Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Beers Kriterien

1991 von Beers et al. veröffentlichte und inzwischen mehrfach verbesserte Kriterien, die Medikamente für die Verschreibung im Altenheim und Pflegeheim für inadäquat erklären. Ursprünglich nur für Heimbewohner gedacht, werden diese Kriterien inzwischen auch allgemein für Verschreibungen im Alter angewendet. Sie enthalten 28 Medikamente oder Medikamentenklassen, die bei alten Menschen nicht verordnet werden sollten. Die Nebenwirkungen von 14 der 28 Medikamente werden als potentiell schwer eingestuft. Sie enthalten weitere 35 Medikamente oder Medikamentenklassen, die bei alten Menschen unter bestimmten Bedingungen (Begleiterkrankungen etc.) nicht verordnet werden sollten. Bei einer Analyse von Verordnungsdaten erhielten 80.3% der Betroffenen ein Medikament, das auf der Liste stand, bei 15.7% waren es zwei bei 4.0% drei. Bei einer Untersuchung der Verordnungen von 765 423 Patienten erhielt jeder 5. Medikamente, die man im Alter vermeiden sollte, jeder 20. erhielt gleich 2 solcher Medikamente in einem Jahr. Kostengesichtspunkte dürften dabei ein wesentliches Element sein. Mit am häufigsten finden sich Verordnungen von Trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin oder Doxepin (31 598 (19.5%)) Antidepressiva waren alleine für fast ein Viertel der unnötig gefährlichen Verordnungen verantwortlich. Die Alternativen wie SSRI oder andere moderne besser verträgliche Antidepressiva sind teuerer aber sie beinhalten wesentlich weniger Gefahren. Auch andere Psychopharmaka für die es deutlich besser verträgliche aber etwas teurere Alternativen gibt wie Chlordiazepoxid, Diazepam, Flurazepam etc. finden sich unter den Rennern der unnötig gefährlichen Verordnungen für alte Menschen.

Eine neue Studie kommt allerdings zum Schluss, dass die ín den Beerskriterien genannten Medikamente bei Menschen über 65 Jahren nur selten (3.6%) für einen Intensivstationsaufenthalt verantwortlich sind. Als besondere Gefährung für Ältere erwiesen sich hingegen Markumar, Insulin, und Digoxin. Obwohl diese 3 Medikamentenklassen nur 9.4% der ambulanten Verordnungen ausmachen, sind sie für über die Hälfte der Medikamentennebenwirkungen, die zu Intensivstationsaufenthalten bei Älteren führen, verantwortlich. - Je geringer der Abstand zwischen toxischer Dosis und therapeutischer Dosis, je mehr Überwachung ein Medikament erfordert, umso ungünstiger ist es im Alter. Daniel S. Budnitz et al., Medication Use Leading to Emergency Department Visits for Adverse Drug Events in Older Adults Ann of Int. Med 2007 147/11, 755-765
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Auch eine Expertenstudie, die die Medikation von 256 Patienten über 65 Jahren, die mit 3678 Medikamenten behandelt wurden, überprüfte, kam zu dem Ergebnis, dass nur bedingte Übereinstimmung zwischen den Beers- Kriterien oder den verwandten Zhan- Kriterien  und der Expertenauffassung im Einzelfall bestand. Das Expertenteam aus Ärzten und Pharmakologen stufte  563 oder 15% der Medikamente als problematisch ein, während 214 oder 6% der Medikamente nach den Beers- Kriterien und 91 (2,5%) nach den  Zhan- Kriterien als potenziell problematisch eingestuft wurden.  Statistisch zeigte sich im übrigen nur eine geringe Übereinstimung zwischen der Expertenmeinung und den entsprechenden Kriterien. 61% der Medikamente, die nach den Beers- Kriterien als ungeeignet eingestuft wurden und 49% der nach den Zhan- Kriterien als ungeeignet eingestuften Medikamente wurden von den Experten im konkreten Einzelfall als unproblematisch angesehen. Arch Intern Med 2009;169:1326-1332. ABSTRACT

Die Beers- Kriterien oder die Zhan- Kriterien sind nützliche Instrumente bei der primären Auswahl von Medikamenten bei einem speziellen Gesundheitsproblem. Als einziges Kriterium für die Verordnung im Einzelfall sind sie ungeeignet.
 

