Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 


Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Remission

(vom lat.: remissio = zurücksenden, nachlassen) heißt Rückgang seelischer oder körperlicher Krankheitszeichen, jedoch noch keine vollständige Wiederherstellung der Gesundheit (Heilung). Manchmal wird zwischen kompletter Remission und teilweiser oder partieller Remission unterschieden. Remission bei einer Krebserkrankung kann beispielsweise bedeuten, dass mit Untersuchungen keine Metastasen oder Krebszellen nachweisbar sind, dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass keine Krebszellen mehr vorhanden sind oder der Tumor geheilt ist. Ähnliches gilt beispielsweise bei rheumatischen Erkrankungen. Bei vielen chronischen Krankheiten muss im Stadium der Remission weiter behandelt werden. Bei Depressionen gibt es eine Diskussion, ab wann von einer Remission zu sprechen ist. Dabei gibt es Auffassungen, die davon ausgehen, dass wenn bei einer Untersuchung keine Restsymptome vorhanden sind, bereits von einer Remission zu sprechen ist. Andere Auffassungen setzen eine Symptomfreiheit für einen definierten Zeitraum voraus.

Wann von einer Remission ausgegangen wird, ist bei verschiedenen Erkrankungen unterschiedlich definiert. Die World Federation of Societies of Biological Psychiatry Guideline definiert bei Depressionen beispielsweise:

  • Non-response oder fehlendes Ansprechen — bei 25% oder weniger Besserung der Symptomschwere im Vergleich zum Ausgangswert.
  • Partielle Response oder teilweises Ansprechen auf die Behandlung — bei 26-49% Besserung der Symptomschwere im Vergleich zum Ausgangswert.
  • Response oder Ansprechen auf die Behandlung —bei 50% oder mehr Besserung der Symptomschwere im Vergleich zum Ausgangswert.
  • Remission— Fehlen von Symptomen definiert nach einer absoluten Scala (beispielsweise, Score von ≤7 auf der Hamiltonskala zur Diagnose einer Depression)

Das Ergebnis kann dabei bei Verwendung unterschiedlicher Skalen (z.B. Beck´s Depressionsinventar, Montgomery-Asberg Skala, Hamiltonskala...) auch differieren.

 

Remission, Besserung, und nicht tolerable Nebenwirkungen bei einer 1-4 akute Episode Stufenbehandlung der Depression

 
Stufe 1
Stufe 2
Stufe 3
Stufe 4
Anzahl der Patienten
3,671
1,439
390
123
Remission (%)
37
31
14
13
Besserung (%)
49
29
17
16
nicht tolerable Nebenwirkungen (%)
16
20
26
30

bei jedem Behandlungsschritt sinkt die Remissionsrate und steigen die beobachteten Nebenwirkungen und die Rezidivraten an. Nach 2 Behandlungsschritten erreichen bei antidepressiver Behandlung mehr als die Hälfte der Patienten eine vollständige Remission, wenn sie die Behandlung weiterführen.  Im weiteren Verlauf sind die Remissionsraten deutlich niedriger. Etwa 67% insgesamt erreichen eine komplette Remission. Stärkere Chronifizierung und allgemeine Komorbidität verschlechtern die Prognose und machen weitere Behandlungsschritte notwendig.  Remission hat in Studien eine deutlich bessere Prognose als eine Besserung ohne Remission. Je mehr Behandlungsschritte notwendig sind, umso schlechter die Prognose.  Am J Psychiatry 163:1905-1917, November 2006
 

Quellen / Literatur:

