Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 


Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Enuresis

Enuresis = Einnässen oder nicht gewolltes Urinieren, nachts auch als Enuresis nocturna oder Bettnässen bezeichnet, tagsüber als Enuresis diurna.

Der Lernprozeß, durch den eine sichere Blasenkontrolle geübt wird, und der abgeschlossen ist, wenn keine unwillkürlichen Blasenentleerungen mehr stattfinden, kann sich über viele Jahre hinziehen. Noch im Alter von fünf Jahren sind zwischen 10 und 20% der Kinder nicht in der Lage, nächtliches Einnässen zu verhindern. Von ihnen lernen in der dann kommenden Zeit Jahr für Jahr 15%, die Entleerungsfunktion zu beherrschen. Weniger als 1% erwirbt die Kontrolle nie.  Zu 75% ist eine Veranlagung für die verspätete Blasenkontrolle verantwortlich, Jungs sind 5x häufiger betroffen.

Ohne die Mechanismen, die für das verspätete Trockenwerden verantwortlich sind, im einzelnen zu kennen, gilt als ein pauschales Erklärungsmodell die Schwäche des Wechselspiels zwischen dem Stimulus, der von der Blase ausgeht, und dem kontrollierenden Sensor, der im Zentralnervensystem lokalisiert ist. Der zerebralen Komponente wird in der Übersicht des Monats besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Das nächtliche Einnässen gewinnt Krankheitswert, wenn es für die Umgebung belastend und für das Kind selbst diskriminierend wird. Auch wenn keine körperlichen Gesundheitsschäden zu befürchten sind, ergibt sich aus psychologischen und sozialen Gründen eine Behandlungsbedürftigkeit. Je nach Gewichtung der Befunde, die Bedeutung für die Manifestation der Enuresis nocturna haben könnten, werden psychologische, psychiatrische, endokrinologische und auch nephrologische Methoden eingesetzt.

Wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Therapie ist die Bereitschaft des Kindes zur Mitarbeit. Die Bereitschaft gründet sich auf den unbedingten Wunsch und den Willen, das Symptom zu verlieren.

Nach den klinischen Kriterien der ICD-10 wird Enuresis F98.0 als ein unwillkürlicher Harnabgang ab einem chronologischen Alter von 5 Jahren und einem geistiges Intelligenzalter von 4 Jahre definiert. Organische Grunderkrankungen wie Epilepsie, neurologische Inkontinenz, strukturelle Veränderungen des Harntraktes, medizinische Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Die Mindestdauer der Symptomatik beträgt 3 Monate, die Häufigkeit 2x pro Monat unter einem Alter von 7 Jahren und 1x pro Monat bei älteren Kindern (ICD-10 Forschungskriterien). Nach ICD-10 soll eine Enuresis bei Vorhandensein von anderen psychiatrischen Störungen und von Enkopresis nicht diagnostiziert werden. Diese Einschränkungen sind nicht sinnvoll, da dadurch die spezifische psychiatrische Komorbidität einzelner Subgruppen verloren geht. Deskriptiv wird an der Einteilung nach Tageszeit in Enuresis nocturna, diurna, nocturna et diurna festgehalten. Dagegen wird nach ICD-10 auf eine exakte Einteilung in primäre und sekundäre Formen der Enuresis nach Dauer eines trockenen Intervalls verzichtet. Auch die wichtige Differenzierung zwischen einer Enuresis und einer Harninkontinenz wird nach ICD-10 nicht vorgenommen. Enuresis bezeichnet eine normale, vollständige Blasenentleerung am falschen Platz und zur falschen Zeit. Sie tritt überwiegend nachts auf und ist tagsüber sehr selten.

Eine Harninkontinenz ist gekennzeichnet durch einen ungewollten Harnabgang mit Blasendysfunktion. Diese kann strukturell, neurogen oder funktionell bedingt sein. Bei Einnässen bei Tage sollte immer an eine organische Ursache gedacht werden. Enuresis Alarm- Systeme wie "Klingelmatratzen oder Klingelhosen sind die effektivste Behandlung, wenn genügende Kooperation der Eltern und des Kindes besteht. Desmopressin und Imipramin sind beide als medikamentöse Therapie geeignet, aber mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet.

