Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Wille

Bezeichnung für die menschliche Fähigkeit, sich bewusst für (oder gegen) ein Verhalten zu entscheiden, um ein bestimmtes Ziel anzustreben. Tun wir was wir wollen, oder glauben wir zu wollen was wir tun? Ob es einen freien Willen gibt, ist zumindest bisher naturwissenschaftlich oder philosophisch nicht schlüssig und für alle befriedigend zu klären. Willensfreiheit im traditionellen philosophischen Sinne beinhaltet Anderskönnen (Alternativismus), Intelligibilität ( handelt aus verständlichen Gründen/ nicht willkürlich) und Urheberschaft. Die Philosophischen Richtungen, die von einem freien Willen ausgehen bezeichnet man als Libertarismus, das Gegenteil als Antilibertarismus. Naturwissenschaftliches Denken ging bereits im 18. Jahrhundert davon aus, dass wenn der Zustand eines Menschen und seiner Umwelt bis ins letzte Detail bekannt wäre, dessen Verhalten in der Zukunft exakt vorausberechnet werden könnte. Alles also nur eine Frage der Informationsfülle und der Rechenkapazität, alles vorherbestimmt im Sinne eines Determinismus. Schon Kant sah zwischen dem alleinigen Kausalgesetzes und der menschlichen Willensfreiheit einen Widerspruch. Dabei bliebe noch das vielleicht unterschätzte Phänomen Zufall (=unzureichendes Wissen über die ursächlichen Zusammenhänge eines Phänomens ??), das so häufig die Geschicke der Menschen bestimmt, allerdings theoretisch ebenfalls eine nicht erkennbare Determination enthält und damit berechenbar wäre. Der Zufall scheint nach manchen Theorien eine Bedingung der freien Willensbestimmung zu sein, Zufallsbestimmtheit wäre allerdings ebenfalls keine Willensfreiheit sondern ebenfalls eine Fremdbestimmtheit des Individuums. Ganz pragmatisch ist die Akzeptanz der Existenz des Zufalls auf jeden Fall hilfreich. Die unnütze Suche nach einer Ursache, dort wo unsere Erkenntnismöglichkeiten nicht ausreichen, diese zu erkennen verschwendet anderweitig nützlicher einsetzbare Energien. Genetische Mutationen verändern als echte Zufallsprozesse die Entwicklung der Individuen wie der Arten. Zufall schafft Ideen, die Unberechenbarkeit des Zufalls kann für die Entstehung und den Erfolg einer weltverändernden technischen Idee entscheidend sein. Das Verhältnis von körperlichen, also materiale Strukturen einerseits, und Bewusstseinsprozessen andererseits ist ein spannendes Forschungsthema mit immer neuen Ergebnissen geworden. Elektrophysiologische und biochemischen Abläufe können inzwischen auch im zeitlichen Zusammenhang mit Denkprozessen gemessen werden. Selbstbewusstsein, könnte damit eine apparativ messbare Größe werden. Physiologisch ist 300 Millisekunden vor einer bewussten Willensempfindung ein spezifisches Bereitschaftspotenzial messbar, was eine bewusste Überlegung in Frage stellt. Bewusstsein hängt nach den Untersuchungen von Benjamin Libet unseren Wahrnehmungen und Handlungen bis zu einer halben Sekunde hinterher. Jeder bewussten, freiwilligen Handlung geht ein unbewusster Prozess voraus, der ca. 500ms vor der Handlung beginnt. Die Erfahrung einer bewussten Intention folgt als ein Nebeneffekt dieses Prozesses ca. 300ms nach dessen Beginn Handlungsvorbereitungen, die in einer Drittelsekunde stattfinden können nach gesundem Menschenempfinden nur bedingt eine Grundlage in Überlegungen haben. Nach naturwissenschaftlicher Erkenntnis ist der Wille wie andere psychophysische Phänomene das Ergebnis einer Hirnfunktion. Der freie Wille wäre demnach eine subjektive Illusion, oder eine kulturelle Konstruktion. Das naturwissenschaftliche Kausalitätsprinzip scheint im Widerspruch zu der subjektiven Realität unserer Willensfreiheit zu stehen. Ob es einen "freien Willen" gibt, ist strittig, sicher ist, dass ohne die Annahme eines freien Willens vieles in unserer Menschlichen Gesellschaft nicht oder wesentlich schlechter funktionieren würde. Unabhängig von der Tatsache ob es einen freien Willen gibt oder nicht, brauchen wir Menschen in unserer Kultur das Gefühl der "Freiheit unseres Denkens und Handelns", und für die Beurteilung unserer selbst und anderer eine moralische Wertung und Zuschreibung der Verantwortung für das Handeln. Unsere Gesellschaft geht davon aus, dass wir in Entscheidungssituation Wahlmöglichkeiten haben, deren Folgen bedenken, und auf Grundlage dieses gedanklichen Probehandelns aus prinzipiell einsehbaren Gründen uns für eine der Handlungsalternativen entscheiden. Neben verschieden philosophischen Definition und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen habe die Unterschiedlichen Rechtsgebiete der Juristerei unterschiedliche Definitionen des Willens von großer Tragweite für den Einzelnen. Hieraus ergeben sich häufig psychiatrische Fragestellungen, für die Beantwortung dieser Fragen ist die neurophilosophische Diskussion ob es einen freien Willen gibt und wo dieser anfängt bisher jedenfalls wenig bedeutsam.
 

Quellen / Literatur:

J. Funke 2003, Libet, Benjamin, Anthony Freeman & Keith Sutherland (1999, Eds.): The Volitional Brain. Towards a neuroscience of free will. Exeter: Imprint Academic (repr. 2004)

 

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