  1. M. A. Badaracco keeping Our Depressed Patients in the Right Treatment Long Enough for Them to Get Better: Some Hopeful Findings Am J Psychiatry, August 1, 2007; 164(8): 1136 - 1139.  [Full Text] [PDF]
  2. M. E. Thase, E. S. Friedman, M. M. Biggs, S. R. Wisniewski, M. H. Trivedi, J. F. Luther, M. Fava, A. A. Nierenberg, P. J. McGrath, D. Warden, et al. Cognitive Therapy Versus Medication in Augmentation and Switch Strategies as Second-Step Treatments: A STAR*D Report Am J Psychiatry, May 1, 2007; 164(5): 739 - 752. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  3. Bauer M, Bschor T, Pfennig A,Whybrow PC, Angst J,  Versiani M, et al. World Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP) guidelines forbiological treatment ofunipolar depressive disorders in primary care. World J Biol Psychiatry 2007;8:67-104.
  4. Greden JF. The burden of disease for treatment-resistant depression. J Clin Psychiatry 2001;62(suppl 16):26–31 Nierenberg AA, DeCecco LM. Definitions of antidepressant treatment response, remission, nonresponse, partial response, and other relevant outcomes: a focus on treatment-resistant depression. J Clin Psychiatry 2001;62(suppl 16):5–9
  5. G. Gartlehner, B. N. Gaynes, R. A. Hansen, P. Thieda, A. DeVeaugh-Geiss, E. E. Krebs, C. G. Moore, L. Morgan, and K. N. Lohr Comparative Benefits and Harms of Second-Generation Antidepressants: Background Paper for the American College of Physicians Ann Intern Med, November 18, 2008; 149(10): 734 - 750. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  6. R. Hansen, B. Gaynes, P. Thieda, G. Gartlehner, A. Deveaugh-Geiss, E. Krebs, and K. Lohr
    Meta-analysis of Major Depressive Disorder Relapse and Recurrence With Second-Generation Antidepressants Psychiatr Serv, October 1, 2008; 59(10): 1121 - 1130.  [Abstract]
  7. D. Brent, G. Emslie, G. Clarke, K. D. Wagner, J. R. Asarnow, M. Keller, B. Vitiello, L. Ritz, S. Iyengar, K. Abebe, et al. Switching to Another SSRI or to Venlafaxine With or Without Cognitive Behavioral Therapy for Adolescents With SSRI-Resistant Depression: The TORDIA Randomized Controlled Trial JAMA, February 27, 2008; 299(8): 901 - 913. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  8. S. C. Yudofsky Changing Tides in Neurosurgical Interventions for Treatment-Resistant Depression
    Am J Psychiatry, June 1, 2008; 165(6): 671 - 674. [Full Text] [PDF]
  9. I. Anderson, I. Ferrier, R. Baldwin, P. Cowen, L Howard, G Lewis, K Matthews, R. McAllister-Williams, R. Peveler, J Scott, et al. Evidence-based guidelines for treating depressive disorders with antidepressants: A revision of the 2000 British Association for Psychopharmacology guidelinesJ Psychopharmacol, June 1, 2008; 22(4): 343 - 396.  [Abstract]
  10. J. C. Nelson and G. I. Papakostas Atypical Antipsychotic Augmentation in Major Depressive Disorder: A Meta-Analysis of Placebo-Controlled Randomized Trials Am J Psychiatry, September 1, 2009; 166(9): 980 - 991. [Abstract]
  11. H. A. Sackeim, E. M. Dillingham, J. Prudic, T. Cooper, W. V. McCall, P. Rosenquist, K. Isenberg, K. Garcia, B. H. Mulsant, and R. F. Haskett Effect of Concomitant Pharmacotherapy on Electroconvulsive Therapy Outcomes: Short-term Efficacy and Adverse Effects Arch Gen Psychiatry, July 1, 2009; 66(7): 729 - 737. [Abstract]
  12. R. M. Carney and K. E. Freedland Treatment-Resistant Depression and Mortality After Acute Coronary Syndrome Am J Psychiatry, April 1, 2009; 166(4): 410 - 417.  [Abstract]
  13. R. Uher, W. Maier, J. Hauser, A. Marusic, C. Schmael, O. Mors, N. Henigsberg, D. Souery, A. Placentino, M. Rietschel, et al. Differential efficacy of escitalopram and nortriptyline on dimensional measures of depression The British Journal of Psychiatry, March 1, 2009; 194(3): 252 - 259. [Abstract]
  14. S. J. Mathew and D. S. Charney Publication Bias and the Efficacy of Antidepressants
    Am J Psychiatry, February 1, 2009; 166(2): 140 - 145.  [Full Text] [PDF]

