.
|
Borrelien |
|
Der Erreger wurde erst vor etwas
mehr als 20 Jahren entdeckt, die Krankheitsymptome waren allerdings schon zuvor
bekannt. Drei verschieden Arten von B. sind für die Erkrankung verantwortlich:
B. burgdorferi, B. afzelii, und B. garinii. In den USA ist es ausschließlich B.
burgdorferi, in Europa vorwiegend B. afzelii und B. garinii, letztere beiden
Arten sind in Asien ausschließlich verantwortlich. In unterschiedlichen Regionen
der Erde sind unterschiedliche Zeckenarten für die Übertragung verantwortlich.
In Europa, ist der Hauptüberträger die Ixodes ricinus, in Asien die I.
persulcatus bei können auch die Frühjahrs/ Sommer Meningoenzephalitis
übertragen. Die bei uns verantwortlichen Schildzecken sind bei Temperaturen
unter 10°C inaktiv, sie kommen bis zu 1000m über dem Meeresspiegel vor. Am
häufigsten sitzen sie in hohen Gräsern, die Larven der Schildzecke sind zu 1%
infiziert, die Nymphen zu 20%, Erwachsene Schildzecke zu 50% infiziert. Das
Erregerreservoir an dem sich die Zecken anstecken, sind überwiegend die Rötel-
und Gelbhalsmäuse. Das Immunsystem der Maus toleriert die Borrelien, sie sind
lebenslange Bakterienträger ohne krank zu werden. Der Stich einer Zecke wird
meist nicht bemerkt, da sie eine lokalanästhetische Substanz im Speichel haben,
die beim Einstich die Schmerzreaktion verhindert. Die Borrelien wandern während
der Blutmahlzeit aus dem Mitteldarm der Zecken in die Speicheldrüsen ein. Die
dauert etwa einen Tag, damit steigt die Infektionswahrscheinlichkeit nach einem
Tag erheblich an, wenn die Zecke nicht zuvor entfernt wird. Der direkte
Erregernachweis wird selten durchgeführt. In der Regel wird zunächst im Serum
mittels eines mittels ELISA, Immunfluoreszenztests oder Hämagglutinationstest
nach Borrelien-spezifischen Antikörpern (IgM bei frischen Infekt, dann IgG)
gesucht. Ist dieser Suchtest positiv muss wegen der Kreuzreaktivität der
Borrelien-Antigene ein Bestätigungstest durch Nachweis von
Borrelien-spezifischen Antigenen im Western-Blot Test erfolgen.
Die Bezeichnung „Lyme-disease“ „Lyme-borreliosis“
(nach dem Ort in den USA)wird Synonym für die Erkrankung verwendet. Eine Häufung
von Gelenkentzündungen bei Kindern 1974/75 in der amerikanischen Stadt Lyme/Connecticut
wurden als Folge einer Borrelieninfektion identifiziert. Die Erkrankung tritt
bevorzugt in bewaldeten Gebieten Mitteleuropas und Skandinaviens auf, besonders
in Deutschland, Österreich, Slowenien und Schweden. Auch in Russland, China und
Japan gibt es Borreliosen. In den USA ist der Nordosten von Maine bis Maryland,
im mittleren Westen Wisconsin und Minnesota, und im Westen der Norden
Kaliforniens und Oregon betroffen.
Das Risiko, an Borreliose zu erkranken ist relativ schwierig anzugeben,
Schätzungen sprechen von etwa 300 pro 100 000 Einwohner jährlich in Deutschland.
In den USA geht man von 15 000 Erkrankten pro Jahr aus. Damit ist die Borreliose
die häufigste durch Vektoren übertragene Erkrankung in Europa und bestimmten
Staaten der USA. In Deutschland ist nach bisherigen Erkenntnissen des
RKI nach einem Zeckenstich bei 1,5–6 % der Betroffenen mit einer Infektion (einschließlich der klinisch inapparenten Fälle) und bei 0,3–1,4 % mit einer manifesten Erkrankung zu rechnen. Die Infektion kann von März bis Oktober erfolgen (bei entsprechenden Witterungsbedingungen evtl. auch früher oder später), ein Gipfel besteht in den Monaten Juni und Juli für das Erythema migrans und Juli und August für die akute Neuroborreliose. Die Frühmanifestationen (wie Erythema migrans und frühe Neuroborreliose Stadium II) treten also wegen der kurzen Inkubationszeit saisonal gehäuft auf. Bezüglich der Krankheitssymptome gibt es regionale
Unterschiede, mindestens 80´% der Patienten in den USA haben zu Beginn ein sich
langsam ausbreitendes Erythema migrans an der Stelle des Zeckenbisses, dabei
treten dann meist auch grippeartige Symptome, ein allgemeines Krankheitsgefühl
und Müdigkeit auf. Die regionalen Lymphknoten sind in der Regel geschwollen.
