Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Regression-to-the-mean-Phänomen

Regression (lat für Zurückgehen) der Messwerte im Verlauf einer Studie zur Mitte, oder auch spontan Angleichung der Messwerte an einen Durchschnittswert bei Einbeziehung von Patienten mit Extremwerten in Studien. Regression to the mean ist damit ein statistisches Artefakt, bei dem die natürliche Varianz von Messwerten bei wiederholten Messungen als Wirkung einer Intervention verkannt wird.  Regression to the mean tritt hauptsächlich auf, wenn ungewöhnlich hohe oder ungewöhnlich niedrige Messwerte kontrolliert werden und bei der 2. Messung näher am Durchschnittwert liegen.

Im Verlauf von Beschwerden ist es allgemein wahrscheinlich, dass besonders heftige Beschwerden sich wieder einem Durchschnittswert annähern. Wird zum Zeitpunkt besonders heftiger Beschwerden (z.B. heftige Rückenschmerzen, schwere Depression, ...) eine Behandlung begonnen, ist es wahrscheinlich, dass sich die Beschwerden auch alleine auf Grund des Spontanverlaufs wieder einem Durchschnittswert annähern. Es kann dann irrtümlich der Eindruck entstehen, dass das verwendete Behandlungsverfahren wirksam war. Da viele Patienten erst bei schlimmeren Beschwerden zum Arzt gehen oder an einer Studie teilnehmen, sind sie im ärztlichen Wartezimmer überrepräsentiert. Dies gilt bei Messung des Körpergewichts, des Serumcholesterinspiegels, oder des Blutdrucks, Extremwerte sind hier immer auch Hinweise auf Risikofaktoren oder Krankheiten, dennoch geht gerade bei den Extremwerten ein Rückgang oder eine Angleichung an den Mittelwert nicht unbedingt auf die Behandlung zurück. Neben dem spontanen Rückgang der Messwerte zum Mittelwert, ist auch der Messfehler zu berücksichtigen, der bei Extremwerten wahrscheinlicher ist.  Patienten mit seit Jahren bestehender Migräne kommen beispielsweise dann, wenn die Schmerzen heftiger werden, häufiger auftreten oder wesentlich länger als gewohnt anhalten. Alleine von der Normalverteilung des Spontanverlaufs her, ist zu erwarten, dass die nächsten Episoden bei vielen dieser Patienten wieder durchschnittlich verlaufen, was dann irrtümlich dem Erfolg der Behandlung zugeschrieben werden kann. Bei Dauerschmerzen kann bei einzelnen Patienten auch eine Gewöhnung zur Annäherung der Angaben auf einer visuellen Analogskala zum Mittelwert beitragen.

Je extremer die Messwerte einer Ausgangsgruppe, umso wahrscheinlicher tritt dieses Phänomen der Regression to- the-mean auf. Unkontrollierte Beobachtungsstudien an ausgewählten Patienten mit hohen/tiefen Ausgangswerten überschätzen die tatsächlichen Therapieeffekte – wichtig ist daher die gleichzeitige Untersuchung einer Kontrollgruppe. Regression to- the-mean-Effekte können dann durch die Subtraktion der Wirkungen von Test- und Vergleichsbehandlung neutralisiert werden. Die unter einer Behandlung mit Plazebo zu beobachtenden Verbesserungen sind – zumindest teilweise – auch auf Regression-to-the-mean zurückzuführen. Extremgruppenvergleiche sollen deshalb in Studien möglichst vermieden werden, oder müssen entsprechend durch Auswahl der Kontrollgruppen korrigiert werden. Das Phänomen lässt sich auch auf andere Messwerte, übertragen. Zwar sind beispielsweise die Kinder von intelligenten Menschen im Durchschnitt intelligenter als der Altergenossen, dennoch nähern sie sich in der Verteilung dem Durchschnitt an. Dies gilt ähnlich für die Körpergröße etc. Werden die  Regression to- the-mean-Effekte in Studien nicht berücksichtigt, wird die Wirkung einer Behandlung überschätzt. Besonders groß ist der Fehler, wenn Patienten wegen der Extremwerte für eine Studie ausgesucht werden, keine Kontrollgruppe verwendet wird. Typisch kann ein solcher Fehler auch auftreten, wenn Patienten mit bisher sehr ungünstigem Verlauf oder besonders schwerer Symptomatik für eine besonders teure oder besonders riskante Behandlung ausgewählt werden.
 

Quellen / Literatur:

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