Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Stiff-man Syndrom

oder Stiff-Person Syndrom Das Stiff-man Syndrom ist eine sehr seltene Krankheit mit schwerwiegender zunehmender Muskelverhärtung vor allem der Wirbelsäulenmuskulatur und der Muskulatur der unteren Gliedmaßen mit von externen Reizen (Geräusche oder Berührung) oder emotionalem Reizen ausgelösten heftigen Muskelkrämpfen. Im Rahmen der massiven rigiden Steigerung des Muskeltonus treten schmerzhaft einschießenden Spasmen, eine episodische adrenerge autonome Dysregulation und eine agoraphobische Angststörung auf. Die Muskeldehnungsreflexe können gesteigert sein, weitere neurologische Symptome fehlen. Normalerweise beginnen Anzeichen im Alter zwischen 30 und 50, die Symptome sprechen auf Benzodiazepine an. Im EMG sollen sich typische Merkmale zeigen, bei 60% sind GAD- Antikörper (gegen Glutaminsäuredecarboxylase) nachweisbar. Geschichte Das Stiff-man Syndrome (SMS) wurde zuerst von Moersch und Woltman (1956) in einem Fallreferat über 14 gesehene Patienten die sie in 27 Jahren beobachtet hatten beschrieben. Eine Literaturüberprüfung von Gordon (1966), mit einem eigenen Patienten und 33 aus der Literatur enthielt, stellte die Merkmale der Krankheit schärfer dar und postulierte, dass es sein könnte, dass die Anzeichen durch einen Ausfall hemmender Funktion verursacht sind. Lorish (1989) beschrieb 13 über 30 Jahre gesehene Patienten und führte die Standarddiagnosekriterien ein. Eine wirksame Behandlung mit Benzodiazepinen wurde von Howard in 1963 beschrieben. SMS ist sehr selten, möglicherweise nur 1 pro 1.000.000 Personen sein. Patienten mit SMS haben oft andere autoimmune Krankheiten. Eine verwandte Störung wurde im Zusammenhang mit Lungen- oder Brustkrebs als paraneoplastisches Syndrom gefunden, dort werden Antiamphiphysin- Antikörpern nachgewiesen. Auch hier nimmt man eine Erkrankung des zentralen Nervensystems auf Basis einer Autoimmunerkrankung an. Es gelang inzwischen im Tierversuch durch Übertragung der Antiamphiphysin- Antikörper Muskelverkrampfungen auch bei den Versuchstieren zu erzeugen. Obwohl die Krankheit heimtückisch schleichend beginnt und über Jahre voranschreitet, können Anzeichen in einigen Fällen über Wochen entwickeln. Das erste Anzeichen ist normalerweise eine beharrliche zunehmende Versteifung der Rückenmuskulatur oder der Muskulatur einer Gliedmaße, Stress, Berührung, Zeitdruck können akute Spasmen auslösen. Jede Sinnesempfindung kann auslösend für Attacken sein. Die Erkrankung schreitet mit Zeit voran. Die Muskelveränderungen werden klinisch oft als Härte, Rigidität, Hypertonie oder gesteigerter Tonus beschrieben. Ausserdem erleben die Patienten Krämpfe der beteiligten Muskeln, die als schwerwiegend, ungeheuer intensiv und schmerzhaft beschrieben werden Der Untersucher vermutet oft fälschlich, dass es eine willentliche Komponente gäbe. Die Patienten können im Rahmen der Krämpfe einfach umfallen wie ein Zinnsoldat. Krämpfe können durch plötzlichen Lärm, Berührung, passive oder willentliche Bewegungen ausgelöst werden und nehmen normalerweise im Schlaf ab oder verschwinden im Schlaf. Zu Beginn der Erkrankung kann selten auch das Gesicht oder die Arme betroffen sein, die Wirbelsäule und die Beine sind aber fast immer mit der Zeit im Vordergrund. Eine Zunahme der normalen Krümmung der Lendenwirbelsäule oder eine Hyperlordose ist häufig. Bei Patienten mit GAD- Antikörpern findet man häufig andere Autoimmunkrankheiten wie Diabetes m., Hyperthyreosen, Hypothyreosen, perniziöse Anämien und Vitiligo. Es gibt keine bekannte genetische Prädisposition. Die Fehldiagnose als somatoforme Schmerzstörung oder Depression soll zu Beginn der Erkrankung die Regel sein. Während die Abwesenheit von Antikörpern im Serum SMS nicht ausschließt, beweist die Gegenwart von GAD- Autoantikörpern die Diagnose (99% ) fast. Die Verdachtsdiagnose wird nach detaillierter Vorgeschichte und neurologischer Untersuchung gestellt. Im EMG findet man spontan und in Ruhe ständige niederfrequente Potentiale normaler Motoreinheiten. Eine ständige Motoreinheitenaktivität (CMUA) findet man dabei simultan im Agonisten und Antagonistenmuskel der betroffenen Region. Dieses anormale Feuermuster wird durch zentral und peripher angreifende Medikamente unterbrochen (Allgemeinnarkose, intaravenöse Diazepamgabe, neuromuskuläre Blockade). Bei manchen Patienten sollen die EMG Befunde subtil sein. Möglicherweise wirkt Prednison, Immunoglobulin oder Plasmapherese. Die am konsistentesten wirksame Therapie sind Benzodiazepine. Diese Medikamente führen zu einer symptomatischen Entlastung, abruptes Absetzen kann zu massiven Symptomen führen. Krankengymnastik soll meist verschlimmern. Von einer Sonderform des Stiff-man Syndroms scheinen etwa 15% betroffen zu sein. Bei ihnen finden sich neben der klassischen Stiff-man Syndrom-Symptome klinische Zeichen einer Kleinhirnschädigung die gleichzeitig oder vorausgehend auftreten kann. Sie haben häufig eine Gangataxie, Dyarthrie, und okulomotorische Störungen. Der Kernspin des Hirnschädels ist dabei normal. Die intrathekale Produktion von Glutaminsäuredecarboxylase- Antikörpern ist bei diesen Patienten erhöht. Die Behandlung verbessert bei dieser Subgruppe nur die typischen Stiff-man Syndrom- Symptome, nicht aber die klinischen Zeichen einer Kleinhirnschädigung, es handelt sich also um eine schwerere Verlaufsform.
 

Quellen / Literatur:

  Seite der Yale- University  Diabetes mellitus (IDDM) and Stiff-Man syndrome (SMS) Im Kontext mit anderen  neuromusculären Erkrankungen Antikörper beim Stiff-man Syndrom  SMS links und eine persönliche Geschichte   Claudia Sommer, Andreas Weishaupt, Jörg Brinkhoff, Lydia Biko, Carsten Wessig, Ralf Gold, Klaus V Toyka, Paraneoplastic stiff-person syndrome: passive transfer to rats by means of IgG antibodies to amphiphysin Lancet 2005; 365: 1406–11. Goran Rakocevic, Raghavan Raju,  Cristina Semino-Mora, and Marinos C. Dalakas,Stiff person syndrome with cerebellar disease and high-titer anti-GAD antibodies NEUROLOGY 2006;67:1068–1070

 

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