 

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 

Wichtiger Hinweis: Sämtliche Äußerungen auf diesen Seiten erfolgen unter Ausschluss jeglicher Haftung für möglicherweise unzutreffende Angaben tatsächlicher oder rechtlicher Art. Ansprüche irgendwelcher Art können aus eventuell unzutreffenden Angaben nicht hergeleitet werden. Selbstverständlich erheben die Aussagen keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit, es wird daneben eine Vielzahl vollkommen anderer Erfahrungen und Auffassungen geben. Ich distanziere mich ausdrücklich von den Inhalten der Webseiten und Internetressourcen, auf die ich mit meinen Links verweise. Die Haftung für Inhalte der verlinkten Seiten wird ausdrücklich ausgeschlossen. Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage, dieser beinhaltet das Impressum, weiteres auch im Vorwort. Das Glossar wurde unter Verwendung von Fachliteratur erstellt. Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10 Jahre.Möglicherweise sind nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate kenntlich gemacht. Durch Verwendung verschiedener Quellen konnte eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitate nicht immer vermieden werden. Soweit möglich wird dies angezeigt. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. Bitte beachten Sie: Diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. Es ist auch nicht möglich, dass ein Arzt immer auf dem aktuellsten Stand der medizinischen Forschung in allen Bereichen seines Faches ist.  Es ist immer möglich, dass die medizinische Forschung hier noch als wirksam und ungefährlich dargestellte Behandlungsmaßnahmen inzwischen als gefährlich oder unwirksam erwiesen hat. Lesen Sie bei Medikamenten immer den Beipackzettel und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren behandelnden Arzt. Medikamentöse Behandlungen auch mit freiverkäuflichen Medikamenten bedürfen ärztlicher Aufsicht und Anleitung. Dies gilt auch für alle anderen Behandlungsverfahren. Die hier angebotenen Informationen können nicht immer für jeden verständlich sein. Um Mitteilung, wo dies nicht der Fall ist, bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt, woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten). Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. Jeder Nutzer ist für die Verwendung der hier gewonnenen Informationen selbst verantwortlich, es handelt sich definitiv um keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Es wird keinerlei Haftung weder für die hier angebotenen Informationen noch für die in den Links angebotenen Informationen übernommen. Sollten Sie Links finden, die nicht (oder nicht mehr) seriös sind, teilen Sie mir dies bitte mit, damit ich diese löschen kann. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens des Autors kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt. Alle Angebote sind freibleibend und unverbindlich. Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten oder das gesamte Angebot ohne gesonderte Ankündigung zu verändern, zu ergänzen, zu löschen oder die Veröffentlichung zeitweise oder endgültig einzustellen. Veränderungen erfolgen dabei ständig in Anpassung an neue Literatur oder weil sich meine Auffassung zu einem Thema aus anderen Gründen geändert hat.  Dieser Haftungsausschluss ist als Teil des Internetangebotes zu betrachten, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt.  Sollte sich jemand durch die Homepage in irgendeiner Form beleidigt, benachteiligt oder in sonst einer Form geschädigt fühlen, bitte ich um eine persönliche Kontaktaufnahme per E-Mail  oder telefonisch bzw. per Post. Bitte nennen Sie bei Mitteilungen Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse. Bei Mitteilungen von Kollegen bitte auch Tatsache, dass sie Kollege sind, sowie die Fachbezeichnung. Anonyme Mitteilungen sind in der Regel nicht willkommen. Karl C. Mayer