Erythema
migrans ist damit das häufigste Symptom der Borreliose. Es entwickelt sich
typischerweise ein bis zwei Wochen ( Spielraum 3- 30 Tage) nach dem Zeckenbiss.
Es handelt sich um eine rasch an Größe zunehmende runde oder ovale, flache oder
leicht erhobene Hautrötung, die nach innen blasser wird- meist im
Maximaldurchmesser 5cm oder größer. Meist handelt es sich um einzelne
Hautläsionen, durch hämatogene Aussaat können aber auch mehrere am Körper
auftreten. Betroffen ist meist die Achselhöhle, die Kniekehle, der Rücken, Bauch
oder die Leiste. In Europa, verursacht das Erythema migrans oft keine Schmerzen,
in den USA tritt meist eine erhebliche entzündliche Reaktion und mehr
systemische Krankheitszeichen auf. Das Erythema migrans heilt innerhalb von 4
Wochen spontan ab. 60% der nicht behandelten Patienten mit einem Erythema
migrans bekommen Gelenkschwellungen und Gelenkentzündungen an einem oder
mehreren Gelenken.
Nur etwa jeder 10. Patient mit einem unbehandelten Erythema migrans
entwickelt eine Neuroborrreliose- am häufigsten eine Fazialisparese. In 5% der
Patienten mit einem unbehandelten Erythema migrans entwickelt sich eine
Herzbeteiligung. Viele Menschen mit einer Neuroborreliose haben vor allem
nachts, brennenden, stechenden oder ziehenden Schmerzen, häufig begleitet von
Missempfindungen, wobei die Schmerzen sich attacken- oder wellenförmig steigern
starke, nächtlich betont Schmerzen die im Intervall fast verschwinden mit
anschließender Lähmung im Zeitfenster von 48 Stunden sollen häufig sein. Bei
Kindern sind Fazialisparesen häufig. Andere Syndrome wie eine zunehmende
Gangstörung, emotionale Labilität, Müdigkeit, Konzentrations- und
Merkfähigkeitsstörungen treten weitaus seltener auf. Eine serologische Testung
ist bei typischem Erythema migrans entbehrlich (N Engl J Med 2006;354:2794-801,
bei atypischen Fällen sollte der Bluttest nach Besserung der Symptome wiederholt
werden, da der erste Test trotz Erkrankung negativ sein kann. Bei Patienten mit
typischen Symptomen einer Neuro- Borreliose besteht zum Zeitpunkt der ersten
klinischen Untersuchung ein kleines, aber reales Risiko falsch negativer
serologischer Befunde. Bei negativem serologischen Ergebnis mit einem Stamm
sollte bei solchen Patienten der Test mit anderen Stämmen von Bb wiederholt
werden. Kaiser R, J Med Microbiol 2000 Oct;49(10):911-5 Bei Verdacht auf eine
Beteiligung des ZNS ist in der Regel eine Lumbalpunktion indiziert. Dabei wird
der intrathekale Antikörper-Index (speziellen Liquor-Serum-Quotienten, der auf
eine Antikörperproduktion des ZNS hinweist) bestimmt. Blutuntersuchungen auf
Borrelien-Antikörper sind bei der Neuroborreliose in der Regel nicht
ausreichend. Wenn eine Lumbalpunktion gemacht wird, werden um andere
Erkrankungen (MS, Enzephalitis, Infekt mit anderen Erregern die häufiger das ZNS
befallen) auch die oligoklonalen IgG-Banden sowie andere neurotrope Erreger
bestimmt. Grundsätzlich wird die Diagnose einer Neuroborreliose sowohl anhand
laborchemischer Untersuchungen als auch anhand der klinischen Symptomatik
gestellt. Das ist deshalb wichtig, da Antikörper in Liquor und Serum in der
Frühphase der Erkrankung noch nicht, nach Infektion aber über Jahre hinweg
nachweisbar sein können. Oft bleibt unklar, was die Serologie tatsächlich
bedeutet, wann und wie behandelt wird ist noch kontrovers.
