Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Abtreibung

Von den 210 Millionen jährlich weltweit entstehenden menschlichen Schwangerschaften führt etwa die Hälfte zu Lebendgeburten. 80 Millionen Schwangerschaften enden vorzeitig, 42-45 Millionen dieser Schwangerschaften werden vorzeitig durch Abtreibungen beendet, von diesen wird fast die Hälfte illegal ausgeführt. Etwa 3 Millionen Kinder werden tot geboren. Weltweit gibt es jährlich 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften, von denen 42-45 Millionen in Abtreibungen (davon 97% in Entwicklungsländern) enden, etwa 70 000Frauen sterben an den Folgen meist unter unhygienischen Bedingungen durchgeführter illegaler Abtreibungen. Mehr als eine halbe Million Frauen stirbt jedes Jahr an Komplikationen von Geburten, hunderte von Millionen von Frauen bekommen durch Geburten jährlich Behinderungen. Die Zahl der Abtreibungen geht bei uns eher zurück. 2006 wurden in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 119710 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Die Zahl war 2007 im 2. Quartal um 4% geringer als 2006. Jede 5. Schwangerschaft endet in einer Abtreibung, in Osteuropa sogar 45%. Im Gegensatz zur sinkenden Zahl der Abtreibungen in allen entwickelten Ländern steigt die Zahl der Abtreibungen in den Entwicklungsländern weiter kontinuierlich an. Dort gibt es die härtesten Gesetze gegen Abtreibungen. Die Sterblichkeit bei illegalen Abtreibungen ist 70 x höher als bei legalen Schwangerschaftsabbrüchen. Wo Abtreibungen erlaubt sind gibt es weniger Komplikationen und weniger Todesfälle bei den Frauen. Obwohl in Asien die Hälfte der illegalen Abtreibungen durchgeführt wird, und in Afrika 28% sind 54% der Todesfälle bei dem Eingriff in Afrika. Auch Südamerika hat einen hohen Anteil an illegalen Abtreibungen, das Gesundheitssystem dort ist aber besser darauf vorbereitet, die Komplikationen schlecht durchgeführter Eingriffe zu behandeln. Alleine 2001fehlten nach dem Indischen Census 5 Millionen Mädchen in Indien, die einer selektiven Abtreibung wegen ihrem Geschlecht zum Opfer gefallen waren. 72% der Frauen die in Deutschland Schwangerschaftsabbrüche durchführen ließen waren zwischen 18 und 34 Jahren, 16% zwischen 35 und 39 und 7% über 40 Jahre alt. 41% der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, hatten noch kein Kind geboren. 97 Prozent wurden in Deutschland nach der Beratungsregelung ohne spezielle Indikation nach Pflichtberatung durchgeführt. Kriminologische Indikation beispielsweise nach einer Vergewaltigung oder die Medizinische Indikation bei Gefahr für Leben bzw. die körperliche und seelische Gesundheit der Frau oder einer Behinderung beim Kind sind also relativ selten. In Deutschland werden 80% aller Abrüche mit der Absaugmethode zwischen der 6.und 12. SSW druchgeführt. Alternativ wird eine Curettage (Ausschabung), oder die Abtreibung mit Mifepriston/Prostagladinen (10%) durchgeführt. 79% der Abtreibungen werden in gynäkologischen Praxen und 19% ambulant im Krankenhaus durchgeführt. Wiederholte Abtreibungen sollten die abtreibenden Ärzte auch an mögliche Gewalt in der Partnerschaft denken lassen. Jedenfalls geben Studien entsprechende Hinweise.

Ein Schwangerschaftsabbruch nach der sogenannten "Beratungsregelung" ist rechtswidrig , aber straffrei (§ 218 StGB), wenn ...

  • die Schwangerschaft innerhalb von 12 Wochen (s. rechte Spalte) seit der Empfängnis abgebrochen wird
  • die Frau den Abbruch verlangt und
  • sie dem Arzt durch eine Bescheinigung einer anerkannten Beratungsstelle eine mindestens drei Tage zurückliegende Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB nachgewiesen hat.

Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig, wenn ... 

  • die Schwangerschaft auf einer Straftat, z.B. Vergewaltigung, beruht. Seit der Empfängnis dürfen nicht mehr als 12 Wochen vergangen sein (kriminologische Indikation; § 218a Abs. 2 StGB) oder
  • der Abbruch notwendig ist, um eine Lebensgefahr oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der körperlichen oder seelischen Gesundheit der Frau abzuwenden. Eine zeitliche Befristung besteht hier nicht (medizinische Indikation; § 218a Abs. 3 StGB).

Legale Abtreibungen hatten in den USA zwischen 1979 und 1985 eine Mortalität für die Mütter von 0,6 Todesfällen pro 100 000 Eingriffe, mehr als 10fach niedriger als die Müttersterblichkeit bei der Geburt im selben Zeitraum (9,1 pro 100 000 Lebendgeburten)

Nach einer Metaanalyse vorhandener Studien zu diesem Thema verursachen Abtreibungen bei ungewollten Schwangerschaften bei den betroffenen Frauen auch im späteren Verlauf keine psychischen Störungen. Contraception 2008;78: 436–50. Jedenfalls sind Abtreibungen an sich meistens kein größeres Risiko für eine psychische Störung als die Geburt eines Kindes bei ungewollter Schwangerschaft. Eine neuere Studie weist allerdings darauf hin, dass Frauen, die die Abtreibung an sich und die entsprechenden Beratungsgespräche an sich als belastend erleben, ein etwas höheres Risiko haben in der Folge eine psychische Störung zu haben. (British Journal of Psychiatry (2009)195, 420–426. doi: 10.1192/bjp.bp.109.066068 und British Journal of Psychiatry (2008) 193: 444-451. doi: 10.1192/bjp.bp.108.056499, Psychosomatic Medicine 66:265-271 (2004))  Es gibt allerdings keine Studie, die darauf hinweist, dass Abtreibung psychischen Störungen, die eventuell der Geburt eines Kindes bei ungewollter Schwangerschaft folgen könnten, abhelfen würden. Abtreibung ist kein Mittel psychische Störungen zu verhindern, so jedenfalls bisher die Studienlage. Es gibt allerdings durchaus ältere Studien, die zum Schluss kommen, dass ungewollt geborene Kinder ein deutlich höhere Risiko für psychische Störungen haben. Am J Psychiatry 1991; 148: 578–85 Eher etwas zweifelhafte Schlussfolgerungen gehen sogar soweit, zu behaupten, dass die Legalisierung der Abtreibung in den USA 1973 zum Absinken der Verbrechensrate beigetragen hat, in dem die ungewollten zukünftigen Kriminellen nicht geboren wurden. Criminal Justice Policy Review, Vol. 19, No. 2, 135-152 (2008) und Vol. 43, No. 1, 36-66 (2006)


 

Quellen / Literatur:

World Health Organization. Unsafe abortion: global and regional estimates of the incidence of unsafe abortion and associated mortality in 2003. Geneva: WHO, 2007. 

Hannah Brown, Abortion round the world, BMJ 2007;335;1018-1019 http://bmj.com/cgi/content/full/335/7628/1018 doi:10.1136/bmj.39393.491968.94

William A. Fisher et al. Characteristics of women undergoing repeat induced abortion, CMAJ • March 1, 2005; 172 (5). doi:10.1503/cmaj.1040341.
 
Akashdeep Singh, Rupinder kaler, Selective abortion: Missing Indian Baby Girls

Census of India 2001. Office of registrar general and census commissioner,India Census of India 2001.

Siehe auch Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Datenreport 2006 Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland

 

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