Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Stottern

Allgemein gesagt, ist Stottern eine Störung des Redeflusses. Es tritt in der Regel erstmalig im Alter von 3 - 5 Jahren auf und kann sich in verschiedenen Formen zeigen: von lockeren Wiederholungen von Konsonanten am Anfang eines Wortes oder Satzes bis Wiederholungen von Wörtern und ganzen Satzteilen. Weiterhin können sogenannte Blocks auftreten, die sich von "Hängenbleiben" auf einen Konsonanten bis Mitbewegungen von verschiedenen Muskelgruppen zeigen können. Im Laufe unserer sprachlichen Entwicklung treten bei ca. 80% aller Kinder im Alter von 3-5 Jahren sogenannte Redeunflüssigkeiten auf. Lediglich bei ca. 2 % verfestigt sich diese Redeunflüssigkeit zu einem Stottern. Und bei einem geringen Anteil kann sich dies zu einem chronischen Stottern entwickeln (bei ca. 1% der Bevölkerung). Stottern wird seit Jahrhunderten beschrieben und kommt in allen Kulturen vor und bei Jungen häufiger als bei Mädchen vor. Eine Vielzahl von Untersuchungen zu unterschiedlichen Aspekten wurde durchgeführt ( akustische, linguistische, physiologische, Verhaltensaspekte und Hirnforschung). Es gibt zur Zeit noch absolut schlüssige Erklärung für die Ursache des Stotterns, sondern lediglich verschiedene Erklärungsmodelle, die von neurologischen Ansätzen, erblich bedingten Ursachen bis hin zu sozial-psychologischen Erklärungen reichen. Ursachen werden also von verschiedenen Autoren in  psychologischen, linguistischen und neurophysiologischen Faktoren gesehen. Am gesichertsten und nachvollziehbarsten erscheint neuerdings, dass anhaltendes in der frühen Kindheit beginnendes Stottern auf eine gestörte Feinabstimmung (timing) der Aktivierung verschiedener für die Sprachproduktion wichtiger Gehirnregionen zurückgeht. Stottern ist also vermutlich Folge einer Hirnanomalie mit hohem erblichem Anteil oder Hirnschädigung.  Bei eineiigen Zwillingen stottern häufiger beide als bei zweieiigen Zwillingen. Ein spezieller Erbgang ist nocht bekannt, 70 bis 80 Prozent der Wahrscheinlichkeit, ob ein Kind zu stottern beginnt, ist genetisch bedingt. Stottern tritt weniger auf, wenn die Feinabstimmung von anderen Sprechern über akustische Stimuli teilweise übernommen wird, wie beispielweise beim Sprechen oder Singen im Chor (bzw. beim so genannten shadowing), oder Sprechen nach einem vorgegebenen Rhythmus, der die Feinabstimmung im Satz ersetzt. Weil bei Einwortsätzen des Kleinkindes diese Feinabstimmung noch keine wesentliche Rolle spielt tritt es erst bei der komplexeren Sprache auf. Unterscheidung physiologische Redeunflüssigkeit: Wiederholungen von Wörtern, Satzteilen und in seltenen Fällen von Silben (z.B. "DaDaDaniel") Anfangsbuchstaben werden gedehnt, z.B. "Wwwwwo ist mmmmmeine Schere?" Unterbrechungen durch Pausen innerhalb eines Satzes beginnendes Stottern: vermehrt nur Lautwiederholungen an Stelle von Silben-, Wort und Satzwiederholungen, z.B. "BeBeBeBall" verlängertes Dehnen einzelner Laute Anzeichen körperlicher Anspannung bei den Wiederholungen Sprachlicher Rückzug des Kindes, d.h. es erzählt nicht mehr spontan und freudig oder bricht das Erzählen ab. Stottern ist meist keine Reaktion auf ein traumatisches Ereignis in der Kindheit! Eine kausale Therapie ist am ehesten möglichst früh bei Kindern möglich.  In jedem Fall bedeutet Therapie immer das Erlernen, mit dem Stottern umzugehen, weil nicht das Stottern das eigentliche Problem ist, sondern der Umgang mit dem Stottern. Die häufigste Reaktion ist das sogenannte Vermeideverhalten, das sich von "sich während des Sprechens Ersatzwörter überlegen" bis hin zur absoluten Isolierung aus der Gesellschaft äußern kann. Diesen "Teufelskreis" durchbrechen zu können, ist die Schwierigkeit bei diesem Therapiemodell. Es fordert vom Stotterer eiserne Disziplin und Selbstvertrauen. Aber die ersten Teilerfolge geben einen ausreichenden Motivationsschub, der es ermöglicht, die Therapie durchzuhalten.

Eine wichtige Differenzialdiagnose kann insbesondere bei später erworbenem Stottern ein durch Sprechen-aktivierter Myoklonus nach einer Hirnschädigung sein.


 

Quellen / Literatur:

Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. ü Sommer M, Koch MA, Paulus W, Weiller C, Büchel C. Disconnection of speech-relevant brain areas in persistent developmental stuttering.  Lancet 2002; 360: 380-83. [Text], Foundas AL, Bollich AM, Corey DM, Hurley M, Heilman KM. Anomalous anatomy of speech-language areas in adults with persistent developmental stuttering.  Neurology 2001; 57: 207-15. [PubMed], Ingham RJ. Brain imaging studies of developmental stuttering.  J Comm Disorders 2001; 34: 493-516. [PubMed Ptok, Martin , Stottern – Pathogenese und Therapie Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 18 vom 05.05.2006, Seite A-1216 / B-1030 / C-993, PDF

 

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