Ob vorhandene Symptome im Einzelfall auf die Borrelien zurückgehen ist oft
schwer zu entscheiden. Ein bis elf Jahre nach der Diagnose einer Lyme
-Erkrankung berichteten in einer Studie mit 678 Patienten zwar viele Patienten
der Kohorte über eine Zunahme der Symptome u/o eine Verstärkung der
Schwierigkeiten bei typischen täglichen Aktivitäten, doch entsprach die
Häufigkeit dieser Berichte weitgehend der bei den altersentsprechenden
Kontrollprobanden ohne Lyme-Krankheit. Seltzer EG, Gerber MA, Cartter ML,JAMA
2000 Feb 2;283(5):609-16 Die Ergebnisse des ELISA - Tests müssen immer durch
einen Westernblot - Test bestätigt werden. Der Antikörper- Index für Bb im
Liquor sagt mehr aus als die einfachen spezifischen Antikörpertiter. Die PCR ist
noch immer ein Instrument für den Bereich der Forschung und darf nicht ohne
Berücksichtigung des klinischen Hintergrundes angewendet werden. Alle
serologischen Tests ebenso wie die PCR bleiben auch nach erfolgreicher
Behandlung noch lange positiv, auch nach Jahren sollen bei erfolgreicher
Behandlung nicht nur IgG sondern auch IgM Antikörper nachweisbar sein. Zu
häufige Diagnose und Behandlung lassen sich durch strikte Befolgung von
Richtlinien minimal halten. Prasad A, Sankar D Postgrad Med J 1999
Nov;75(889):650-6 Fast alle von einer Borreliose betroffenen Menschen können mit
einer 2-3 wöchigen antibiotischen Behandlung ( Doxycyclin oder Amoxicillin)
geheilt werden, bei Patienten mit einer Arthritis sind möglicherweise 4 Wochen
Behandlung notwendig. Doxycyclin, Amoxicillin, und Cefuroximaxetil gelten als
ähnlich wirksam in der Primärbehandlung des Erythema migrans, Ceftriaxon ist bei
massivem Spirochätenbefall etwas effektiver, aber auch wesentlich teurer und mit
mehr Nebenwirkungen behaftet. Makrolide wie Erythromycin, Azithromycin, oder
Roxithromycin gelten als weniger wirksam als die Standardtherapie, Cephalexin
und andere Cephalosporine der ersten Generation gelten als unwirksam. (N Engl J
Med 2006;354:2794-801). Nur ein sehr kleiner Teil der Behandelten entwickelt
weiter anhaltende Symptome wie Müdigkeit, Gelenkschmerzen und andere Schmerzen,
Konzentrations- und Schlafstörungen, und manchmal auch einschießende und
brennende Schmerzen. 5 -15% der Patienten geben solche subjektiven Symptome an,
10% sogar noch 5 Jahren später. Es handelt sich um Symptome, die allerdings in
der Allgemeinbevölkerung ähnlich häufig sind. Aussagekräftige Studien die
beweisen, dass Menschen nach Borrelieninfektion diese Symptome häufiger haben
als eine Vergleichsgruppe fehlen bisher. Antibiotika in der Langzeitanwendung
sind gegen diese Beschwerden nicht wirksam. Die Benennung dieser chronischen
Beschwerden als chronische Borreliose ist irreführend, da suggeriert wird, dass
dem eine chronische Infektion zugrunde liegt, was nicht der Fall ist. Es handelt
sich um postinfektiöse Beschwerden. Vorbeugend ist in Europa bisher nur der
Schutz vor dem Zeckenbiss durch entsprechende Kleidung möglich, sofortigen
Entfernung der Zecke mindert das Infektionsrisiko erheblich, nach spätestens 72
Stunden hat eine infizierte Zecke den Betroffenen den Erreger übertragen.
| |
Häufigste
klinische Symptome der europäischen und asiatischen Formen ( B. afzelii
oder B.garinii) |
|
Haut |
Erythema migrans langsam
ausbreitend (Tage oder Wochen), wenig intensive Entzündungszeichen,
lange Dauer, im Vergleich zur Amerikanischen Form seltenere hämatogene
Dissemination, aber mögliche regionale oder ansteckende Ausbreitung auf
andere Körperregionen. Chronisch:
Acrodermatitis chronica atrophicans in Europa häufiger, hauptsächlich
durch B. afzelii. in den USA selten |
|
Nervensystem
|
Schlimme radikuläre
Schmerzen, Radikuloneuropathie, lymphozytäre Meningitis bzw.
