Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Schluckauf

= Singultus Schluckauf entsteht durch ein krampfartiges rhythmisches Zusammenziehen der Muskulatur die für das Einatmen verantwortlich ist, überwiegend der Zwerchfellmuskulatur mit fast gleichzeitigem Glottisschluss. In 80% ist nur eine Zwerchfellhälfte beteiligt. Nerval ist der Nervus vagus und der Nervus phrenicus sowie Sympathikus in Höhe von Th 6 bis Th 12 an dem Reflexbogen beteiligt. Durch das Zusammenziehen des Zwerchfells wird Luft eingesogen, da die Stimmritze geschlossen ist, gelangt allerdings kaum zusätzliche Luft in die Lungen, es entsteht jedoch das typische Geräusch. Männer sind 4x häufiger betroffen. Die Frequenz beträgt zwischen 2 und 60x/Minute, sie ist meist individuell konstant und hängt vom PCO2 ab. Schluckauf tritt häufiger abends auf, hält dann oft mehrere Stunden an und verschwindet meist spätestens beim Schlafen - allerdings nicht immer, er kann sogar zu Schlafstörungen führen. Die Ursachen können vielfältig sein: peripher-nervös, zentral-nervös, metabolisch, medikamentös, infektiös, psychogen und unbekannt oder idiopathisch, für den anhaltenden Schluckauf sind über 100 auslösende Ursachen bekannt. Häufige banale Ursachen sind Dehnung des Magens durch zu schnelles Essen oder Trinken kohlensäurehaltiger Getränke, zu scharfe, zu heiße oder zu kalte Speisen und übermäßiger Alkoholgenuss, reizende Fremdkörper, wie z.B. ein Insekt oder Haar, im äußeren Gehörgang, es kommen aber auch ernste Ursachen wie Herzinfarkte in Betracht. Nach 2 Tagen wird er als chronisch, nach 2 Monaten als therapieresistent bezeichnet. Meist ist Schluckauf vorübergehend und verschwindet von alleine, er kann aber sogar über Jahrzehnte anhalten. Meist ist die Häufigkeit bei einer Attacke < 7 in den anderen Fällen meist >63. Da diese Muskulatur vom Nervus phrenicus und Nervus vagus versorgt wird, kann Schluckauf auch auf eine Schädigung dieser Nerven oder des Hirnstamms zurückgehen. Auch sympathische Fasern aus Th6-Th12 sind beteiligt. Hirnstammschädigungen durch Tumore, Syringomyelie, Multiple Sklerose, Durchblutungsstörungen, Entzündungen etc kommen ebenso als Auslöser eines chronischen Schluckaufs in Betracht, wie harmlose Reizungen des Nervus Vagus im Bereich des äußeren Ohres oder Trommelfells auch durch Fremdkörper, Halsentzündungen, aber auch Tumore im Halsbereich, ein Kropf, Mediastinaltumore, Hinterwandinfarkte, Blähungen, Pankreatitis, Peritonitis, Ösophagusdivertikel, Reflux, etc. können über eine Reizung des Nervus Vagus ebenfalls auslösend sein. Arrythmien und Reflux können sowohl Ursache wie Folge des Schluckaufs sein. Reizungen oder Überdehnungen der Nerven kommen auch durch medizinische Eingriffe vor. Fast jedes denkbare Ursache einer Polyneuropathie kann prinzipiell auch Schluckauf verursachen. Manche Medikamente wie auch Stress und andere psychische Störungen können ebenfalls ursächlich sein. Eine medizinisch Diagnostik ist nur beim chronischen oder therapieresistenten Schluckauf erforderlich und richtet sich dann nach dem Einzelfall. (evtl. MRI oder CCT Kopf, Hals oder Lunge, Gastroskopie, Ultraschall Abdomen, Bronchoskopie, Labor..) Überwiegend handelt es sich aber um ein harmloses Phänomen, das durch zu schnelles und üppiges Essen über eine Magenüberdehnung oder durch zu kalte oder zu warme Speisen und Getränke, durch Alkoholgenuss, Rauchen etc. begünstigt wird. Auch emotionale Einflüsse wie Schrecken, Angst, Lachen oder Aufregung begünstigen das Auftreten eines Schluckaufs. Genauso wie Reizungen des N. Vagus einen Schluckauf in Gang bringen können, helfen diese oder auch Reizungen des Nervus glossopharyngeus manchmal auch ihn zu beenden. Das Trinken kalter oder süßer bzw. saurer Getränke, Erbrechen, Kühlen der Oberbauches, Druck auf die Augen, Atemanhalten, Schnäuzen, Husten, Niesen, Hypoventilation oder Rückatmung in eine Tüte, Erschrecken, Lachen, Anziehen der Beine oder nach vorne lehnen, Bulbus- oder Karotisdruckversuch.. werden als hilfreichen Maßnahmen beschrieben. Niederpotente Neuroleptika, Metoclopramid, Baclophen , Antiepileptika etc sowie das Legen einer Magensonde werden in schweren therapieresistenten Fällen für einige Tage bis zur Beendigung des Schluckaufs eingesetzt. Hohes Blut PCO2 hemmt den Schluckauf, niedriges PCO2 begünstigt ihn, durch Rückatmung in eine Tüte (nach Anleitung, Tüte keinesfalls über den Kopf ziehen) lässt sich am einfachsten ein leichter Anstieg des Blut CO2 bewirken, aber auch eine kontrollierte Zufuhr ist möglich und wird von manchen empfohlen. Nur sehr selten sind Nervenblockaden erforderlich. Ein einfacher bei banalem Schluckauf fast immer wirksamer Trick ist die paradoxe Intervention. Man bietet dem Patienten beispielsweise eine Ein-Euromünze an, wenn er den nächsten Schluckauf hat. Die Münze wird ein paar Minuten mit der wiederholten Aufforderung zu schlucken angeboten. Eine Patientin hat mir diesen Trick gezeigt als ich selbst in der Praxis Schluckauf hatte, es hat auch bei mir prompt funktioniert. Sie berichtete, dass sie das auch mit sich selbst mache, und sich eine Praline als Belohnung für den nächsten Schluckauf vorhalte. Sie habe mit der Methode auch schon bei vielen Kindern in der Straßenbahn Erfolg gehabt.
 

Quellen / Literatur:

Kuhn M, Reinhart WH.  Singultus, Schweiz Med Forum 2004;4:1138–1141, AHC-Consilium 2000 - Singultus, Walter Waespe Singultus neurologischen Ursprungs Schweiz Med Forum Nr. 39 24. September 2003, Merckmanual  Emedicine

 

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