Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

postkommotionelles Syndrom

Anhaltende Beschwerden nach einer Gehirnerschütterung ohne dass ein Anhalt für eine Substanzschädigung besteht.

ICD10 Kriterien für das postkommotionelle Syndrom

Intervall zwischen dem Schädeltrauma mit Bewusstseinsverlust und der Entwicklung von Symptomen, ≤4 Wochen

Symptome in mindestens 3 der folgenden Kategorien

  1. Kopfschmerz, Schwindel, Müdigkeit, Geräuschempfindlichkeit
  2. Reizbarkeit, Depression, Angst, emotionale Labilität
  3. Subjektive Konzentrationsstörungen, Subjektive Gedächtnisprobleme, oder Subjektive intellektuelle Schwierigkeiten ohne neuropsychologische Befunde einer eindeutigen Beeinträchtigung
  4. Insomnie
  5. Verminderte Alkoholtoleranz
  6. Ständige gedankliche Beschäftigung mit den o.g. Symptomen und Angst vor einer Hirnschädigung mit hypochondrischen Befürchtungen und Einnehmen der Krankenrolle

Im Regelfall innerhalb von 3 Monaten vollständige Remission, in 10-20% länger als 1 Jahr selten auch über viele Jahre anhaltend. Als Ursache werden organische und psychogene Faktoren diskutiert, Entschädigungsbegehren spielen häufig eine wesentliche Rolle. Das Ausmaß vor allem der psychischen Störungen zu Beginn korreliert mit der Dauer des Verlaufs. In Ländern ohne finanzielle Kompensationsmöglichkeit für die postkommotionellen Syndrome, kommen diese kaum oder gar nicht vor. Bei Kleinkindern kommt das Syndrom ebenfalls nicht vor. Der ärztliche Rat zu übertriebener Schonung nach einer Gehirnerschütterung kann die Chronifizierung begünstigen. Bei akuten Beschwerden gelten einfache Schmerzmittel für maximal 4 Wochen als adäquat, länger sollte wegen der Gefahr der Entwicklung schmerzmittelinduzierter Kopfschmerzen nicht analgetisch behandelt werden. Opioide gelten als kontraindiziert.

IHS ICHD-II Kode WHO ICD-10NA Kode (deutsch) Diagnose
5. [G44.88] Kopfschmerz zurückzuführen auf ein Kopf- und/oder HWS-Trauma
5.1 [G44.880] Akuter posttraumatischer Kopfschmerz
5.1.1 [G44.880] Akuter posttraumatischer Kopfschmerz bei mittlerer oder schwerer Kopfverletzung [S06]
5.1.2 [G44.880] Akuter posttraumatischer Kopfschmerz bei leichter Kopfverletzung [S09.9]
5.2 [G44.3] Chronischer posttraumatischer Kopfschmerz
5.2.1 [G44.30] Chronischer posttraumatischer Kopfschmerz bei mittlerer oder schwerer Kopfverletzung [S06]
5.2.2 [G44.31] Chronischer posttraumatischer Kopfschmerz bei leichter Kopfverletzung [S09.9]
5.3 [G44.841] Akuter Kopfschmerz nach HWS-Beschleunigungstrauma [S13.4]
5.4 [G44.841] Chronischer Kopfschmerz nach HWS-Beschleunigungstrauma [S13.4]
5.5 [G44.88] Kopfschmerz zurückzuführen auf ein traumatisches intrakraniales Hämatom
5.5.1 [G44.88] Kopfschmerz zurückzuführen auf ein epidurales Hämatom [S06.4]
5.5.2 [G44.88] Kopfschmerz zurückzuführen auf ein subdurales Hämatom [S06.5]
5.6 [G44.88] Kopfschmerz zurückzuführen auf ein anderes Kopf- oder HWS-Trauma [S06]
5.6.1 [G44.88] Akuter Kopfschmerz zurückzuführen auf ein anderes Kopf- oder HWS-Trauma [S06]
5.6.2 [G44.88] Chronischer Kopfschmerz zurückzuführen auf ein anderes Kopf- oder HWS-Trauma [S06]
5.7 [G44.88] Kopfschmerz nach Kraniotomie
5.7.1 [G44.880] Akuter Kopfschmerz nach Kraniotomie
5.7.2 [G44.30] Chronischer Kopfschmerz nach Kraniotomie

 

Quellen / Literatur:

Belanger HG, Curtiss G, Demery JA, Lebowitz BK, Vanderploeg RD. Factors moderating neuropsychological outcomes following mild traumatic brain injury: a meta-analysis. J Int Neuropsychol Soc. 2005 May;11(3):215-27. Ingebrigtsen T, Waterloo K, Marup-Jensen S, Attner E, Rommer B (1998) Quantification of post-concussion symptoms 3 months after minor head injury in 100 consecutive patients. J Neurol 245: 609 - 612 Mickeviciene D, Schrader H, Obelieniene D, et al. A controlled prospective inception cohort study on the post-concussion syndrome outside the medicolegal context. Eur J Neurol 2004;11:411-9. Binder LM, Rohling ML. Money matters:a meta-analytic review of the effects of financial incentives on recovery after closed-head injury. Am J Psychiatry 1996; 153:7-10. Mickevičiene D, Schrader H, Nestvold K, et al. A controlled historical cohort study on the post-concussion syndrome. Eur J Neurol 2002;9:581-7. McAllister TW, Arciniegas D. Evaluation and treatment of postconcussive symptoms. NeuroRehabilitation 2002;17: 265-83. King NS ( 1996 ). Emotional, neuropsychological, and organic factors: their use in the prediction of persisting postconcussion symptoms after moderate and mild head injuries. Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry 61: 75 - 81. Allan H. Ropper, M.D., and Kenneth C. Gorson, M.D. Concussion N Engl J Med 2007;356:166-72. Therapieempfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft Posttraumatischer Kopfschmerz nach Schädel-Hirn-Trauma und HWS-Distorsion DMKG 1998


 

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