Bei Kindergartenkindern und Schulkindern, Empfehlungen zum Umgang mit Enuresis

  • Manche Kinder sind im Bezug auf die Kontrolle der Ausscheidungen Spätentwickler, die Kontrolle der Blasenfunktion entsteht bei ihnen später als bei anderen Kindern, wahrscheinlich (zu 75%) ist dies vererbt.
  • Bleiben Sie gelassen, drohen Sie dem Kind nicht, keine Schimpfen und Misshandeln, keine Schuldgefühle machen, keine nächtlichen Familiendramen. Dem Kind ist das Entwicklungsdefizit so peinlich wie seinen Eltern.
  • Bringen Sie dem Kind entsprechend seinem Alter und seinen Fähigkeiten bei, bei dem nächtlichen Wechsel der Bettwäsche zu helfen und dies später selbst zu übernehmen
  • Geduldige respektvolle Zusammenarbeit mit Kind ist angesagt. Lob und Belohnungen für kleine Erfolge können helfen
  • Stellen Sie ihr Kind nicht vor anderen Kindern oder Verwandten oder Bekannten bloß, Bettnässen sollte zunächst ein Familiengeheimnis sein.
  • Sorgen Sie für morgendliches Duschen oder Baden, damit das Kind in der Schule nicht nach Urin riecht .
  • Schlafhosen mit einer Alarmfunktion oder Klingel Matratzen können den Lernvorgang erheblich beschleunigen.
  • Windelhosen können Hautauschläge begünstigen.
  • Medikamente wie Desmopressin wirken, aber nur so lange sie eingenommen werden. Sie sind daher insbesondere für besondere Gelegenheiten wie Schulausflüge oder die Übernachtung bei Verwandten oder dem Schulfreund geeignet.
  • Lassen Sie das Kind früh morgens ohne Unterhose laufen und dann jeden Morgen in die Toilette urinieren.
  • Raten Sie dem Kind das Halten des Urins zu vermeiden.
  • Raten Sie dem Kind mindestens alle 2 Stunden und mehrfach am Vormittag im Kindergarten zur Toilette zu gehen, insgesamt mindestens so oft, dass in starker Harndrang und Inkontinenz vermieden wird.
  • Reden Sie mit den Erziehern, dass das Kind schnell zur Toilette darf.
  • Lassen Sie das Kind am Vormittag und frühen Nachmittag genügend trinken und fördern sie dies, schränken Sie den Flüssigkeitskonsum am Spätnachmittag und Abend etwas ein, außer das Kind treibt Sport oder schwitzt wegen der Hitze.
  • Versuchen Sie eine tägliche morgendliche Stuhlentleerung vor das Kind das Haus verlässt zu erreichen.
  • Erklären Sie dem Kind wie es eine optimal entspannte Position auf der Toilette einnehmen kann ,damit die Stuhlentleerung vollständiger und einfacher erfolgt.
  • Unterstützen Sie den Konsum von Nahrungsmitteln, die den Stuhl weicher machen.
  • Unterstützen Sie sportliche Aktivitäten des Kindes und versuchen sie langes Sitzen vor dem PC und Fernseher zu vermeiden.

 

Quellen / Literatur:

C M A Glazener, R E Peto and J H C Evans Effects of interventions for the treatment of nocturnal enuresis in children Quality and Safety in Health Care 2003;12:390-394; doi:10.1136/qhc.12.5.390 Drugs for nocturnal enuresis in children (other than desmopressin and tricyclics) (Cochrane Review  Issue 4, 2003) W. Lane M. Robson, Evaluation and Management of Enuresis, N Engl J Med 2009;360:1429-36.

 

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 

Wichtiger Hinweis: Sämtliche Äußerungen auf diesen Seiten erfolgen unter Ausschluss jeglicher Haftung für möglicherweise unzutreffende Angaben tatsächlicher oder rechtlicher Art. Ansprüche irgendwelcher Art können aus eventuell unzutreffenden Angaben nicht hergeleitet werden. Selbstverständlich erheben die Aussagen keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit, es wird daneben eine Vielzahl vollkommen anderer Erfahrungen und Auffassungen geben. Ich distanziere mich ausdrücklich von den Inhalten der Webseiten und Internetressourcen, auf die ich mit meinen Links verweise. Die Haftung für Inhalte der verlinkten Seiten wird ausdrücklich ausgeschlossen. Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage, dieser beinhaltet das Impressum, weiteres auch im Vorwort. Das Glossar wurde unter Verwendung von Fachliteratur erstellt. Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10 Jahre.Möglicherweise sind nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate kenntlich gemacht. Durch Verwendung verschiedener Quellen konnte eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitate nicht immer vermieden werden. Soweit möglich wird dies angezeigt. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. Bitte beachten Sie: Diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. Es ist auch nicht möglich, dass ein Arzt immer auf dem aktuellsten Stand der medizinischen Forschung in allen Bereichen seines Faches ist.  Es ist immer möglich, dass die medizinische Forschung hier noch als wirksam und ungefährlich dargestellte Behandlungsmaßnahmen inzwischen als gefährlich oder unwirksam erwiesen hat. Lesen Sie bei Medikamenten immer den Beipackzettel und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren behandelnden Arzt. Medikamentöse Behandlungen auch mit freiverkäuflichen Medikamenten bedürfen ärztlicher Aufsicht und Anleitung. Dies gilt auch für alle anderen Behandlungsverfahren. Die hier angebotenen Informationen können nicht immer für jeden verständlich sein. Um Mitteilung, wo dies nicht der Fall ist, bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt, woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten). Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. Jeder Nutzer ist für die Verwendung der hier gewonnenen Informationen selbst verantwortlich, es handelt sich definitiv um keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Es wird keinerlei Haftung weder für die hier angebotenen Informationen noch für die in den Links angebotenen Informationen übernommen. Sollten Sie Links finden, die nicht (oder nicht mehr) seriös sind, teilen Sie mir dies bitte mit, damit ich diese löschen kann. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens des Autors kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt. Alle Angebote sind freibleibend und unverbindlich. Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten oder das gesamte Angebot ohne gesonderte Ankündigung zu verändern, zu ergänzen, zu löschen oder die Veröffentlichung zeitweise oder endgültig einzustellen. Veränderungen erfolgen dabei ständig in Anpassung an neue Literatur oder weil sich meine Auffassung zu einem Thema aus anderen Gründen geändert hat.  Dieser Haftungsausschluss ist als Teil des Internetangebotes zu betrachten, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt.  Sollte sich jemand durch die Homepage in irgendeiner Form beleidigt, benachteiligt oder in sonst einer Form geschädigt fühlen, bitte ich um eine persönliche Kontaktaufnahme per E-Mail  oder telefonisch bzw. per Post. Bitte nennen Sie bei Mitteilungen Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse. Bei Mitteilungen von Kollegen bitte auch Tatsache, dass sie Kollege sind, sowie die Fachbezeichnung. Anonyme Mitteilungen sind in der Regel nicht willkommen. Karl C. Mayer