Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 


Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Sepsis

der medizinische Begriff meint das was Laien unter "Blutvergiftung" verstehen. Die Inzidenz einer  schweren Sepsis und des septischen Schocks wird mit 1,1/1000 Einwohner im Jahr oder 76000  Patienten in Deutschland angegeben. Häufige Symptome sind Schüttelfrost, Fieber oder Untertemperatur, schnelles Atmen mit erniedrigtem Kohlendioxidpartialdruck, Verminderung der Urinausscheidung mit drohendem Nierenversagen, schneller Puls, niedriger Blutdruck . Im Labor erhöhtes Prokalzitonin (PCT),  Laktatanstieg, erhöhte oder erniedrigte weiße Blutkörperchen, Linksverschiebung im Differenzialblutbild bzw. Neutropenie, verminderte Thrombozyten, Interleukin 6. Blutkulturen sollten versucht werden, der Nachweis gelingt nur in 10-maximal 30%, manchmal ist er auch falsch positiv, indem durch Abnahme aus einem zentralen Venenkatheter oder nach unzureichender Desinfektion ein nicht verantwortlicher Erreger durch Kontamination nachgewiesen wird. Ergänzend wird deshalb meist ein Erregernachweis mittels der Polymerasekettenreaktion (PCR) versucht. Wenn ein Erreger nachgewiesen wird, erleichtert das Antibiogramm die Diagnose erheblich.  Häufig ist eine Infektionsherd wie eine Wunde oder ein ärztlicher Eingriff bekannt. 

Die medizinische Definition der Sepsis ist nicht einheitlich. Letztlich handelt es sich um eine schweren Komplikation einer Infektion. Definitionsgemäß handelt es sich um eine Systemische Antwort auf eine Entzündung (Systemic inflammatory response syndrome (SIRS)), die Idee dahinter ist, dass der  Organismus sich selbst durch die eigene unkontrollierte Überreaktion des Immmunsystems auf den Schaden durch den Infekt schädigt.  SIRS  ist definiert: dass 2 oder mehr der folgenden Kriterien vorliegen: Temperatur > 38°oder< 36°C, Puls > 90/min außer der Patient nimmt Medikamente die den Herzschlag verlangsamen (Betablocker oder Kalziumkanalblocker) oder er hat eine Herzschrittmacher, Atemfrequenz > 20 /min (oder PaCO2 < 32 Torr) oder mechanisch beatmet, Leukozyten > 12 000/μL oder < 4 000/μL, oder > 10% unreife Formen, Siehe DOI 10.1378/chest.101.6.1644 Chest 1992;101;1644-1655

Das SIRS kann durch verschiedene Ursachen entstehen, Infektionen, Trauma, Gewebeschaden bei Durchblutungsstörungen, oder eine sterile Entzündung. Immer wenn SIRS im Zusammenhang mit einem Infekt auftritt, besteht der Verdacht auf eine Sepsis. Da Sepsis ein medizinischer Notfall ist und sofortige Behandlung erfordert, ist im Verdachtsfall eine Ein- Überweisung zur Spezialabteilung sinnvoll . Sepsis setzt dann die Annahme einer Infektion mit SIRS voraus, schwere Sepsis die Anwesenheit einer Sepsis, plus Organminderdurchblutung oder Organdysfunktion, Beispielsweise bei Organminderdurchblutung: erhöhter Blutlaktatspiegel, Oligurie, abnorme periphere Zirkulation, wie schlechte Füllung der Kapillaren, akute Veränderung des Bewusstseins, Dysfunktion von einem oder mehr Organen, Tthrombozytopenie mit disseminierter intravaskulärer Koagulation, akutes Atemnotsyndrom, akutes Nierenversagen, Leberfunktionsstörung wie Hyperbilirubinämie, Delirium.


Septischer Schock: Vorhandene Sepsis, therapierefraktäre Hypotension: systolischer Blutdruck < 90 mm Hg, durchschnittlicher Druck < 65 mm Hg, oder ein Abfall des systolischen Blutdrucks um 40 mm Hg, kein Ansprechen auf Flüssigkeitszufuhr von 20–40 mL/kg, Vasopressorenabhängigkeit nach adäquater Volumenzufuhr. Wenn ein Patient also primär einen erhöhten Blutdruck hat, kann die Diagnose einer Sepsis erschwert sein. Es handelt sich dabei um eine systemische Reaktion des Körpers auf eine unter den Bedingungen einer Intensivstation nicht immer nachweisbaren Infektion. Sepsis ist eine komplexe Interaktion pro- und antiinflammatorischer Prozesse, die oft simultan ablaufen und sich sowohl synergistisch als auch antagonistisch verhalten können. Eine schwere Sepsis oder ein schwerer septischer Schock sind immer lebensbedrohlich, Sepsis ist eine der Haupttodesursachen auf Intensivstationen. Jeden Tag sterben in Deutschland 162 Menschen an einer Sepsis.

Eine schwere Sepsis ist der Grund für 2-11% aller Krankenhausaufnahmen, die Häufigkeit scheint zugenommen zu haben, im Gegensatz zu früheren Jahren sind immer häufiger neben Gram negativen auch Gram positive Erreger und Pilze ursächlich. Die Mortalität ist weiter hoch (21% bis 72%). Ein toxischer Stimulus (z.B. bakterielles Endotoxin) induziert bei Makrophagen die Ausschüttung verschiedener Mediatoren, unter anderem der Zytokine Interleukin 1 (IL-1) und Tumornekrosefaktor alpha (TNF-a). Diese schädigen unter anderem das Gefäßendothel und bewirken eine Flüssigkeitsverschiebung ins Interstitium (Bindegewebe). Endotoxine sind eine häufige Ursache für das Versagen des Immunsystems und lassen sich in 80% der Sepsisfälle nachweisen.

