Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Basalganglien

Die Basalganglien sind dazu da, willentliche Bewegungen zu erleichtern, indem sie störende andere Bewegungen hemmen. Dysfunktionen dieser Regelkreise können zu Bewegungsstörungen führen, dabei können die Willkürbewegungen gestört sein oder unwillkürliche Bewegungen auftreten oder beides gleichzeitig. Modelle der Regulation der Bewegung über die Basalganglien spielen eine wesentliche Rolle im modernen Verständnis von Bewegungsstörungen. Warum bestimmte Schäden in den Basalganglien eine Chorea, andere eine Dystonie und andere Tics auslösen wird aber noch nicht verstanden. Struktur und Funktion der Basalganglien sind komplex und werden von der Hirnforschung insgesamt noch nicht völlig verstanden. Unter Basalganglien versteht man im allgemeinen jene grauen Kernmassen innerhalb der weißen Substanz des Telenzephalons, die aus dem Ganglienhügel des Keimlings hervorgegangen sind und funktionell zusammengehören. Es sind dies der Nucleus caudatus (Schweifkern), das Putamen (Schalenkern), ferner das Claustrum sowie das Corpus amygdaloideum. Nicht alle Forscher stimmen überein, welche Kerngebiete den Basalganglien zuzuordnen sind. Überwiegend wird aber der N. subthalamikus und die Substantia nigra ebenfalls den Basalganglien zugeordnet. Manche ordnen auch den Nukleus ruber den Basalganglien zu. Der Nucleus caudatus sowie das Putamen, die zusammen auch als Neostriatum bezeichnet werden, sind ein wichtiger Bestandteil des extrapyramidalen Systems. Dazu zählt auch der Globus pallidus, der sich aus einem inneren und einem äußeren Glied zusammensetzt. Da er phylogenetisch ein älteres Kerngebiet darstellt, wird er auch als Paläostriatum bezeichnet, das zumindest teilweise dem Dienzephalon zugehört. Putamen und Globus pallidus werden zusammen auch als Nucleus lentiformis (Linsenkern) bezeichnet. Zum extrapyramidalen System werden auch Kerne des Mesenzephalon, nämlich die Substantia nigra sowie der Nucleus ruber, ferner der Nucleus subthalamicus des Dienzephalon hinzugezählt. Der Globus pallidus grenzt kaudal an den rostralen Anteil der Substantia nigra. Das Pallidum wie auch die Substantia nigra und der Nucleus ruber sind stark eisenhaltig. Die dunkle Färbung der Substantia nigra wird durch den Gehalt an Melanin hervorgerufen. Zu den eigentlichen Basalganglien, die eine Funktion innerhalb des extrapyramidalen Systems innehaben, werden nach manchen Autoren nur der Nucleus caudatus, das Putamen sowie der Globus pallidus gerechnet. Da der Nucleus caudatus sowie das Putamen durch zahlreiche streifenförmige Zellbrücken miteinander in Verbindung stehen, haben sie den Namen Corpus striatum (Streifenkörper) erhalten Der Nucleus caudatus folgt in seinem Verlauf dem Seitenventrikel. Der Kopf bildet die mediale Wand des Seitenventrikels. Das sich verjüngende Schweifende befindet sich schließlich am Dach des Unterhorns im Schläfenlappen und reicht rostral bis an das Corpus amygdaloideum heran. Auf manchen Frontalschnitten erscheint der Nucleus caudatus daher zweimal, und zwar dorsal am äußeren Rand des Seitenventrikels und basal oberhalb des Unterhorns im Schläfenlappen. In ihren rostralen Anteilen gehen Nucleus caudatus und Putamen ineinander über. Das Putamen umgibt schalenförmig den blassen Globus pallidus, den er rostral und kaudal überragt. Nach lateral ist das Putamen durch die Capsula externa vom Claustrum getrennt. Medial wird das Putamen durch eine dünne Faserschicht, der Lamina medullaris medialis, vom Pallidum abgegrenzt. Die Faserzüge der Capsula interna werden medial vom Nucleus caudatus und Thalamus, lateral vom Putamen und Pallidum begrenzt. Zwischen Claustrum und Inseirinde findet sich die Capsula extrema. Sie enthält u.a. Assoziationsfasern, die die Hörregion im Temporallappen mit der primär motorischen und prämotorischen Rinde verbinden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei Bewegungsstörungen wie dem Tremor, Schiefhals, Dystonien.. vermutlich aber auch in der Psychiatrie wie bei Zwangskrankheiten. (nach Duus neurologisch topische Diagnostik, Thiemeverlag). Neuere Methoden der Darstellung des menschlichen Gehirnstoffwechsels mit funktionellen Kernspintomographien, PET und SPECT ermöglichen die Darstellung der Hirnfunktion am lebenden kranken wie gesunden Menschen. Die meisten Informationen über die Funktion von Hirngebieten und von Verbindungen zwischen Hirngebieten kommt aber immer noch aus der Beobachtung von