Liquorpleozytose; seltener Kopfweh, Nackensteifigkeit, Hirnnervenlähmung
(z.B ein oder beidseitige Fazialisparesen), besonders bei B. garinii.
Auch cerebelläre Ataxien , Myelitis, Neuritis des N. optikus,
Hirndruckerhöhung mit Zeichen des Pseudotumor cerebri sind beschrieben.
B garinii kann eine chronische Enzephalomyelitis mit spastischer
Paraparese, Hirnnervenausfällen auslösen, auch akut beginnende
Polyneuropathien, die die proximalen wie distalen Nerven gleichermaßen
betreffen sind beschrieben. Nur 5 -10 % der unbehandelten Infekte mit
B. burgdorferi gehen in eine chronische Neuroborreliose über, dies oft
erst nach sehr langer Zeit, ähnlich wie bei der Syphilis. Hier kommen
auch leichte schwer fassbare kognitive Störungen vor. |
|
Nervensystem chronisch |
Leichte sensorische
Polyneuropathie an den Gebieten die von der Acrodermatitis betroffen
sind, Schwere Encephalomyelitis (intrathekale Produktion von Antikörpern
gefordert für die Diagnose), Kopfschmerzen, bei Kindern
Gewichtsabnahme, Spastik, kognitive Auffälligkeiten, und deutliche
intrathekale Antikörperproduktion besonders durch B. garinii, selten
diffuse chorea - artige Dyskinesien
Piccolo I, Thiella G, Ital J Neurol Sci 1998 Aug;19(4):235-9
Chronisches Müdigkeitssyndrom,
Treib J, Grauer MT, Haass A, Langenbach J, Holzer G, Woessner R
Eur Neurol 2000;43(2):107-9,
Neuronitis vestibularis.
Ishizaki
H, Pyykko I, Nozue M
Acta Otolaryngol Suppl 1993;503:67-9,
sensorineuraler Hörsturz. Sabini
P, Sclafani AP Otolaryngol
Head Neck Surg 2000 Apr;122(4):469-76 und
Peltomaa M, Pyykko I, Sappala I, Viitanen
L, Viljanen M Eur Arch Otorhinolaryngol 2000; 257(6):317-22 |
|
Auge |
Die Lyme-
Borreliose kann zu einer Reihe verschiedener Manifestationen am Auge
führen, die sich hauptsächlich im späten Stadium
der Erkrankung entwickeln. Photophobie und schwere, periodisch
auftretende Augenschmerzen sind charakteristische Symptome der
Lyme-Borreliose. Bei der Differentialdiagnose der retinalen Vaskulitis,
sollte die Lyme-Borreliose vor allem in endemischen Gebieten in Betracht
gezogen werden. Mikkila HO,
Seppala IJ, Viljanen; Peltomaa MP, Karma Ophthalmology 2000
Mar;107(3):581-7 |
|
Herz |
Atrioventrikulärer Block,
blande Myokarditis, Chronisch:
dilatative Kardiomyopathie |
|
Gelenke |
häufige oligoartikuläre
Arthritis ( in den USA mehr als in Europa),
Chronisch: anhaltende Arthritis ist selten, wahrscheinlich
kein Autoimmungeschehen |
| |
häufig in Europa
asymptomatisch in einer schwedischen Untersuchung konnten 50% der
Patienten mit positiver Serologie keine Symptome erinnern, in den USA
weniger als 10% ohne Symptome |
|
Impfung |
bisher nur in
den USA möglich, vor den europäischen Formen der Erreger schützen die
bisherigen Impfstoffe nicht ausreichend. Schutz am besten durch dichte
Kleidung im Infektionsgebiet und Inspektion der Haut nach dem
Spaziergang in der Natur. |
|
Borreliose Behandlung |
Symptome, Indikation |
Antibiotika |
|
Zeckenbiss |
Beobachtung,
eventuell Serologie 6 bis 8 Wochen nach dem Biss |
|
Erythema Migrans |
Oral,
14-28 Tage |
Akute
Meningitis
oder Radikulopathie |
Parenteral, 14-28 Tage |
|
Isolierte und akute Hirnnervenlähmung |
Oral,
14-21 Tage |
| AV-
Block 1. oder 2. Grades |
Oral,
14-21 Tage |
| AV-
Block 3. Grades |
Parenteral, 14-21 Tage |
|
Spätes Stadium |
|
Gelenkentzündung |
Oral,
28-42 Tage |
|
Therapierefraktäre Gelenkentzündung |
Oral, 28 Tage,
or parenteral 14-28 Tage |
|
zentrale oder periphere neurologische Symptome |
Parenteral,
14-28 Tage |
| Post-
Borreliose Syndrome |
Symptomatische Therapie |
| Wormser
GP et al. Practice guidelines for the treatment of Lyme disease.
