Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 


Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Cranio-Sacral-Therapie

Diese "alternative und abgesehen von kurzfristiger Entspannung während der Behandlung weitgehend wirkungslose Verfahren" breitet sich zur Zeit epidemisch unter von der Gesundheitsreform leidenden Krankengymnasten, Ergotherapeuten und leider auch manchen Ärzten aus. Ich habe die Meinung der Stiftung Warentest (Aus Handbuch andere Medizin 1996) zu dieser Therapieform kopiert. Diese teile ich weitgehend. Ich bezweifle ob ihre Anwender wissen was ein Osteopath ist und wie wenig generell Verfahren aus dieser Ecke wissenschaftlich abgesichert sind. Wenn man die theroretischen Konstrukte dieser "Therapie" bei ihren Befürwortern z.B.: in Kraniosakrale Therapie von Allen übersetzt von K. Weber auch Herausgeber des Buches (einem Arzt und immerhin Lehrbeauftragter für Naturheilverfahren) in" weiche Techniken der manuellen Medizin" Hippokratesverlag, als ausgeblideter Mediziner liest, staunt man nicht schlecht wie hier die Anatomie und Physiologie entweder ignoriert oder "neu erfunden wird". Falls Sie weitere kritische und wissenschaftliche Information zum Thema wünschen, hier ein kleiner Tipp: Soweit mir bekannt der beste und umfangreichste Führer durch Scharlatanerie und Quacksalberei und zur aufgeklärten Entscheidung bezüglich therapeutischer Verfahren ist Quackwatch. Auf Deutsch (Übersetzung aus dem amerikanischen durch saarländische Nervenärzte) unter http://neuropsychiater.org/quackw.htm im Internet zugänglich. Jetzt zur Darstellung der Stiftung Warentest.  -Geschichte der Cranio-Sacral-Therapie Von der Aura des Geheimnisvollen umgeben ist diese manuelle Behandlungsmethode nicht nur wegen ihres vermeintlich heiligen Namens. Er leitet sich von den Worten Cranio (Schädel) und Sacrum (Kreuzbein) ab. Die CS-Technik ist eine Spielart der Osteopathie (siehe Manuelle Medizin, Seite 83). Sie behandelt das Körperskelett vom Scheitel bis zum Rückenende mit feinen, kaum wahrnehmbaren Manipulationen. Der amerikanische Osteopath William Garner Sutherland (1873-1954) hat die CS-Technik entwickelt, nachdem er entdeckt zu haben glaubte, dass die Knochen des Schädels und des Beckens in einer rhythmischen Bewegung miteinander verbunden sind. Die Methode wurde vom Chirurgen John E. Upledger In den 70er Jahren weiterentwickelt.  Die Situation heute: Die Cranio-Sacral-Technik wird von einigen Ärzten, Orthopäden, Zahnärzten, Physiotherapeuten und Bewegungspädagogen durchgeführt. In den 80er Jahren erlebte sie einen Boom unter Masseuren und Heilpraktikern, hat aber inzwischen wieder an allgemeinem Interesse verloren (was leider nicht stimmt). -Idee und Erklärung der Wirkung Sieben das Gehirn umschließende Knochen bilden den Schädel. Cranio-Sacral-Therapeuten behaupten, dass man sie einen Zehntel Millimeter bis einen Millimeter gegeneinander bewegen könne. Hirn und Rückenmark werden vom Hirnwasser umhüllt. Diese Flüssigkeit schützt sie, versorgt sie mit Nährstoffen und entschlackt sie. In regelmäßigem Rhythmus von sechs- bis zwölfmal pro Minute nimmt - so behaupten die Anwender - die Hirnflüssigkelt ab und zu. Trainierte Hände könnten diesen Rhythmus am Schädel spüren. An der Wirbelsäule und am Kreuzbein soll er winzige Drehbewegungen erzeugen. Bei akuten Krankheiten beschleunigt sich dieser Rhythmus angeblich, bei chronischen verlangsamt er sich. Sind die Schädelknochen durch Verhärtungen des Bindegewebes zueinander nicht mehr elastisch, entsteht Überdruck, der an die Nerven weitergegeben wird. In der Folge solcher ,,Blockierungen” oder durch Unfälle, Stürze, Schläge oder Muskelverspannungen sollen sich angeblich Krampfleiden, Migräne, Skoliose, Allergien, Ohrenrauschen, Depressionen