.
|
Lüge |
|
wenn bewusst
die Unwahrheit
gesagt wird,
hat das sehr
unterschiedliche
Gründe, meist
wird versucht
einen Vorteil
zu erlangen
oder einem
Nachteil zu
entgehen.
Honorige Motive
sind Respekt,
Höflichkeit
oder Scham vor
anderen oder
der Versuch
andere zu
schützen. Die Absicht andere zu täuschen ist aber Bedingung für eine Lüge. In
welcher
Situation Lügen
als lässliche
Sünde angesehen
wird, oder gar als ehrenhaft und angemessen gilt, ist
kulturabhängig.
Man geht davon
aus, dass jeder
Mensch
gelegentlich
lügt, die
meisten auch ab
und zu aus in
ihrer Umgebung
nicht als
honorig
angesehenem
Grund. Lügen und Täuschung sind übliche Bausteine der Auseinandersetzung
zwischen sozialen Gruppen und auch zwischen Gesellschaften. Bei
anderen
Menschen macht
die (erkannte) Lüge den
Menschen in der
Regel
unglaubwürdig,
so dass auch
dann, wenn
andere manchmal
den Erfolg
bewundern, der
ertappte Lügner
in der sozialen
Gruppe meist
Nachteile hat. Man muss davon ausgehen, dass es sozial erwünschte und geförderte
Lügen gibt, die von geächteten oder nicht erwünschten Lügen unterschieden
werden. Menschen die konsequent sagen, was sie denken und wissen und nie zur
"Notlüge" greifen scheinen für ihre Mitmenschen oft unerträgliche Rechthaber zu
sein. Gute Lügner sind eloquent haben wenig Skrupel und Schuldgefühle, dies
macht sie für andere Menschen potenziell gefährlich. Lügen gibt es seit
Jahrtausenden und viele Religionen haben Gebote, die das Lügen gegenüber den
Nachbarn ächten. Nach Untersuchungen gibt es in allen Sprachen mehr
unterschiedliche Worte für Lüge und Täuschung als für das die Wahrheit sagen.
Das menschliche
Gedächtnis ist kein objektives Archiv. Nicht jeder der etwas behauptet, was
nicht stimmt, lügt daher. Wir alle sind unter manchen Bedingungen mehr oder
weniger regelmäßig auch Opfer von
Wahrnehmungsverzerrungen,
Illusionen etc. Hier
handelt es sich per Definition nicht um Lügen. (siehe z.B. unter
False memory ) Eine exakte
Definition von
pathologischem
Lügen gibt es
nicht. Bei
pathologischen
Lügnern kann es
darum gehen,
ständig im
Leben durch
Lügen Vorteile
auf Kosten
anderer zu
bekommen. Pathologisches Lügen kann sehr ausgeprägt sein, sich auf sehr komplexe
Lügengeschichten stützen, und über Jahre oder ein Leben lang bestehen.
Pathologisches Lügen ist in jedem Fall ein Muster wiederholten und regelmäßigen
Lügens bei dem auch der erkennbare Gewinn oder Vorteil fehlen kann, da es zu
einem eigenständigen Muster oder eine Angewohnheit geworden ist. 'Auch die
psychologischen Hintergründe sind oft nicht eruierbar. Pathologisches Lügen gibt
es nicht nur bei Kriminellen sondern auch bei sonst sehr erfolgreichen und "unbescholtenen"
Menschen.
Eine
Form der
pathologischen
Lüge bezeichnet
man auch als Pseudologia
phantastica,
ohne dass es
eine exakte
Abgrenzung
gibt. Unter eine Pseudologia
phantastica versteht man, meist, dass jemand (1) Geschichten erzählt, die
hochgradig unwahrscheinlic sind, und die oft auf eine Matrix von wahren
Begebenheiten aufgebaut wird (2) die Geschichten werden
beständig erzählt, (3) die (Lügen-) Geschichten werden nicht
überwiegend erzählt um einen persönlichen Profit zu erzielen und sie
haben eine Eigendynamik die sich immer weiter hochschaukelt, und
(4) die Geschichten entsprechen keinen Wahnwahrnehmungen oder
Halluzinationen, was bedeutet, dass die Person wenn sie mit der Wahrheit
oder den Fakten konfrontiert wird, erkennen kann, dass ihre Aussagen
falsch waren. Manchmal
erklären die
genannten
Motive das
Lügen nicht,
oder sie lügen
fast ständig
ohne
ausreichend
nachvollziehbaren
Grund. Dies
kann bei
manchen
Menschen zur
Gewohnheit
werden. Im
Extremfall sind
die Betroffenen
so mit den
Lügen
beschäftigt,
dass sie ihre
Unwahrheiten
selbst glauben.
Lügen und
Simulieren kann
der wichtigste
Lebensinhalt
werden.
Pathologisches
Lügen als Pseudologia
phantastica kann
beispielsweise
ein Symptom des
Münchhausen
Syndroms
sein.