Die Antibiotikabehandlung beginnt meist sofort nach Abnahme der Blutkultur und richtet sich zunächst nach dem vermuteten Erreger und lokaler Resistenzsituation und wird intensiv aber so kurz wie möglich durchgeführt. Gramnegative Bakterien sind die häufigsten Auslöser, grampositive Erreger und primär resistente Keime sollen aber zunehmen. Neben der Antibiotikabehandlung ist die Beseitigung der Ursache durch Entfernung von Kathetern, chirurgische Herdsanierung mit ggf. Entfernung von Gefäßprothesen, Osteosynthesematerial, Gelenkersatz etc oft erforderlich. Abszessen müssen drainiert  werden, ursächliche Wunden manchmal wieder geöffnet und draniniert werden. Volumensubstitution wird nach neueren Studien mit modifizierter Ringerlaktatlösung ohne Hydroxyäthylstärke (HES) durchgeführt. Wenn vasopressorische Substanzen erforderlich sind, wird in der Regel Noradrenalin verabreicht, bei Nierenversagen wird eine Dialyse erforderlich. Hydrokortison, Antithrombin und die intensivierte Insulintherapie werden nicht mehr in der Routinetherapie von Patienten mit septischem Schock verwendet.
 

Quellen / Literatur:

Genaueres siehe unter Surviving Sepsis Campaign: International guidelines for management of severe sepsis and septic shock: 2008 (deutsch) SEPSIS - septischer Schock - S I R S Pierre-Yves Bochud and Thierry Calandra, Science, medicine, and the future: Pathogenesis of sepsis: new concepts and implications for future treatment BMJ 2003; 326: 262-266.FullK text] [PDF]. Sepsis und septischer Schock gehen bis heute mit sehr hoher Sterblichkeit zwischen 21% und 72% einher. Nach einer Metaanalyse der Cochrane Collaboration, in der die Wirksamkeit monoklonaler und polyklonaler intravenöser Immunglobuline (IVIG) anhand von 23 Studien mit insgesamt 6.991 Teilnehmern untersucht wird, soll die adjuvante Behandlung mit polyklonalen IVIG die Gesamtmortalität senken. arznei - telegramm 2001; Jg. 32, Nr. 1 Kompetenznetz-Sepsis

 

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 

Wichtiger Hinweis: Sämtliche Äußerungen auf diesen Seiten erfolgen unter Ausschluss jeglicher Haftung für möglicherweise unzutreffende Angaben tatsächlicher oder rechtlicher Art. Ansprüche irgendwelcher Art können aus eventuell unzutreffenden Angaben nicht hergeleitet werden. Selbstverständlich erheben die Aussagen keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit, es wird daneben eine Vielzahl vollkommen anderer Erfahrungen und Auffassungen geben. Ich distanziere mich ausdrücklich von den Inhalten der Webseiten und Internetressourcen, auf die ich mit meinen Links verweise. Die Haftung für Inhalte der verlinkten Seiten wird ausdrücklich ausgeschlossen. Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage, dieser beinhaltet das Impressum, weiteres auch im Vorwort. Das Glossar wurde unter Verwendung von Fachliteratur erstellt. Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10 Jahre.Möglicherweise sind nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate kenntlich gemacht. Durch Verwendung verschiedener Quellen konnte eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitate nicht immer vermieden werden. Soweit möglich wird dies angezeigt. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. Bitte beachten Sie: Diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. Es ist auch nicht möglich, dass ein Arzt immer auf dem aktuellsten Stand der medizinischen Forschung in allen Bereichen seines Faches ist.  Es ist immer möglich, dass die medizinische Forschung hier noch als wirksam und ungefährlich dargestellte Behandlungsmaßnahmen inzwischen als gefährlich oder unwirksam erwiesen hat. Lesen Sie bei Medikamenten immer den Beipackzettel und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren behandelnden Arzt. Medikamentöse Behandlungen auch mit freiverkäuflichen Medikamenten bedürfen ärztlicher Aufsicht und Anleitung. Dies gilt auch für alle anderen Behandlungsverfahren. Die hier angebotenen Informationen können nicht immer für jeden verständlich sein. Um Mitteilung, wo dies nicht der Fall ist, bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt, woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten). Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. Jeder Nutzer ist für die Verwendung der hier gewonnenen Informationen selbst verantwortlich, es handelt sich definitiv um keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Es wird keinerlei Haftung weder für die hier angebotenen Informationen noch für die in den Links angebotenen Informationen übernommen. Sollten Sie Links finden, die nicht (oder nicht mehr) seriös sind, teilen Sie mir dies bitte mit, damit ich diese löschen kann. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens des Autors kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt. Alle Angebote sind freibleibend und unverbindlich. Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten oder das gesamte Angebot ohne gesonderte Ankündigung zu verändern, zu ergänzen, zu löschen oder die Veröffentlichung zeitweise oder endgültig einzustellen. Veränderungen erfolgen dabei ständig in Anpassung an neue Literatur oder weil sich meine Auffassung zu einem Thema aus anderen Gründen geändert hat.  Dieser Haftungsausschluss ist als Teil des Internetangebotes zu betrachten, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt.  Sollte sich jemand durch die Homepage in irgendeiner Form beleidigt, benachteiligt oder in sonst einer Form geschädigt fühlen, bitte ich um eine persönliche Kontaktaufnahme per E-Mail  oder telefonisch bzw. per Post. Bitte nennen Sie bei Mitteilungen Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse. Bei Mitteilungen von Kollegen bitte auch Tatsache, dass sie Kollege sind, sowie die Fachbezeichnung. Anonyme Mitteilungen sind in der Regel nicht willkommen. Karl C. Mayer