Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Eisenmangelanämie

Es handelt sich hier um ein hämatologisches Krankheitsbild. Zur Definition: Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Anämieform und das häufigstes Mangelsyndrom überhaupt. Sie entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Eisenzufuhr und -bedarf. Häufigste Ursachen sind erhöhter Bedarf z.B. bei Schwangerschaft und chron. Blutverlust. Andere Ursachen: Menstruation, gastrointestinale Blutungen, erhöhter Eisenbedarf (Wachstum, Schwangerschaft, Laktation), Diäten und vegetarische Kost strenge Vegetarier können Eisenmangelanämien entwickeln, verminderte Eisenresorption ( z.B. bei Anazidität, Gastrektomie, Sprue, Lamblienbefall) aber auch schwerwiegende Erkrankungen wie Tumore. Bei 50 % aller menstruierenden Frauen besteht ein prälatenter oder latenter Eisenmangel. Bei Schwangeren im letzten Trimenon ohne Eisenprophylaxe ca. 90 % Eisenmangel; davon zeigen 30 % eine Eisenmangelanämie!

Normwerte

Erythro

zyten

Normwert: Frauen 3,5-5, Männer 4,3-5,9

Hämatokrit

Normwert: Frauen 33-43 %,  Männer 39-49 %

Hb

Normwert:  Frauen 12,0-15,0 g/dl; Männer  13,6-17,2 g/dl

Anämiesymptome können sein: Schwäche, Müdigkeit, Leistungsknick, Kopfschmerzen, Schwindel, Belastungsdyspnoe, Tachykardie, Herzklopfen. Die Behandlung besteht meist in einer oralen Substitution mit zweiwertigen Eisen-Sulfatverbindungen Bei Ther.-Erfolg zunächst Retikulozytenanstieg (nach 1–2 Wochen), erst später Hb-Anstieg um 0,1–0,2g/dl tägl. Zum Auffüllen der Eisenspeicher wird in der Regel noch mindestens 3 Mon. nach Normalisierung des Blutbildes weiterbehandelt und im Verlauf kontrolliert. Wie sich aus der Symptombeschreibung oben ergibt, kann eine Anämie (jeder Genese) durchaus Symptome machen, die einer depressiven Störung ähneln. Nicht immer gehen die sich langsam entwickelnden Eisenmangelanämien mit Symtomen einher. Der Körper gewöhnt sich auch bis zu einem gewissen Grad an den Mangel. Es handelt sich also oft auch um Zufallsbefunde- die im Zweifel aber der Abklärung und Behandlung bedürfen. Im Zweifelsfall ist hier nur eine Entscheidung bezüglich der Genese der Symptome nach Behandlung der Anämie möglich. Dies durch eine einfachste Behandlung mit einem 2 wertigen Eisenpräparat. Ein hoher Eisengehalt im Gehirn wurde bei einer Vielzahl neurologischer Systemerkrankungen nachgewiesen. Teilweise sind die Gene bekannt die dafür verantwortlich sind. Eisenstoffwechselstörungen spielen beim M Alzheimer, M. Parkinson, Chorea Huntington, und dem Hallervorden-Spatz Syndrom eine Rolle. Auch Restless legs Symptome können durch Eisenmangel begünstigt werden- und durch Behandlung des Eisenmangels manchmal behoben werden. Gestört sein kann dabei die Eisenaufnahme, die Freisetzung von Eisen, die Speicherung, der intrazelluläre Eisenstoffwechsel, und die allgemeine Regulation des Eisengehaltes.

 

Quellen / Literatur:

Ya Ke, Zhong Ming Qian, Iron misregulation in the brain: a primary cause of neurodegenerative disorders The Lancet Neurology 2.4, 1.April 2003 Summary Full Text PDF C. ALGARIN, P. PEIRANO, M. GARRIDO, F. PIZARRO, and B. LOZOFF Iron Deficiency Anemia in Infancy: Long-Lasting Effects on Auditory and Visual System Functioning, Pediatr. Res., February 1, 2003; 53(2): 217 - 223. [Abstract] [Full Text] [PDF] F. T Wieringa, M. A Dijkhuizen, C. E West, D. I Thurnham, Muhilal, and J. W. Van der Meer Redistribution of vitamin A after iron supplementation in Indonesian infants Am. J. Clinical Nutrition, March 1, 2003; 77(3): 651 - 657. [Abstract] [Full Text] [PDF] Grantham-McGregor S, Ani C. A review of studies on the effect of iron deficiency on cognitive development in children. [Review]. J Nutr 2001; 131: 649S–666S Theodore I. Lidsky and Jay S. Schneider Lead neurotoxicity in children: basic mechanisms and clinical correlates Brain 2003 126: 5-19. [Abstract] [Full Text]  

 

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