Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Foramen ovale (persistierendes)

Das Foramen ovale (=ovale Öffnung) ist eine Verbindung zwischen den beiden Vorhöfen am Herzen. Vor der Geburt fliest hierüber das Blut vom rechten Vorhof unter Umgehung des Lungenkreislaufes direkt in den linken Vorhof und damit in den Körperkreislauf. Wie beim Ductus arteriosus Botalli handelt es sich um einen fetalen Kurzschlusskreislauf, da die Lungen noch nicht zur Atmung benutzt werden, und die Sauerstoffversorgung des Ungeborenen über die Plazenta (also über die Mutter) erfolgt.  Normalerweise schließt sich dieses Foramen bei der Geburt.  Wenn dieser Verschluss nicht stattfindet, (persistierendes Foramen ovale) so scheint dies bei den meisten Menschen keine Bedeutung zu haben. Solange der Druck im linken Vorhof höher ist als im rechten, kommt es in der Regel zu keinem oder nur geringem Blutübertritt vom rechten zum linken Vorhof, das Loch wird dann meist ventilartig geschlossen. Möglicherweise ist dies beim Pressen, Husten und beim Tauchen anders. Ein persistierendes Foramen ovale findet sich bei 25% der Schlaganfallpatienten. In großen Autopsieserien von Patienten ohne Hinweis auf eine kardioembolische Erkrankung und bei gesunden Erwachsenen im Alter von >45 Jahren findet sich allerdings eine ähnliche Häufigkeit. Es ist deshalb strittig, ob und wie oft ein persistierendes Foramen ovale für Schlaganfälle ursächlich ist. Eine Diskussion gibt es auch um die Bedeutung des persistierendes Foramen ovale bei der Migräne. Hier sind die Ergebnisse bisher ebenso kontrovers wie beim Schlaganfall (siehe unten). Möglicherweise spielt die Größe des offenen Foramen ovale eine Rolle. Bei großem offenem Foramen ovale bestehen auch Bedenken bezüglich der Tauglichkeit zum Tauchen. Eindeutige Empfehlungen, wann ein operativer Verschluss sinnvoll ist, gibt es daher nicht. Einige Studien finden keinen Zusammenhang zwischen dem persistierenden Foramen ovale und kryptogenen Schlaganfällen. In einer anderen Studie war bei Menschen unter 55 Jahren das Schlaganfallrisiko bei persistierendem Foramen ovale erhöht. Schätzungen zur jährlichen Schaganfallinzidenz nach durchgemachtem Schlaganfall bei persistierendem Foramen ovale gehen zwischen 1.5% und 12%, je nach Studie. Wobei in manchen Studien das persistierendes Foramen ovale nicht mit der Auftretenswahrscheinlichkeit eines neuen Schlaganfalls zusammenhing. Ein eindeutig erhöhtes Risiko scheint aber vorzuliegen, wenn gleichzeitig ein Vorhofseptumaneurisma vorhanden ist. Die Studien zum operativen Verschluss des persistierenden Foramen ovale zeigen unterschiedliche Ergebnisse. Ob der Verschluss über eine Katheter Vorteile bietet, ist ebenfalls strittig, jedenfalls muss noch geklärt werden, ob das Komplikationsrisiko kleiner ist als der Profit. ASS und für Hochrisikopatienten Marcumar scheint derzeit nach einem Schlaganfall in den meisten Fällen die sinnvollste Behandlung.


 

Quellen / Literatur:

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