Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Spannungskopfschmerzen

Chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp (Kriterien der International Headache Society)

 

    Fast alle Patienten klagen über einen täglichen Kopfschmerz. In den meisten Fällen bestand ursprünglich ein episodischer Kopfschmerz und im Laufe der Zeit nahm die Zahl der Kopfschmerztage zu. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet einen Spannungskopfschmerz mit und ohne Beteiligung der pericraniellen Muskulatur. Fast alle Patienten haben zumindest einen erhöhten Tonus der Nackenmuskulatur. Etwa 30% der Patienten mit chron. Spannungskopfschmerz haben aufgepfropft einen medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz. Hier kann der relative Anteil des ursprünglichen Kopfschmerzes und des medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzes nur ermessen werden, nachdem ein Medikamentenentzug erfolgt ist. Etwa die Hälfte der Patienten verspürt nach dem Medikamentenentzug eine signifikante Besserung der Kopfschmerzen. Zitat nach Migräne und Kopfschmerzen ein Gesundheitsratgeber der Stiftung Warentest. Der ,,angespannte Kopf' ist die häufigste Kopfschmerzform überhaupt. Jüngsten Untersuchungen zufolge leiden über 70 (!) Prozent der Deutschen gelegentlich oder häufiger unter einem Schmerzsyndrom, das die Betroffenen als ,,dumpf-drückend" schildern. Bei zirka fünf Prozent von ihnen meldet sich der Schmerz sogar täglich oder fast täglich. Anders als die Migräne tritt der Spannungskopfschmerz beidseitig auf. Er beginnt häufig im Hinterhaupt- oder Stirnbereich und breitet sich von dort allmählich über den ganzen Kopf aus. Viele Patienten spüren einen starken Druck um die Augen und hinter den Augen oder haben das Gefühl, eine schwere Last auf der Schädeldecke zu tragen. Andere beschreiben den schmerzhaften Zustand als ,,Schraubstockgefühl" beziehungsweise als einen zu engen Hut oder Reif um den Kopf herum. Wieder andere beklagen, nicht mehr frei denken zu können und fühlen sich, als hätten sie - im wahrsten Sinne - ,,ein Brett vor dem Kopf'". Diese Kopfschmerzerkrankung entwickelt sich langsam. Zu Beginn sind die Schmerzen oft morgens stärker und lassen im Laufe des Tages wieder nach. Sie treten meistens im Zusammenhang mit Konflikt- und Stress-Situationen aber auch nach anatomisch belastenden und falschen Körperhaltungen (zum Beispiel bei der Arbeit am Computer). Im späteren Verlauf, wenn das Leiden chronisch geworden ist, gibt es keine besondere Tagesrhythmik und keine Abhängigkeit von äußeren Faktoren mehr. Die Schmerzen können sich jederzeit melden und bleiben dann über einen längeren Zeitraum (auch am Wochenende oder während des Urlaubs) bestehen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt fühlen sich die Betroffenen nachhaltig in ihrem alltäglichen Leben beeinträchtigt. Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit sind verringert. Darüber hinaus berichten viele Patienten über Antriebs- und Konzentrationsstörungen, die auf eine depressive Verstimmung hinweisen können. Solche Symptome sind allerdings häufig eine Folge der Kopfschmerzen und nicht deren Ursache. Spätestens mit Anfang Vierzig leiden viele Betroffene bereits unter chronischen Beschwerden. Die Spannungskopfschmerzen bestehen dann oft schon seit Monaten, in manchen Fällen sogar seit Jahren oder Jahrzehnten. Treten die Schmerzen durchschnittlich an mehr als 15 Tagen pro Monat auf, dann handelt es sich um ein chronisches Leiden, das manchmal auch durch die regelmäßige Einnahme von Schmerzmittel (vor allem von Mischpräparaten) verstärkt und unterhalten wird. Die Grenze zwischen Spannungs- und medikamentenbedingtem Dauerkopfschmerz ist in solchen Fällen fließend. Spannungskopfschmerzen sind zwar häufig von starken Verspannungen der Kopfmuskulatur sowie der Muskeln im Bereich der Schultern, des Nackens oder auch der Halswirbelsäule begleitet - diese erhöhte Muskelanspannung ist jedoch nicht zwangsläufig gegeben. Außerdem haben Spannungskopfschmerzpatienten im Vergleich zu anderen Menschen keine stärkeren Abnutzungserscheinungen an der Halswirbelsäule oder irgendwelche typischen Organschäden. Begleitsymptome