diagnosekriterien auf. Der ICD 10 erwähnt zusätzlich die Gefühlsarmut, und die Unfähigkeit aus Bestrafung zu lernen. Ein Vergleich der Definitionen zeigt aber, dass es sinnvoll erscheint, den Begriff des Psychopathen nach der Definition von Hare aufrecht zu erhalten. Die meisten Psychopathen (mit Ausnahme derer, die es irgendwie schaffen ohne Kontakt mit dem Strafjustizsystem durchs Leben zu kommen) erfüllen die Kriterien für eine dissoziale oder antisoziale Persönlichkeit aber die meisten Menschen mit einer dissozialen oder antisozialen Persönlichkeit, sind nach der Definition von Hare keine Psychopathen. Der begriff der Psychopathie scheint bessere Vorraussagen bezüglich der Prognose von Straftätern und deren Ansprechen auf Behandlung zu erlauben. Die Hare Psychopathy Checklist-Revised (PCL-R) (Hare 1991), benutzt eine 20-Itemkonstrukt Ratingskala die mit einem halbstrukturierten Interview abgefragt werden kann. Für jedes Item ist ein Schweregrad auf einer 3-Punkteskala (0, 1, 2) definiert. Entsprechend kann der Summenscore zwischen 0 und 40 liegen. Etwa 15- 20% aller wegen eines Verbrechens verurteilten Menschen ereichen nach Studien einen Score von mindestens 30, der auch in der Forschung als cutoff für die Diagnose Psychopathie angesehen wird. Der Durchschnittsscore für Menschen die einer Straftat überführt werden liegt bei 22, bei nicht kriminellen Menschen bei 5. Viele Schwerverbrecher insbesondere Serienkiller oder notorische Betrüger lassen sich gut mit diesem Konzept einordnen. 20 Punkte Checkliste nach Hare: Merkmale: Trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme, erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl, Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger), ständiges Gefühl der Langeweile, pathologisches Lügen (Pseudologie), betrügerisch-manipulatives Verhalten, Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein, oberflächliche Gefühle, Gefühlskälte, Mangel an Empathie, parasitärer Lebensstil, Unzureichende Verhaltenskontrolle, Promiskuität, frühe Verhaltensauffälligkeiten, Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen, Impulsivität, Verantwortungslosigkeit, Mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen, viele kurzzeitige ehe(ähn)liche Beziehungen, Jugendkriminalität, Missachtung von Weisungen und Auflagen, polytrope Kriminalität. Teilweise wird auch eine 12 Punkte PCL-R verwendet. Die Items werden dabei generell in 2 Cluster eingeteilt: Ein Cluster, auch als Faktor 1 bezeichnet, bildet das Zentrum der interpersonalen und affektive Charakteristika der Person ab; das andere Cluster, Faktor 2, besteht aus Items die den sozial- devianten und nomadischen Lebensstil der Betroffenen abbilden. Andere Untersucher legen den Schwerpunkt in der Diagnose auf arrogant-betrügerische Interaktionsstile, defizitäre affektive Erlebnisweisen und impulsiv-unverantwortliches Verhalten.
 

Quellen / Literatur:

Cooke DJ, Michie C (2001) Refing the construct of psychopathy. Psychol Assess 13: 171–188,  KARL M. BOWMAN A CRITICISM OF CURRENT USAGE OF THE TERM "SEXUAL PSYCHOPATH" American Journal of Psychiatry 109:177-182, September 1952 The  Hare RD (2003) The Hare psychopathy check list. Revised, 2nd edn. Multi-Health Systems, Toronto, Nedopil N (2000) Forensische Psychiatrie, 2. Aufl. Thieme, Stuttgart,  R D. Hare, Psychopathy and Antisocial Personality Disorder: A Case of Diagnostic Confusion Psychiatric Times 1996, Vol. XIII, Issue 2,  Willem H.J. Martens, The Hidden Suffering of the Psychopath, Psychiatric Times, 2002, Vol. XIX, Issue 1

Katrin Günther Diagnose „Psychopath“ – Die Behandlung von Soldaten und Zivilisten in der Marburger Universitäts-Nervenklinik 1939-1945

 

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