Infectious Diseases Society
of North America. Clin Infect Dis 31(Suppl 1):1, 2000 |
|
siehe auch
und |
Der Nutzen einer Behandlung einer chronischen Borreliose mit Antibiotika (nach
Antibiose der akuten Erkrankung) ist nicht sicher belegt. Eine 90 tägige
Behandlung zeigte in einer Studie keinen Effekt auf die Symptome, Muskel- und
Gelenkschmerzen oder diverse kognitive Störungen. Die Patienten erhielten
Ceftriaxone, 2 g täglich für 30 Tage iv und Doxycyclin, 200 mg täglich für
60Tage. Nachbeobachtung 180 Tage. Eine ältere Studie hatte allerdings bei
langfristiger Doxycyclinbehandlung einen Erfolg gesehen.
Donta ST. Gerade bei den chronischen Fällen bleibt die Frage ob es
tatsächlich eine Borreliose ist oft offen.
|
Antibiotika, Dosis bei Borreliose |
| Applikation |
Substanz |
Erwachsenendosis |
| Oral |
Doxycyclin
Amoxicillin
Cefuroxim |
100 mg 2x tägl
500 mg 3x tägl
500 mg 2x tägl |
| Parenteral |
Ceftriaxon
Cefotaxim
Penicillin G |
2 gm 1x tägl
2 gm 3x tägl
18-24 Millionen
U/Tag in 4 stündigen Intervallen |
| Wormser GP et al. Practice
guidelines for the treatment of Lyme disease. Infectious Diseases
Society of North America. Clin Infect Dis 31(Suppl 1):1, 2000 |
Die Diagnose “chronische Borreliose oder chronische Lymekrankheit"
wird meistens nur von bestimmten Ärzten verwendet, die entgegen der
überwiegenden Auffassung in der medizinischen Literatur und entgegen
Studienergebnissen davon ausgehen, dass dieser Zustand einer langdauernden
antibiotischen Behandlung bedarf und in vielen Fällen unheilbar ist. Gemeint
sind in der Regel Patienten, die nach einer Borreliose/oder auch ohne eine
solche durchgemacht zu haben, über anhaltende Schmerzen, neurokognitive
Symptome, Müdigkeit oder alle diese Symptome klagen. (N Engl J Med
2007;357:1422-30). Obwohl in der Regel von einer chronische Infektion mit B.
burgdorferi ausgegangen wird, soll bei manchen Diagnostikern der objektive
Nachweis einer solchen Infektion nicht erforderlich sein um die Diagnose zu
stellen. Oft werden spezielle Labortests in speziellen darauf spezialisierten
Labors verwendet, deren diagnostische Kriterien als nicht evidence-based
gelten. Neben der von den meisten Experten als unnötig erachteten oft
jahrelangen Behandlung mit Antibiotika erfolgt oft auch eine Behandlung mit
anderen "alternativen" Methoden bis hin zur Infektion der Betroffenen mit dem
Malariaerreger. Die jahrelangen Behandlungen mit Antibiotika widersprechen allem
was man aus der Behandlung von anderen chronischen Infekten wie Neurosyphilis
oder TBC kennt.
| Kategorie 1 |
Kategorie 2 |
Kategorie 3 |
Kategorie 4 |
| Symptome unbekannter Ursache, ohne
Hinweis auf eine Infektion mit Borrelia burgdorferi |
Eine gut definierte Erkrankung ohne
Zusammenhang zu einer Infektion mit Borrelia burgdorferi |
Symptome unbekannter Ursache, mit
Antikörper gegen Borrelia burgdorferi aber ohne eine Vorgeschichte oder
klinische Zeichen die für eine Borrelien- Infektion sprechen würden.
