Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Facettensyndrom

Als  Facettengelenke bezeichnet man die kleinen an den Querfortsätzen die Wirbel liegenden Gelenke zwischen den Wirbeln (Intervertebralgelenke).  Nach manualtherapeutische Definition entsteht hier ein pseudoradikuläres (ohne Beeinträchtigung der Nervenwurzeln) Schmerzsyndrom durch Reizung der gut innervierten Gelenkkapseln, ausgehend von den Gelenkfacetten der Interpedunkulargelenke. Ursächlich soll eine vermehrte Belastung der Facettengelenke durch Lockerung der Bänder bei verminderter Bandscheibendicke (Altersdegeneration, Vorfall) und eine hierdurch bedingte Instabilität der Wirbelsäule sein, die zu einer Abnutzung der kleinen Wirbelkörper führt. Neuroanatomische Studien haben freie und eingekapselte Nervenendigungen in den Facettengelenke nachweisen können, die  Substance P und Calcitonin- Gen-related peptide enthalten. Sehr sensible Mechanorezeptoren und mechanisch empfindliche Nozizeptoren wurden dort ebenfalls nachgewiesen.  Auch nach plötzlichen Überdehnungen wie bei Unfällen (z.B. Schleudertraumen), kann es zu einem Facettensyndrom kommen (The Journal of Bone and Joint Surgery (American). 2006;88:63-67) Das Syndrom ist als eigenständiges Schmerzsyndrom umstritten, manche Autoren sprechen von einem dorsalen Kompartmentsyndrom des Bewegungssegments. Die Internationale Gesellschaft zum Studium des Schmerzes geht davon aus, dass  Facettengelenkssyndrome bei 15% - 45% der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, bei 54% - 60% der Patienten mit chronischen Nackenschmerzen und bei 42% - 48% der Patienten mit thorakalen Rückenschmerzen eine Rolle spielen. Gefolgert wird dies aus dem Erfolg der  Lokalanästhetika in der Behandlung dieser Schmerzen. Wobei da diese Lokalanästhetika nicht wirklich mit einem Plazebo vergleichbar sind (Patient spürt immer die Wirkung), der Beweis aus dieser Annahme nicht zwingend nachvollziehbar ist.  Hinweisend soll eine Schmerzlinderung bei Entlordorsierung der LWS sein.  Über freie Nervenendigungen von Gelenkkapsel, Synovia und Periost der Interpedunkulargelenke vermittelte nozizeptive Schmerzen bei oft durch arthrotische Veränderungen begünstigten Gelenkdistorsionen. Beschwerden: diffus-flächiger, tief empfundener, häufig stechend-brennender Schmerz, im Bereich der LWS meist durch Hyperlordosierung provozierbar; einschießender Charakter bei Fehlbewegungen. Neben Bewegung und Physiotherapie werden Infiltrationstherapien mit Kortikoiden empfohlen. Ob letztere einen Vorteil gegenüber einer oralen Einnahme haben, ist zumindest umstritten. Eventuell sinnvoller ist eine Infiltration der versorgenden Nerven mit Lokalanästhetika, allerdings ist diese ebenfalls nur kurz wirksam. Angewendet wird auch eine Denervierung mit verschiedenen Techniken( z.B. Radiofrequenzneurolyse, Kryochirurgie).
 

Quellen / Literatur:

Boswell MV, Colson JD, Spillane WF. Therapeutic facet joint interventions in chronic spinal pain: a systematic review of effectiveness and complications. Pain Physician. 2005 Jan;8(1):101-14. Niemistö L, Kalso E, Malmivaara A, Seitsalo S, et al. Radiofrequency denervation for neck and back pain. A systematic review within the framework of the Cochraine Collaboration Back Review Group. Spine 2003;28:1877–88.

 

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