Hirnschädigungen bei Menschen. Die Parkinsonsche Erkrankung ist ein Beispiel für eine Schädigung der Basalganglien. Geschädigt sind hier die Nervenzellverbindungen die die Substantia nigra und das Putamen verbinden. Am auffallendsten ist bei der Erkrankung die Verarmung der Bewegungen (Bradykinese, Akinese, Hypomimie, fehlendes Mitschwingen der Arme). Auffallend ist auch die Starthemmung, die Patienten haben Schwierigkeiten die ersten Schritte zu machen, einmal in Gang gekommen oder mit der Unterstützung von Marschmusik oder eines Laserstrahl am Boden ist manchmal dann ein normales Gangbild möglich. Ein Parkinsontremor ist nur in Ruhe vorhanden und verschwindet im Gegensatz zum Tremor bei Kleinhirnschädigungen bei Bewegung sofort. Ähnlich scheinen auch die emotionalen Symptome eher mit einer Verlangsamung zusammenzuhängen. Depression, Verlangsamung, ein manchmal zäher Perfektionismus und Antriebsmangel sind die häufigsten emotionalen Begleiter der Erkrankung. Andere Erkrankungen der Basalganglien führen zu eher gegenteiligen Symptomen. Dystonien, Ballismus, Athetose und Chorea sind ebenfalls Folge einer Schädigung der Basalganglien und eines Ungleichgewichtes im Dopaminsystem. Bei diesen Erkrankungen kommt es zu einem Zuviel an Bewegung. Die Basalganglienerkrankungen verursachen Bewegungsstörungen die mit der Initiierung und strategischen Planungen von Bewegungen (oder deren Verlust) zusammenhängen, oder Bewegungsstörungen die unbeabsichtigte überschießende Bewegungen beinhalten. Dies gilt besonders für geplante Bewegungen, also nicht unbedingt für automatisierte auf einen externen Stimulus ablaufende Bewegungen. Die Planung der Bewegungen ist hierbei gestört. Hierarchisch handelt es sich dabei also um eine höhere Ebene der Bewegungskontrolle. Im Gegensatz dazu führen Schädigungen des Kleinhirns zu Störungen in der Ausführung von Bewegungen bei ungestörter Initiation der Bewegung. Das Kleinhirn übersetzt diese Bewegungen automatisch in geglättete Handlungssequenzen unter Berücksichtigung der Rückkoppelung aus der Peripherie. Schädigungen der Hirnrinde führen hierarchisch zu noch niedrigeren Störungen mit einfachen Schwächen oder Lähmungen. Die motorische Hirnrinde gibt in der Hierarchie dann die Kommandos für die detailliertere Ausgestaltung der Bewegung, hier erfolgen die Kommandos für die Abstimmung der notwendigen Kraft. Die Basalganglien spielen im Belohnungssystem des Gehirns (Ich- fühl- mich gut System) eine entscheidende Rolle. Hier besonders der Nucleus accumbens. Dopaminerge Neurone spielen damit beim Glücksgefühl eine entscheidende Rolle. Mitbeteiligt ist hier der präfrontale Cortex, der Hippokampus, die Amygdala, das anteriore Cingulum und die Inselregion. Der Hirnstamm spielt eine wesentliche Rolle in der Kontrolle des körpereigenen Opioidsystems. Mit beteiligt ist hierbei auch dass anteriore Cingulum. Eine Aktivierung dieser Hirnregionen ist bei Gabe von Opiaten genauso nachweisbar wie bei eintretender Plazebowirkung. Am deutlichsten ist diese Plazebowirkung für jeden in der alltäglichen Erfahrung sichtbar bei Kindern, die sich verletzt haben. Obwohl eine oft blutende Wunde zurückbleibt, die offensichtlich weh tun müsste, lässt der Schmerz oft schnell nach einem Trost der Mutter nach. Dabei hat die Mutter nicht nur das Kind beruhigt und ihm die Sicherheit gegeben, dass nichts schlimmes passiert ist, sie hat auch für das Kind die Bedeutung des Schmerzes relativiert. Wir Erwachsenen müssen uns meist selbst beruhigen und die Bedeutung des Schmerzes selbst einordnen. Dabei kann es auch ohne Hilfe von außen gelingen, den Schmerz zu relativieren. Nicht nur psychologische Beobachtungen auch funktionelle Kernspinbilder beweisen, dass alleine die Aufmerksamkeit auf ein anderes Geschehen zu lenken (Ablenkung) den Schmerz reduziert. Tutorial on Basal Ganglia Erkrankungen der Basalganglien auch bei www.wemove.com


 

 

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Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10 Jahre.Möglicherweise sind nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate kenntlich gemacht. Durch Verwendung verschiedener Quellen konnte eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitate nicht immer vermieden werden. Soweit möglich wird dies angezeigt. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. Bitte beachten Sie: Diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. 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