|
Post–Borreliose- Syndrom |
| Gefahr unzureichender Diagnostik und des
Übersehens einer anderen Krankheit oder einer psychischen Störung. Nicht
spezifische Symptom wie Müdigkeit, Nachtschweiß, Halsweh, geschwollene
Drüsen, steifer Nacken, Gelenkschmerzen, Muselschmerzen, Herzklopfen,
Bauchweh, Schwindel, Durchfall, Schlafstörungen,
Konzentrationsstörungen, Rückenschmerzen, Reizbarkeit und Depressionen,
Kopfschmerzen, wie sie bei vielen Menschen vorkommen und entweder
harmlos sind oder auf eine andere Krankheit hinweisen werden
fehlinterpretiert. |
Gefahr, dass die tatsächlich vorhandene
Krankheit oder psychische Störung nicht behandelt wird und
chronifiziert. Oft handelt es sich um Erkrankungen, die die Patienten
selbst für sich schlecht akzeptieren können, wie eine Multiple Sklerose,
eine Somatisierungsstörung, |
Gefahr unzureichender Diagnostik und des
Übersehens einer anderen Krankheit oder einer psychischen Störung. Den
Patienten sollte bei einer probatorischen 3-4 wöchentlichen
Antibiotischen Behandlung gesagt werden, dass die Diagnose unsicher ist
und die Behandlung wahrscheinlich die Symptome nicht bessert.
|
Es ist bisher nicht bekannt ob die
unspezifischen Symptome wie Müdigkeit, Nachtschweiß, Halsweh,
geschwollene Drüsen, steifer Nacken, Gelenkschmerzen, Muselschmerzen,
Herzklopfen, Bauchweh, Schwindel, Durchfall, Schlafstörungen,
Konzentrationsstörungen, Rückenschmerzen, Reizbarkeit und Depressionen,
Kopfschmerzen, bei Menschen nach einer Borreliose häufiger vorkommen
als in der Allgemeinbevölkerung. Keine der diesbezüglichen Studien hat
eine Kontrollgruppe eingeschlossen, bzw wurden bei älteren Studien die
zu fordernden diagnostischen Standards nicht eingehalten. .
|
| Gefahr gravierender
Nebenwirkungen durch die Dauerantibiotikabehandlung, Heranzüchtung
resistenter Keime, sekundäre Pilzinfektionen, ...... Ständiges
Krankheitsgefühl durch die Behandlung, sekundäre Ängste und psychische
Störungen. |
| Modifiziert nach: Henry M.
Feder, et al., Review article, Current Concepts, A Critical Appraisal
of “Chronic Lyme Disease” october 4, 2007 N Engl J Med
2007;357:1422-30.
Extract |
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PDF |
Die letzte Studie zur Langzeit- Antibiotika-
Behandlung ??
Im Oktober 2007 publiziert die Zeitschrift
Neurology eine randomisierte kontrollierte Doppelblindstudie zur Behandlung von
Patienten mit einer "chronischen Neuroborreliose" mit leichten bis mäßigen
kognitiven Störungen, deutlicher Fatigue, Schmerzen und deutlicher körperlicher
Behinderung. Die Studie wurde von bekannten Befürwortern der Langzeitbehandlung
durchgeführt. Obwohl die Studie vom NIH finanziert wurde und öffentlich nach
Patienten gesucht wurde, gelang es den Studienärzten nach 4 Jahren und
Screening von 3368 potentiellen Patienten nur 37 Patienten in die Studie
aufzunehmen, - 8 weniger als geplant. Die meisten Patienten weigerten sich, weil
die Borreliose doch nicht bestätigt werden konnte oder die Patienten schon
schlechte Erfahrungen mit der Langzeitbehandlung gemacht hatten. Dies obwohl in
Bevölkerungsstudien bis zu einem Drittel solche Symptome angeben und 2% davon
angeben schwer kognitiv beeinträchtigt zu sein. Nachdem in den ganzen USA nach