Die Fähigkeit zur Lüge und Täuschung gehört zu den normalen
Entwicklungsschritten eines Menschen. Bei bestimmten Entwicklungsstörungen wie
beim Autismus ist diese Fähigkeit vermindert. Die Fähigkeit zur Täuschung
verbessert die Fähigkeit innerhalb von Gruppen eigene Ziele durchzusetzen und
individuelle Wünsche zu leben. Kinder lernen mit 3 oder 4 Jahren, dass ihre
Eltern auch nicht alles wissen, und insbesondere, dass sie selbst Erlebtes
wissen und für sich behalten können, ohne dass die Mutter dies weiß. Dies führt
zu einem Wissen um die Autonomie und einer eigenen Kontrolle über die Person und
so zu einer sich entwickelnden
Theory of Mind .
Lügen setzt also die Fähigkeit voraus, zu wissen, dass andere die eigenen
Gedanken nicht wissen. Gute Lügner können besser einschätzen, was ihr Gegenüber
als Lüge erkennt. Lügen setzt eine
Theory of Mind
voraus, erfolgreiches Lügen ein gutes Maß an Empathie.
Entwicklungspsychologisch könnte die Fähigkeit zur Täuschung und Lüge einen
wichtigen Evolutionsschritt darstellen. Jedenfalls haben Primaten die taktische
Täuschungen verwenden einen größeren Neocortex, je näher die Verwandtschaft von
Primaten zum Menschen, umso besser ihre Fähigkeit zur Täuschung. Täuschung erfordert also höhere
Hirnaktivität, insbesondere exekutive Funktionen des orbitofrontalen
Cortex. Funtionsstörungen des orbitofrontalen
Cortex und kognitive Defizite erschweren das Lügen, oder kluge und intelligente
Menschen können besser lügen. Pathologische
Lügner haben
nach
Untersuchungen im orbitofrontalen
Cortex im
mittleren und
unteren Gyrus,
nicht aber im
oberen Gyrus
vermehrt weiße
Substanz im
Vergleich zu
Durchschnittsmenschen
oder Menschen
mit
antisozialer
Persönlichkeit. Ob dies nun
Ursache oder
Folge des
Lügens ist,
bleibt offen. Eine Hypothese könnte aber sein, dass die vermehrt weiße Substanz
tatsächlich das Lügen erleichtert. Vermutlich ermöglicht der orbitofrontalen
Cortex die Hemmung einer Äußerung der Wahrheit. Interessant sind neuere
neurobiologische Untersuchungen zur Lüge. Menschen mit Pseudologia
phantastica sollen jedenfalls über durchschnittliche verbale Fähigkeiten haben.
Es könnte aber durchaus sein, dass ein mehr an Hirn das (erfolgreiche?) Lügen
erleichtert. Parkinsonpatienten können schlechter
lügen als Gesunde. Ursächlich scheint ein präfrontaler Hypometabolismus. Während
Lügner bei Lügen eine erhöhte Hirnaktivität in orbitofrontalen
Cortex und im Gyrus cinguli zeigen, scheint eine wahrheitsgemäße Antwort nicht
zur Aktivierung einer besonderen Hirnregion zu führen. Wahrheitsgemäße Antworten
sind somit in Relation zur Lüge eher die Grundlage des "üblichen" wenig
Anstrengung erfordernden menschlichen Denkens und menschlicher Kommunikation.
Lügen ist damit eine zusätzliche Leistung und Anstrengung. (Spence
2004
doi:10.1098/rstb.2004.1555)
Kernspintomographen
sind nicht
geeignet Lügner
von
Wahrheitsliebenden
Menschen zu
unterscheiden.
Auch
Lügendetektoren
tun sich bei
besonders
hartgesottenen
Lügnern schwer. Für spezielle Situationen und Überprüfungen gibt es aber durchaus auch verschiedenste anerkannte Untersuchungsmethoden um eine Lüge wahrscheinlicher zu machen.
Vielleicht helfen neurobiologische Methoden irgendwann, das Lügen besser zu
verstehen, bisher sollte man bescheiden akzeptieren, dass dies nicht immer
möglich ist. Siehe auch unter
Simulation |
- Abe N, Okuda J, Suzuki M, Sasaki H, Matsuda T, Mori E, et al. Neural
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- Yang, Y., Raine, A., Lencz, T., et al (2005) Prefrontal white matter in
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[Abstract]
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[Abstract]
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[Abstract]
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Cogiamanian, S. Marceglia, M. Tiriticco, S. Mrakic-Sposta, R. Ferrucci, S. Zago,
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- N. Abe, T. Fujii, K. Hirayama,
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May 1, 2009; 132(5): 1386 - 1395.
[Abstract]
[Full
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[PDF]
- Abe N, Suzuki M, Tsukiura T, Mori E, Yamaguchi K, Itoh M, et al. Dissociable
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- C. Dike, M. Baranoski,
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British Journal of Psychiatry, July 1, 2006; 189(1): 86 - 86.
[Full Text]
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- M. J. P. Kruesi and M. F.
Casanova White matter in liars The British Journal of
Psychiatry, March 1, 2006; 188(3): 293 - 294.
[Full Text]
[PDF]
- S. A. SPENCE Prefrontal white matter - the tissue of lies?: Invited commentary
on...Prefrontal white matter in pathological liars The British
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[Full Text]
[PDF]
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