wie Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen, die typisch für die Migräne sind, treten bei Spannungskopfschmerzen nur selten auf. Darüber hinaus setzen Spannungskopfschmerzen nie - wie die Migräne - nachts ein. Die Betroffenen werden auch nicht in den frühen Morgenstunden mit Beschwerden aus dem Schlaf geweckt. Kommt es zu Begleitsymptomen wie Brechreiz' Sehstörungen oder ausgeprägter Lärm- und Lichtempfindlichkeit, dann handelt es sich in der Regel um eine begleitende Migräne, das heißt um Migräne und Spannungskopfschmerzen' also um einen ,,Kombinationskopfschmerz"" Nur in einem Teil der Fälle von Spannungskopfschmerz handelt es sich im engeren Sinne um psychosomatische Zusammenhänge. Angesichts der sehr unterschiedlichen Entstehungsbedingungen des Spannungskopfscherzes können testpsychologischen Befunde im Einzelfall auch durchaus im Normbereich liegen. Das Therapiekonzept ergibt sich aus der genauen Analyse der individuellen Entstehungsbedingungen (Soyka D. Psychosomatische Aspekte bei idiopathischen Kopfschmerzsyndromen. Nervenheilkunde 1997; 16: 250-256)Während eine kurzfristige Gabe peripher wirksamer Monoanalgetika (keine Kombinationspräparate) im anfänglichen Akutstadium sinnvoll sein kann, sollte eine längere Gabe z.B. länger als 4 Wochen unbedingt vermieden werden, da sich nicht selten aus einem ursprünglichen Spannungskopfschmerz ein Medikamenten induzierter Dauerkopfschmerz mit entsprechender Chronifizierung entwickelt. Therapie zuerst: Bewusstmachung ursächlicher Einflüsse, Korrektur des Lebensstils, Entspannungsübungen (Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Autogenes Training, EMG-Biofeedback) Stressbewältigungsstrategien. Vegetative Stabilisierung (Wechselduschen, Bürstenmassagen, Sport, geregelter Tagesablauf, ausreichend Nachtschlaf, Meidung von Genussmitteln wie Alkohol, Nikotin, Koffein), Schmerzpsychologische Behandlungskonzepte. Wenn das nicht hilft: Medikamente bei chronischer Verlauf: Trizyklische Antidepressiva (1. Wahl: Amitriptylin oder Doxepin, 2. Wahl: Imipramin, Clomipramin) eventuell Psychotherapie. Trizyklische Antidepressiva Amitriptylin (z.B. Saroten ret) 5 - 100 mg/Tag Gesamtdosis zur Nacht etwa 1-2 Stunden vor dem Schlafen. Amitriptylin-N-Oxid 30 - 90 mg/Tag Gesamtdosis zur Nacht etwa 1-2 Stunden vor dem Schlafen. Alternativ Doxepin 50 - 100 mg/Tag (Max. 150 mg/Tag) Gesamtdosis zur Nacht etwa 1-2 Stunden vor dem Schlafen. Imipramin 75 - 100 mg/Tag (Max. 150 ) Nortriptylin 25 - 100 mg/Tag (Max. 150 Mg/Die) Clomipramin 50 - 100 mg/Tag Immer falsch: Analgetikamischpräparate, Ergotaminpräparate, Benzodiazepinderivate. Neuerdings wird von Erfolgen mit Botulinumtoxin berichtet, die diesbezügliche Diskussion ist aber noch nicht abgeschlossen.
    A.  Durchschnittliche Kopfschmerzfrequenz - 15 Tage/Monat (180 Tage/Jahr) seit 6 Monaten
    mit mindestens 2 Charakteristika
    B.
    1. Drückende, spannende Qualität
    2. Leichte oder mäßige Intensität (kann Aktivitäten hemmen, aber nicht aufheben)
    3. Bilaterale Lokalisation
    4. Keine Steigerung beim Treppensteigen oder ähnlicher körperlicher Routineaktivität
    C. Beide folgenden Kriterien Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse
    1. Kein Erbrechen
    2. Nicht mehr als eines:
      Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse
    D. Ausschluss einer intrakranielle oder extrakranielle körperlichen Ursache oder Vorgeschichte, körperliche, speziell neurologische und gegebenenfalls apparative Untersuchungen

Die Inzidenz des chron. Spannungskopfschmerzes liegt zwischen 2 und 3% der Bevölkerung.
 

Quellen / Literatur:

Ausführliches zu Spannungskopfschmerzen

 

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Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10 Jahre.Möglicherweise sind nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate kenntlich gemacht. Durch Verwendung verschiedener Quellen konnte eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitate nicht immer vermieden werden. Soweit möglich wird dies angezeigt. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. Bitte beachten Sie: Diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. 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