Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Tuberkulose

Als Tuberkulose bezeichnet man eine chronische bakterielle Infektion durch das Mycobakterium tuberculosis. Nur ein geringer Teil der Infizierten erkrankt tatsächlich an Tuberkulose, man geht von 5-10% aus, bei geschwächten Menschen und HIV- Infizierten ist der Anteil aber höher. Die Inkubationszeit kann Wochen bis viele Monate oder auch Jahre betragen. Eine durchgemachte TBC kann nach Jahrzehnten wieder aktiviert werden. Die Erkrankung ist meldepflichtig. Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion und früher auch über nicht pasteurisierte Milch oder andere Nahrungsmittel, bzw. iatrogen. Unter einer wirksamen antituberkulösen Kombinationstherapie sind Patienten, die mit einem sensiblen Stamm infiziert sind, innerhalb von 2–3 Wochen meist nicht mehr infektiös. Es kommt dabei zur Bildung von Granulomen und seltener auch Abszessen im infizierten Gewebe. Die Lunge ist am häufigsten betroffen, TBC kann aber jedes Organ und damit auch das Nervensystem befallen. Tuberkulose ist bedauerlicherweise in Zentralasien und Osteuropa, Südostasien und Afrika eher auf dem Vormarsch, etwa zwei Millionen Menschen sterben jährlich noch an TBC. 450 000 neue Fälle von gegen verschiedene Medikamente restistenter TBC treten jährlich auf, die meisten in China und der ehemaligen Soviet Union. Behandlungen erfolgen aus finanziellen Gründen oft nicht nach neuen Richtlinien (DOTS), hierdurch kommt es auch zu einer Zunahme resistenter Erreger. Armut begünstigt auch generell die Erkrankung. In Deutschland sind ausländische Staatsbürger mit 27,4 pro 100.000 Einwohner 5,4x häufiger betroffen als die deutsche Bevölkerung (Inzidenz 5,1)..

Etwa 1/3 der Weltbevölkerung ist mit TBC infiziert. Bedingt durch diese Entwicklung besteht im Rahmen des Reiseverkehrs und der Einwanderung auch bei uns weiter ein Infektionsrisiko, zusätzlich spielt AIDS eine Rolle bei der Ausbreitung. Etwa 200 000 Menschen die mit HIV/AIDS infiziert sind sterben jährlich an TBC. Ohne Behandlung steckt eine Person im Durchschnitt pro Jahr 10-15 weitere Menschen an. Die Zahl der Erkrankten ist derzeit aber in Deutschland rückläufig. 7866 im Jahr 2001. Gefährdet sind auch Alkoholkranke, Diabetiker, alte Menschen oder Tumorkranke. Die Erkrankung ist meldepflichtig. Die BCG-Schutzimpfung wird vor allem für gefährdete Personen empfohlen. Die Erkrankung ist oft schwer zu entdecken, die Symptome sind am Anfang unspezifisch, Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und leichte Temperaturerhöhung sowie Nachtschweiß sind die häufigsten Symptome. Letztere können aber auch durch viel andere Erkrankungen bedingt sein. Der Nachweis der Erkrankung kann schwierig sein. Röntgenuntersuchungen der Lunge, Nachweis der säurefesten Stäbchen unter dem Mikroskop, in der Kultur oder durch Bronchoskopie, Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zum Nachweis der Bakterien-DNA, sowie ein Tuberkulintest sind die Nachweisverfahren. Neurologisch ist vor allem die Meningitis gefürchtet. Die verdickten Hirnhäute lassen sich oft im Kernspin darstellen, neben den o.g. Laborwerten ist die Lumbalpunktion für die Diagnostik sinnvoll. Nach Symptomen der Hirnhautreizung mit Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit treten Hirnnervenausfälle und manchmal auch Wesensänderungen auf. Im weiteren Verlauf kann es zu epileptischen Anfällen, fokalen Ausfällen, und Bewusstseinsstörungen kommen. Durch die Gefäßentzündung kann es zu Schlaganfällen am häufigsten in der Region der Basalganglien kommen. Abflusstörungen mit Hydrozephalus kommen vor allem bei Kindern vor. Oft schwierig besonders bei HIV- Patienten ist die Unterscheidung zur Kryptokokkenmeningitis. Bei letzterer tritt häufiger ein Kopfschmerz ohne Fieber, Sehstörungen, Hörverlust, und Lähmungen sind bei der Kryptokokkenmeningitis deutlich häufiger als bei der Meningitis durch TBC. Ebenso ist ein Papillenödem und des Hirndrucks bei der Kryptokokkenmeningitis deutlich häufiger. Die tuberkulöse Leptomeningitis wird neben der Antibiotikabehandlung auch mit Kortisonpräparaten behandelt. (NEJM 351:1741-1751) Dabei muss die antituberkulöse Behandlung der tuberkulösen Meningitis möglichst schnell und konsequent erfolgen, um die hohe Mortalität und das Ausmaß der verbleibenden Behinderung zu vermindern. Die Tuberkulose des zentralen Nervensystems ist glücklicherweise eher selten, und betrifft etwa 0,5 - 2% der Patienten mit systemischer TBC, bzw. 10 der HIV- Patienten mit TBC. Die Tuberkulose des zentralen Nervensystems betrifft überwiegend das Gehirn, nur sehr selten bei etwa 2 von Tausend Patienten mit systemischer TBC auch das Rückenmark mit tuberkulöser Leptomeningitis oder Myelitis. Die Symptome im Gehirn und Rückenmark ähneln dabei anderen Tumoren, Abszessen oder Meningitiden.


 

Quellen / Literatur:

  1. S. Hähnel Neuroradiologie, Infektiöse Hirnerkrankungen: Bildgebung und differenzialdiagnostische Aspekte Radiologie up2date 2006; 6: 207-234 DOI: 10.1055/s-2006-944700
  2. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblatt für Ärzte
  3. Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2005
  4. WHO. Tuberculosis handbook. WHO/TB/98.253. Geneva: World Health Organization, 1998.
  5. WHO. Global tuberculosis control: surveillance, planning, financing. WHO/CDS/TB/2002.295. Geneva: World Health Organization, 2002.
  6. Leitlinien Kinderheilkunde/Pneumologie: Tuberkulose
  7. Timothy R Sterling, Harold P Lehmann, and Thomas R Frieden, Impact of DOTS compared with DOTS-plus on multidrug resistant tuberculosis and tuberculosis deaths: decision analysis, BMJ 2003; 326: 574.[Abstract] [Full text] [PDF]

 

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