und Schmerzleiden, bei Kindern Lernprobleme und Hyperaktivität entwickeln. Auch die Deformierung des kindlichen Schädels bei der Geburt soll den natürlichen Rhythmus stören. Die Behandlung will die blockierte Pendelbewegung lösen, die Durchblutung bessern, die Körpergewebe entspannen, Beschwerden beheben und Selbstheilungsprozesse anstoßen. Untersuchung und Behandlung Der Behandler legt die Hände um den Kopf des liegenden Patienten, erspürt den individuellen Rhythmus und stimmt sich ,,meditativ” darauf ein. Dann legt er seine Hände dorthin, wo er eine Blockierung des Rhythmus beziehungsweise der Pendelbewegung festgestellt hat. Das kann an einer Knochenverbindung am Schädel, an der Wirbelsäule oder am Kreuzbein sein. Mit dem geringen Druck von nicht mehr als fünf Gramm hält der Behandler die Körperstelle in der Extremstellung des ,,Pendelausschlags” während einiger aufeinander folgender Zyklen fest. Dies wird an verschiedenen Stellen des Systems so lange wiederholt, bis die Bewegungen in Symmetrie verlaufen. Die Berührung ist ganz zart, dauert lange an und versetzt Behandler und Patient in tiefe Konzentration. Die Behandlung dauert etwa eine halbe Stunde. Sie wird meist im Abstand von zwei bis drei Wochen einige Male wiederholt. Ausbildung der Behandler Lehrer des Sutherland-Instituts in Florida bereisen verschiedene Institute in Deutschland, um Interessenten auszubilden, die ihrerseits das Wissen weitergeben. Medizinische Vorbildung und Qualität der Ausbildung werden nicht geprüft. Es heißt, dass man diese Technik jahrelang und täglich ausüben muss, um sie wirklich zu beherrschen. -Anwendungsbereiche Bei Kleinkindern wird CS-Therapie angewendet, wenn Schwangerschaft oder Geburt schwierig waren. Kinder mit Schlafstörungen, Neigung zu Infekten der Atemwege, spastischer Bronchitis und Hyperaktivität, mit Haltungsschaden und Lernproblemen zählen zur Klientel der CS-Therapeuten. CS-Therapie verspricht Erwachsenen Besserung, die nach einem Unfall, bei dem der Kopf, die Wirbelsäule oder das Steißbein betroffen waren, an Funktionsstörungen leiden. Sie soll auch bei Krampfleiden, Migräne, Skoliose, Allergien, Ohrenrauschen, Schwindel und Depressionen helfen. In den USA wird diese Therapie üblicherweise als ,,Fernkorrektur” nach orthopädischen Behandlungen eingesetzt. Die meisten Anwender in Deutschland führen sie als alleinige Therapie durch Grenzen der Anwendung Bei Schädelfrakturen und Gehirnblutungen darf nicht behandelt werden.- Risiken Die CS-Methode selbst ist wahrscheinlich risikoarm. Die Gefahr liegt darin, dass der Anwender keine ausreichende anatomische und orthopädische Ausbildung hat und notwendige Behandlungen ernsthafter Erkrankungen unterbleiben. Kritik:  Die Wirksamkeit dieser Methode ist nicht belegt, das Verfahren umstritten. Mögliche Erfolge beruhen wahrscheinlich auf der tiefen Entspannung, die die Behandlungssituation mit sich bringt. Die Ausbildung wird zum Teil in ,,Schnellkursen” vorgenommen.+ Fanatische Anhänger wollen mit CS alles behandeln. Einige Praktiker glauben, sie leiteten eine göttliche Kraft durch ihre Hände. + Die Medizin lehnt die Theorie von der losen Verbindung der Hirnknochen und der Pulsation der Gehirnflüssigkeit ab. -Empfehlung Die Cranio-Sacral-Therapie kann daher nicht empfohlen werden. -Kosten Die Kassen erstatten die Kosten nicht. Bei Ärzten beziehungsweise Physiotherapeuten kostet die Behandlung zwischen 50 und 100 Euro. Soweit zur Stiftung Warentest Für die selbe Indikation (Entspannung) ist die Progressive Muskelentspannung auch Progressive Muskelrelaxation (siehe dort) wesentlich besser untersucht (und im Gegensatz zur Craniosakraltherapie als wirksam befunden) und auch dann später vom Patienten alleine anwendbar..
 