Quellen / Literatur:

  1. Zhan C, Sangl J, Bierman AS, et al. Potentially inappropriate medication use in the community-dwelling elderly: findings from the 1996 Medical Expenditure Panel Survey. JAMA. 2001;286(22):2823-2829.
  2. Fialova et al. Potentially Inappropriate Medication Use Among Elderly Home Care Patients in Europe JAMA 2005;293:1348-1358. ABSTRACT
  3. Lau et al. Hospitalization and Death Associated With Potentially Inappropriate Medication Prescriptions Among Elderly Nursing Home Residents Arch Intern Med 2005;165:68-74. ABSTRACT
  4. Steinman et al. Agreement Between Drugs-to-Avoid Criteria and Expert Assessments of Problematic Prescribing Arch Intern Med 2009;169:1326-1332. ABSTRACT
  5. Johnell et al. Sex Differences in Inappropriate Drug Use: a Register-Based Study of Over 600,000 Older People The Annals of Pharmacotherapy 2009;43:1233-1238. ABSTRACT
  6. Castelino et al. Targeting Suboptimal Prescribing in the Elderly: A Review of the Impact of Pharmacy Services The Annals of Pharmacotherapy 2009;43:1096-1106. ABSTRACT
  7. Mansur et al. Is There an Association Between Inappropriate Prescription Drug Use and Adherence in Discharged Elderly Patients? The Annals of Pharmacotherapy 2009;43:177-184. ABSTRACT
  8. Budnitz et al. Medication Use Leading to Emergency Department Visits for Adverse Drug Events in Older Adults ANN INTERN MED 2007;147:755-765. ABSTRACT | FULL TEXT
  9. Johnell et al. Inappropriate Drug Use in the Elderly: a Nationwide Register-Based Study The Annals of Pharmacotherapy 2007;41:1243-1248. ABSTRACT |
  10. Jano and Aparasu Healthcare Outcomes Associated with Beers' Criteria: A Systematic Review The Annals of Pharmacotherapy 2007;41:438-447. ABSTRACT
  11. Espino et al. Suboptimal Medication Use and Mortality in an Older Adult Community-Based Cohort: Results From the Hispanic EPESE Study. Journals of Gerontology Series A: Biological Sciences and Medical Sciences 2006;61:170-175. ABSTRACT
  12. Beers MH, Ouslander JG, Rollingher I, et al. Explicit criteria for determining inappropriate medication use in nursing homes. Arch Intern Med. 1991;151:1825-1832.
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  14. Avorn and Gurwitz, Drug Use in the Nursing Home, Ann Intern Med 1995;123:195-204.ABSTRACT | FULL TEXT
  15. Ruths et al. Multidisciplinary medication review in nursing home residents: what are the most significant drug-related problems? The Bergen District Nursing Home (BEDNURS) study Qual Saf Health Care 2003;12:176-180. ABSTRACT | FULL TEXT
  16. Mulsant et al.Serum Anticholinergic Activity in a Community-Based Sample of Older Adults: Relationship With Cognitive Performance Arch Gen Psychiatry 2003;60:198-203. ABSTRACT | FULL TEXT,
  17. van Eijk et al.Reducing prescribing of highly anticholinergic antidepressants for elderly people: randomised trial of group versus individual academic detailingBMJ 2001;322:654-654. ABSTRACT | FULL TEXT
  18. Howard et al. Prescribing of potentially inappropriate medications to elderly peopleFam. Pract. 2004;21:244-247. ABSTRACT | FULL TEXT
  19. Pimlott NJG, Hux JE, Wilson LM, Kahan M, Li C, Rosser WW. Educating physicians to reduce benzodiazepine use by elderly patients: a randomized controlled trial. CMAJ. 2003;168:835-839
  20. Curtis et al. Inappropriate Prescribing for Elderly Americans in a Large Outpatient Population Arch Intern Med 2004;164:1621-1625.ABSTRACT | FULL TEXT
  21. A. K. Wagner, F. Zhang, S. B. Soumerai, A. M. Walker, J. H. Gurwitz, R. J. Glynn, and D. Ross-Degnan Benzodiazepine Use and Hip Fractures in the Elderly: Who Is at Greatest Risk? Archives of Internal Medicine, July 26, 2004; 164(14): 1567 - 1572. [Abstract] [Full Text] [PDF]

 

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