Teilnehmern gesucht worden war, erstaunt somit bereits die geringe Ausbeute. Die
Patienten wurden doppelblind in eine Gruppe die 10 Wochen i.v. Ceftriaxon oder
eine Plazebogruppe unterteilt. Mehr als ein Viertel der antibiotisch behandelten
Patienten hatte Nebenwirkungen, die zum Abbruch der Studie zwangen. Nach 12 und
24 Wochen zusammengenommen waren die Veränderungen in den neuropsychologischen
Tests zwischen mit Ceftriaxon und Plazebo-behandelten Patienten nicht
statistisch signifikant unterschiedlich, beide besserten sich leicht. Nur nach
12 Wochen gaben die einzelnen Patienten mit besonders schweren subjektiven
Beschwerden, die mit Ceftriaxon behandelt wurden, eine etwas größere Besserung
an, die allerdings statistisch nicht signifikant war und nach 24 Wochen nicht
mehr nachweisbar war. Die Autoren machten dann nach Schilderung des Editor der
Zeitschrift soviele post hoc Analysen, bis ein kleiner nicht signifikanter
Effekt für eine kleine Subgruppe nachweisbar war. Der Editor der Zeitschrift
John J. Halperin kommentiert die Studie am Ende mit "Wie die anderen 3, zeigt
diese Studie eindeutig die Abwesenheit von jeglicher anhaltender Wirkung (der
Langzeit- Antibiotika- Behandlung) auf die geistige Leistungsfähigkeit. Unter
Berücksichtigung der Tatsache, dass erhebliche Risiken einer Langzeit-
Antibiotika- Behandlung bestehen, ist es Zeit mit anderen Behandlungsmethoden nach einer
wirksamen Hilfe für Patienten, mit subjektiven anhaltenden kognitiven Symptomen
nach einer Behandlung einer Borreliose, zu suchen. - Eindeutig, genug ist genug.
"
|
Syndrome und
Behandlungsoptionen bei Borreliose nach der Leitlinie der American
Academy of Neurology 2007 |
|
Syndrom |
Behandlungsoption |
| Meningitis |
Parenteral (Infusion), besonders bei
schwerer Meningitis, Doxycyclin oral |
| Jedes neurologische Syndrom mit
Liquorpleozytose |
Parenteral (Infusion), besonders bei
schweren Symptomen, Doxycyclin oral |
| Peripherer Nerv, (Radikulopathie,
Mononeuritis multiplex, Hirnnervenläsion, mit normalem Liquor) |
Doxycyclin oral |
| Enzephalomyelitis |
Parenteral (Infusion) |
| Enzephalopathie |
Parenteral (Infusion) |
| Lyme- Syndrom nach antibiotischer
Behandlung |
Keine Antibiotika indiziert, nur
symptomatische Behandlung |
| Nach europäischer Datenlage
sind in Europa bei Neuroborreliose orales Doxycyclin und parenterales
Ceftriaxon gleich wirksam bei der Borrelienmeningitis. Konsens ist, dass
bei fehlender Beteiligung des ZNS in den meisten Fällen eine orale
Behandlung der Neuroborreliose ausreichend ist. Orales Amoxicillin oder
Cefuroxim- Axetil sind eventuell wirksam bei Menschen, die Doxycyclin
nicht vertragen, aber nicht ausreichend untersucht. Nach: Practice
Parameter: Treatment of nervous system Lyme disease (an evidence-based
review) Report of the Quality Standards Subcommittee of the American
Academy of Neurology, NEUROLOGY 2007;69:91–102 |
|
Vorsicht bei der Diagnose der chronischen
Neuroborreliose oder des Post-Lyme Syndroms, was häufig
übersehen wird :
-nach einer Untersuchung von 76 Patienten
mit diesen Diagnosen durch M. Djukic et al. (DGN 2008 Hamburg V49)
hatten über die Hälfte der Patienten eine andere gesicherte Krankheit.