Quellen / Literatur:

Hartman SE, Norton JM. Interexaminer reliability and cranial osteopathy. Scientific Review of Alternative Medicine 6(1):23-34, 2002

Craniosacral Therapy Stephen Barrett, M.D.
 

 

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 

Wichtiger Hinweis: Sämtliche Äußerungen auf diesen Seiten erfolgen unter Ausschluss jeglicher Haftung für möglicherweise unzutreffende Angaben tatsächlicher oder rechtlicher Art. Ansprüche irgendwelcher Art können aus eventuell unzutreffenden Angaben nicht hergeleitet werden. Selbstverständlich erheben die Aussagen keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit, es wird daneben eine Vielzahl vollkommen anderer Erfahrungen und Auffassungen geben. Ich distanziere mich ausdrücklich von den Inhalten der Webseiten und Internetressourcen, auf die ich mit meinen Links verweise. Die Haftung für Inhalte der verlinkten Seiten wird ausdrücklich ausgeschlossen. Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage, dieser beinhaltet das Impressum, weiteres auch im Vorwort. Das Glossar wurde unter Verwendung von Fachliteratur erstellt. Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10 Jahre.Möglicherweise sind nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate kenntlich gemacht. Durch Verwendung verschiedener Quellen konnte eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitate nicht immer vermieden werden. Soweit möglich wird dies angezeigt. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. Bitte beachten Sie: Diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. Es ist auch nicht möglich, dass ein Arzt immer auf dem aktuellsten Stand der medizinischen Forschung in allen Bereichen seines Faches ist.  Es ist immer möglich, dass die medizinische Forschung hier noch als wirksam und ungefährlich dargestellte Behandlungsmaßnahmen inzwischen als gefährlich oder unwirksam erwiesen hat. Lesen Sie bei Medikamenten immer den Beipackzettel und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren behandelnden Arzt. Medikamentöse Behandlungen auch mit freiverkäuflichen Medikamenten bedürfen ärztlicher Aufsicht und Anleitung. Dies gilt auch für alle anderen Behandlungsverfahren. Die hier angebotenen Informationen können nicht immer für jeden verständlich sein. Um Mitteilung, wo dies nicht der Fall ist, bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt, woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten). Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. Jeder Nutzer ist für die Verwendung der hier gewonnenen Informationen selbst verantwortlich, es handelt sich definitiv um keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Es wird keinerlei Haftung weder für die hier angebotenen Informationen noch für die in den Links angebotenen Informationen übernommen. Sollten Sie Links finden, die nicht (oder nicht mehr) seriös sind, teilen Sie mir dies bitte mit, damit ich diese löschen kann. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens des Autors kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt. Alle Angebote sind freibleibend und unverbindlich. Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten oder das gesamte Angebot ohne gesonderte Ankündigung zu verändern, zu ergänzen, zu löschen oder die Veröffentlichung zeitweise oder endgültig einzustellen. Veränderungen erfolgen dabei ständig in Anpassung an neue Literatur oder weil sich meine Auffassung zu einem Thema aus anderen Gründen geändert hat.  Dieser Haftungsausschluss ist als Teil des Internetangebotes zu betrachten, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt.  Sollte sich jemand durch die Homepage in irgendeiner Form beleidigt, benachteiligt oder in sonst einer Form geschädigt fühlen, bitte ich um eine persönliche Kontaktaufnahme per E-Mail  oder telefonisch bzw. per Post. Bitte nennen Sie bei Mitteilungen Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse. Bei Mitteilungen von Kollegen bitte auch Tatsache, dass sie Kollege sind, sowie die Fachbezeichnung. Anonyme Mitteilungen sind in der Regel nicht willkommen. Karl C. Mayer