Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Assoziationsgebiete

Oft werden die Assoziationsgebiete auch sekundäre und tertiäre Rinde oder sekundärer und tertiärer Cortex genannt. Letzteres im Gegensatz zur primären motorischen oder senosorischen (Sensibilität, Sehrinde, Hörrinde..) Primäre Hirnrinde, ist der Teil der Hirnrinde, die direkte Verbindungen zur Umwelt unterhält, oder auch direkt die Informationen aus den Sinnesorganen erhält, bzw. direkt Bewegungen steuert. Sekundäre Hirnrindenareale sind den primären nachgeschaltet und ordnen die Sinneseindrücke nach bestimmten Mustern. Assoziationgebiete im Gehirn haben keine direkte Verbindung zur Außenwelt über die Sinnesorgane. Sie erhalten nur Infos aus den umliegenden oder aber auch entfernten Hirngebieten. Die Funktionen des Assoziationskortex sind bisher nur teilweise analysiert. Die Untersuchung ist inzwischen aber auch experimentell am gesunden Menschen möglich. Taktile und elektrische Stimulation eines peripheren Nerven aktiviert beispielsweise die primäre somatosensorsiche Rinde (SI) der Gegenseite und the sekundäre somatosensorische Rinde (SII) bilateral in unterschiedlichem zeitlichem Abstand zum Reiz. Die SI sitzt im Gyrus postcentralis im Parietallappen und ist nach genau bekannten somatotopen Mustern gegliedert, die jeweiligen Areale werden aktiviert wenn der Reiz aus der jeweiligen gegenseitigen Körperregion dort eintrifft. SII ist ein kleines Gebiet im parietalen Operculum und enthält bilaterale Representationen des Körpers. SI unterscheidet die Art und Lokalisation eines Stimulus oder einer Sinneswahrnehmung, SII spielt eine Rolle bei dem taktilen Gedächtnis und der sensorimotorischen Integration. Beide erhalten thalamische Projektionen, aber sie sind auch mit einander durch Corticocortical Verbindungsbahnen verbunden. Das Wechselspiel der Verbindungen wird zwar beim Menschen noch schlecht verstanden, lässt sich aber experimentell darstellen. Assoziationsfelder integrieren somatische und sensorische Informationen (Input), so dass sie motorische Handlungen (Output) planen können. Im präfrontalen Assoziationscortex hat das Arbeitsgedächtnis seinen Sitz, hier findet die Aufmerksamkeitssteuerung, sowie die Planung und Durchführung von komplexen motorischen Handlungen statt, Sinneswahrnehmungen werden dort zeitlich und räumliche strukturiert, kontextgerechtes Handeln und Sprechen und Verhaltensbewertung werden im präfrontalen Assoziationscortex geplant. Läsionen führen zum Verlust der Fähigkeit, den sozial-kommunikativen Kontext (z.B. Bedeutung von Szenendarstellungen oder Mimik von Gesichtern) zu erfassen, Probleme zu lösen oder den Inhalt von Denken und Tun erfahrungsbezogen umzulenken. Hang zur „Perseveration“ (hartnäckiges Verbleiben bei einer Sache, Verlust der Verhaltensspontaneität und Kreativität sowie Einschränkungen des adaptiven Verhaltens, besonders im Sozialbereich. Allgemein verflacht die Persönlichkeit („Frontalhirn-Syndrom“).. Im parietal-temporal-okzipitalen Assoziationsfeld werden sensorische Funktionen mit Sprache kombiniert. Im Limbischen Assoziationscortex wird Gedächtnis, Emotion und Motivation bearbeitet. Im temporalen Assoziationscortex findet die Integration und Bewertung nichträumlicher visueller Aspekte von Objekten und Prozessen und von auditorischer Information statt (hier auch das Wernickesche Sprachzentrum) Im unteren inferotemporalen Bereich die Verarbeitung komplexer visueller Informationen. Im parietalen Assoziationsfeld werden Raumwahrnehmung, -orientierung und -vorstellung geschaffen mit der Konstruktion einer dreidimensonalen Welt und der Lokalisation der Sinnesreize, des eigenen Körpers und seiner Bewegungen in der Umwelt; hier entsteht das Wissen über den eigenen Aufenthaltsort (d.h. die Lokalisation innerhalb „geographischer Karten“.  In der sekundären Rinde und den Assoziationsfeldern entsteht unser Bild von der Welt, hier werden Ereignisse geplant, mit Erfahrungen verglichen und bildlich vorgestellt. Hier werden auch die Wahrnehmungen analysiert und mit den Erinnerungen verglichen. Assoziationsverbindungen gibt es nicht nur zwischen den verschiedenen Rindengebieten, sondern auch zum Thalamus oder zu den Pyramidenbahnen. Viele hundert Millionen Nervenfasern verbinden die Assoziationsgebiete. Alleine der Balken enthält 100 Millionen Fasern, die die beiden Hirnhälften verbinden. Die Assoziationsgebiete wurden früher als teilweise stumme Hirngebiete angesehen, weil Ausfallserscheinungen weniger direkt sichtbar werden als in den primär mit Sinnesorganen verbundenen Hirnregionen. Sie entwickeln sich erst spät in der Onto- und Phylogenese und nehmen dann einen immer größeren Anteil im Gehirn ein. Bei Tieren hat der Assoziationskortex einen entsprechend geringeren Anteil an der Gehirnmasse. Assoziationgebiete steuern teilweise die Selbstorganisation des Gehirns, schaffen synaptische Verbindungen.  . Assoziationsgebiete sind der Ort an dem die Intellektuellen Fähigkeiten der Menschen lokalisiert sind. Beim M. Alzheimer sind die temporoparietalen Assoziationsgebiete schwerpunktmäßig betroffen, in PET- Bildern zeigt sich dort ein entsprechend verminderter Glukosestoffwechsel. Bei der Multinifarktdemenz sind die Cortexareale zwar mehr oder weniger intakt, die Verbindungsbahen sind aber im Marklager gestört, damit ist die Verbindung verschiedener Cortexareale und letztlich die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirngebieten beeinträchtigt. Im PET zeigt sich hier ein eher fleckiges Bild. Herdsymptome bei Schädigungen im Bereich der Assoziationsgebiete; Ein Herd im somatisch-sensiblen Assoziationsgebiet (Areae 5 und 7) kann zur Folge haben, dass man zwar tasten und fühlen kann, dass man aber nicht mehr in der Lage ist, die in die Hand gelegten Gegenstände bei geschlossenen Augen allein durch Betasten zu erkennen, weil die früher gespeicherten Tasteindrücke verloren gegangen sind. Man nennt dies eine taktile Agnosie. Kranke mit einem Herd in dem tertiären parietalen Assoziationsgebiet der dominanten Hemisphäre haben Schwierigkeiten, die aus den einzelnen sekundären Assoziationsgebieten eingehenden Informationen so zu einem Ganzen zusammenzufügen, dass sie das Wesentliche aus einem Zusammenhang erkennen. Sie sind ferner häufig nicht mehr in der Lage, die verschiedenen Eindrücke so miteinander zu integrieren, dass sie sich selbst im dreidimensionalen Raum zurechtfinden. Obwohl ihnen die Umgebung vertraut ist, finden sie sich in ihrem Wohnort oder in ihrer Wohnung nicht mehr zurecht. Bei einem Herd im Bereich des Gyrus angularis ist der Kranke oft nicht mehr über die Stellung seines eigenen Körpers im Raum, wie auch über die Beziehung der einzelnen Körperteile zueinander orientiert. Bei einem Herd im Bereich des Gyrus supramarginalis, zumeist in der linken Hemisphäre, kann auch das Gefühl für den eigenen Körper verlorengehen (Asomatognosie, Autotopagnosie). Es werden dann evtl. auch nicht mehr die Bedeutung der einzelnen Finger erkannt (Fingeragnosie) und das Gefühl für rechts und links am Körper geht verloren (Rechts-Links-Desorientierung). Bei einer unilateralen Asomatognosie kommt es aufgrund eines Herdes, zumeist in der rechten Parietalregion, gelegentlich zu einer Nichtbeachtung der linken Körperhälfte. Der Kranke nimmt dann z. B. nicht die Lähmung seiner linksseitigen Gliedmaßen oder auch eine Blindheit wahr (Anosognosie, Antonsches Syndrom). In derartigen Fällen besteht fast immer auch eine visuelle Unaufmerksamkeit gegenüber der gelähmten Körperhälfte. Durch die Nichtbeachtung der einen Körperhälfte hat der Kranke auch Schwierigkeiten beim Anziehen (Ankleideapraxie, dressing apraxia). In ausgeprägten Fällen handelt es sich fast immer um einen größeren Herd, der sich in Richtung zu den benachbarten frontalen, okzipitalen und temporalen Assoziationsgebieten ausdehnt. Deutlich zeigt sich die Störung des räumlichen Wahrnehmens bei konstruktiven Handlungen. Beim Zusammenfügen von Holzklötzchen, um ein dreidimensionales Gebilde, z. B. ein Häuschen, zu gestalten, ist der Kranke nicht fähig, die einzelnen Bausteine in die richtige räumliche Anordnung zu bringen, eine Störung, die von KLEIST als „konstruktive Apraxie“ bezeichnet worden ist. Ebenso bestehen bei dem Kranken Schwierigkeiten beim Schreiben und Zeichnen. Er kann z. B. nicht die Schriftzeilen einhalten und vermag auch nicht die Buchstaben richtig zu formen (Agraphie). Beim Zeichnen werden die einzelnen Bestandteile der beabsichtigten Zeichnung falsch zusammengefügt. Beim Rechnen können Zahlenkolonnen oder Zahlenreihen nicht überschaut werden, so dass die Rechenaufgaben nicht gelöst werden können (Akalkulie).
 

Quellen / Literatur:

Nach Duus topisch neurologische Diagnostik Thiemeverlag und RHS Carpenter Neurophysiology 2002,  Cristina Simões, Ole Jensen, Lauri Parkkonen, and Riitta Hari, Phase locking between human primary and secondary somatosensory cortices PNAS 2003 100: 2691-2694; [Abstract] [Full Text] [PDF]

 

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