Nur bei 11% der Patienten wurde die Diagnose eines Post-Lyme Syndroms
bestätigt. |
|
Häufig genannte
Symptome |
Woran man zum
Beispiel denken sollte |
| Müdigkeit bzw. Fatigue, Leistungsminderung |
Sind auch typische Symptome von Infekten (auch HIV;
Tuberkulose, Syphilis, Hepatitis...) und
Depressionen, Angst-, und
Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes m. Schilddrüsenunterfunktion, kommt
aber auch bei Tumoren,
Multipler Sklerose usw. vor |
| Verwirrtheit und Verlust des Kurzzeitgedächtnisses,
Vergesslichkeit, Sprachstörungen, Konzentrationsstörungen |
Werden häufig angegeben, wenn sie selbst berichtet werden,
sind sie im Gegensatz zur Fremdanamnese eher ein Hinweis auf
Angst- oder
Depressionen
als auf tatsächliche Verwirrtheit oder tatsächliche gravierendere
Gedächtnisstörungen. Wirkliche Verwirrtheitszustände und Gedächtnisstörungen lassen
sich aber, wenn sie vorhanden sind objektivieren. Dies sollte im Zweifel
auch getan werden. Dann muss daraus eine umfassende neurologische
Abklärung folgen. Man denke an eine
Demenz,
Schlaganfall,
MS ... |
| Reizbarkeit und Depression, Weinkrämpfe |
Sind auch typische Symptome von Infekten und
Depressionen, Angst-, und
Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes m. Schilddrüsenunterfunktion usw. |
| Kopfdruck, Kopfschmerzen, |
Sollten an
Spannungskopfschmerzen denken lassen, sind auch typische Symptome von
Infekten und Depressionen,
Angsterkrankungen, diese Symptome gehören
jedenfalls neurologisch abgeklärt. |
| Gefühlsstörungen |
Sind mit neurologischer Untersuchung und Messung der
Nervenleitgeschwindigkeiten und den klinischen Befund objektivierbar
(z.B.: bei Polyneuropathie) wenn sie organisch
bedingt sind, dann Abklärungsbedürftig hinsichtlich der Grunderkrankung,
wenn kein Befund zu erheben ist und diese Beschwerden intervallartig für
kurze Zeiträume auftreten, muss an eine
Hyperventilation
(bei Aufregung oder Angst) oder auch an
andere körperliche Krankheiten bis hin zur
MS gedacht werden. |
| Übelkeit, Stuhlunregelmäßigkeiten |
sind ein häufiges Angstsymptom, funktionelle
Magendarmbeschwerden die häufigsten
somatoformen Syndrome. Andere Erkrankungen bis zum Hirntumor müssen
ausgeschlossen werden. |
| Tachykardie |
ist ein häufiges
Angstsymptom,
aber auch an Schilddrüsenüberfunktion, Herzerkrankungen usw. muss gedacht
werden. |
| Schwindel, |
ist ein häufiges Angstsymptom (ca. 50% der
Schwindelsymptome hängen mit
Angst
zusammen) |
| grippeähnliche Symptome, |
sind unspezifisch können aber auf eine Vielzahl von
Erkrankungen hinweisen. Sie sollten näher objektiviert werden und dann
abgeklärt werden. |
| verschiedene Hauteffloreszenzen |
Alleine Allergien betreffen 40% der
Bevölkerung, auch andere Hautauschläge sind häufig. |
| Arthralgien, Myalgien, Muskelschwäche |
Kommen neben den rheumatischen Erkrankungen bei
Angstkrankheiten,
andere Infekten vor. Auch sehr ernsthafte neurologische Krankheiten wie
eine ALS können sich dahinter verbergen. |
|
Auch Kombination der Symptome
bleibt unspezifisch und trifft für viele Erkrankungen zu. |
|
-
Nationales Referenzzentrum für Borrelien
Lyme
Borreliose:
1.
Erreger
2.
Epidemiologie
3.
Impfung
4. Diagnostik
5.
Klinik
6.
Therapie
7.
Zecke
8. Zeckenstich
9.
Post-Lyme Syndrom
- Notice to Readers: Caution Regarding Testing for Lyme Disease.
JAMA 293: 1853-1853
- Feder HM, Johnson BJ, O’Connell S, Ad Hoc International Lyme Disease Group: a
critical appraisal of "chronic Lyme disease."
N Engl J Med 2007; 357:1422–1430
- Wilske B, Zöller L, Brade V, et al. MIQ 12 Lyme-Borreliose.
Qualitätsstandards in der mikrobiologisch-infektiologischen Diagnostik. Munich,
Germany: Urban & Fischer Verlag; 2000;1-59. Guidelines available in English at
http://nrz-borrelien.lmu.de/miq-lyme/index.html.
- Steere AC, Taylor E, McHugh GL, Logigian EL. The overdiagnosis of Lyme
disease.
JAMA 1993;269:1812-1826
- Ramsey et al. Appropriateness of Lyme Disease Serologic Testing
Ann
Fam Med 2004;2:341-344.
- Steere AC. Lyme disease.
N Engl J Med 2001;345:115-124
- R. A. Hurley and K. H. Taber
Acute and Chronic Lyme Disease: Controversies for Neuropsychiatry
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[PDF]
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