Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Wernickeencephalopathie

(Polioencephalopathie Wernicke) von Carl Wernicke 1881 beschriebene Polioencephalitis haemorrhagica superior beruht auf meistens bilateralen Läsionen von Dienzephalon und mediotemporalen Hirnarealen es treten hämorrhagische Läsionen und darauf folgende Nekrosen, der Corpora mamillaria, des Thalamus, Hypothalamus, der 4-Hügel-Platte, des periaquäduktales Höhlengrau, des Hirnstamms und Kleinhirns auf. in mehr als 80% der Fälle folgt ein Korsakoff-Syndrom Es findet sich in 1,7–2,8% der Autopsien wird aber nur bei jedem 5. diagnostiziert. Das lebensbedrohliche Krankheitsbild tritt meist akut auf, ursächlich ist ein Mangel an Thiamin (Vitamin B1). Alkoholismus ist die wichtigste Ursache, fehlerhafte parentale Ernährung, mangelhafte Säuglingsernährung, Anorexia nervosa, Tumoren, Hyperemesis gravidarum, AIDS oder Hämodialyse können ebenfalls ursächlich sein. Wodurch Thiaminmangel die Hirnzellen so nachhaltig schädigt ist nicht bekannt. Sehstörungen sind manchmal das erste Symptom und sollten beispielsweise beim Schwangerschaftserbrechen oder einer Anorexia nervosa den Verdacht auf eine beginnende Wernickeenzephalopathie lenken. Wenn bei Schwangerschaftserbrechen oder einer Anorexia nervosa Infusionen gegeben werden sollte Thiamin grundsätzlich dazu gegeben werden. Leitsymptome: Bewußtseinstrübung, Ataxie, Augenmuskellähmung, Gedächtnisstörungen, Kombination mit Delirium tremens, autonome Dysregulationen wie Hypothermie oder Hypotonie auch andere Symptome treten auf wie Amaurose, Bewusstseinsstörung, spastische Tetraparese... Die Kernspintomographie zeigt frühzeitig typische Auffälligkeiten. Wichtig: Das Auftreten einer Wernicke-Enzephalopathie zwingt zur sofortigen hochdosierten parenteralen Vitamin-B1l-Therapie (bereits vor der in jedem Fall notwendigen Klinikeinweisung!).Man gibt Thiamin 50 mg i. v. und 50 mg i. m., dann bis zur Normalisierung der Ernährung täglich 50 mg i. m. Mit möglicherweise gefährlichen aber sehr seltenen allergischen Reaktionen auf das Thiamin muß gerechnet werden!
 

Quellen / Literatur:

Siehe auch unter Alkoholismus- körperliche Folgen

  1. Harpe CG, Giles M, Finlay-Jones R. Clinical signs in the Wernicke-Korsakoff complex: a retrospective analysis of 131 cases diagnosed at necropsy. J Neurol Neurosurg Psychiatry 1986;49:341–45
  2. Karapanayiotides T, Zaloni I, Thomaides T. Delayed development of Wernicke encephalopathy after gastrectomy. Arch Neurol 2006;63:1026–27
  3. Chu K, Kang DW, Kim HJ, Lee YS, Park SH. Diffusion-weighted imaging abnormalities in Wernicke encephalopathy. Arch Neurol. 2002;59 :123 –127
  4. Singh S, Kumar A. Wernicke encephalopathy after obesity surgery: a systematic review. Neurology 2007;68:807–11
  5. Kim et al. Mammillothalamic functional connectivity and memory function in Wernicke's encephalopathy Brain 2009;132:369-376.ABSTRACT
  6. Kornreich et al. Thiamine Deficiency in Infants: MR Findings in the Brain Am. J. Neuroradiol. 2005;26:1668-1674. ABSTRACT  FULL TEXT  
  7. Fattal-Valevski A, Kesler A, Sela BA, et al. Outbreak of life-threatening thiamine deficiency in infants in Israel caused by a defective soy-based formula. Pediatrics 2005;115:e233–38
  8. Fei GQ, Zhong C, Jin L, et al. Clinical characteristics and MR imaging features of nonalcoholic Wernicke encephalopathy. AJNR Am J Neuroradiol 2008;29:164–169.
  9. M. Luigetti, S. De Paulis, P. Spinelli, M. Sabatelli, P. Tonali, C. Colosimo, and A. Cianfoni Teaching NeuroImages: The full-blown neuroimaging of Wernicke encephalopathy Neurology, June 2, 2009; 72(22): e115 - e115.
  10. G. Zuccoli and N. Pipitone Neuroimaging Findings in Acute Wernicke's Encephalopathy: Review of the Literature Am. J. Roentgenol., February 1, 2009; 192(2): 501 - 508. [Abstract]
  11. G. Zuccoli, D. Santa Cruz, M. Bertolini, A. Rovira, M. Gallucci, C. Carollo, and N. Pipitone MR Imaging Findings in 56 Patients with Wernicke Encephalopathy: Nonalcoholics May Differ from Alcoholics AJNR Am. J. Neuroradiol., January 1, 2009; 30(1): 171 - 176. [Abstract]
  12. M. Malone Recommended Nutritional Supplements for Bariatric Surgery Patients Ann. Pharmacother., December 1, 2008; 42(12): 1851 - 1858.  [Abstract]
  13. M. Ohira, S. Suzuki, S. Takahashi, K. Takahashi, and N. Suzuki MR Imaging Can  Predict the Development of Nonalcoholic Wernicke Encephalopathy AJNR Am. J. Neuroradiol., October 1, 2008; 29(9): e81 - e82. [Full Text] [PDF]

     

 

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