Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Fehler und Beinahefehler bei ärztlichen Behandlungen

Die AOK definiert auf ihrer Webseite: "Wenn Patienten aber aufgrund ärztlicher Sorgfaltpflichtverletzungen Schäden erleiden, spricht man von Behandlungsfehlern."  Die TK definiert: "Behandlungsfehler sind Eingriffe von Ärzten und Zahnärzten, die nicht nach den aktuellen Grundsätzen und Regeln der Medizin erfolgt sind und zu gesundheitlichen Schäden geführt haben". 

Kunstfehler oder Behandlungsfehler definiert das Institute of Medicine mit: "Das Scheitern einen geplanten Eingriff/ Behandlung so zu Ende zu bringen, wie beabsichtigt oder der falsche Plan ein (Behandlungs-) Ziel zu erreichen.  Der Schwerpunkt liegt dabei auf 2 wichtigen Prinzipien: ein schlechtes Behandlungsergebnis bedeutet nicht, dass dem ein Behandlungsfehler zugrunde liegt, und Kunstfehler sind unabsichtlich und allgemein vermeidbar.   Abgegrenzt wird dabei der Kunstfehler von einer Nebenwirkung. Eine Nebenwirkung ist ein nachteiliger Behandlungsausgang mit einem Schaden, der das Ergebnis eines Behandlungprozesses und nicht der zugrundeliegenden Erkrankung des Patienten ist. Kunstfehler oder Behandlungsfehler bezieht sich also überwiegend auf den Behandlungsprozess, Nebenwirkungen beziehen sich überwiegend auf das Ergebnis. Die Überlappung zwischen Kunstfehler oder Behandlungsfehler und Nebenwirkungen ist klein, die meisten Behandlungsfehler führen nicht zu einem Schaden, und die meisten Nebenwirkungen gehen nicht auf Behandlungsfehler zurück. Im Zweifel kann der Patient aber gleichzeitig Opfer von beidem werden.  Fehler bei Medikamentenverordnungen werden nach großen Studien in amerikanischen Krankenhäusern mit etwa 3,5% der Verordnungen angegeben. Die große Aufmerksamkeit findenden Operationen an der falschen (gesunden) Köperhälfte sind nach einer Studie  mit 2 826 367 US- Operationen mit 25 Fälle sehr selten (1:112 994 Operationen), Nur in einem der Fälle führte dies zu einem Dauerschaden für den Betroffenen. 

Die Peinlichkeit für den Arzt, persönliche Ängste, Angst vor juristischen und finanziellen Folgen, sind die häufigsten Gründe nicht zu Behandlungsfehlern zu stehen.  Die Zeiten haben sich auch in der Medizin geändert. Im Informationszeitalter haben zumindest differenziertere Patienten ohnehin die Möglichkeit sich umfassend selbst über ihre Erkrankungen und die Behandlungsmöglichkeiten, wie deren Risiken zu informieren.  Die Zeiten der Geheimnisse eines Berufsstandes sind auch für Ärzte weitgehend Vergangenheit.   In der aktuellen Diskussion wird überwiegend favorisiert, Behandlungsfehler offen zuzugeben und Patienten auch über "Beinahme- Fehler" offen zu informieren. Vermutlich ist dies die sicherste Strategie um zu einer vertrauensvollen Arzt- Patient- Beziehung zu kommen. Niemand ist perfekt, auch Ärzte nicht.

Im Rahmen ärztlichen Qualitätsmanagements ist Fehlermanagement ein Bestandteil der Praxis geworden. Aus dem Erkennen von Fehlern lassen sich Fehlervermeidungsregeln und Präventivmaßnahmen ableiten. Fehlermeldesysteme auch im Internet machen es leichter auch aus den Fehlern anderer zu lernen. Behandlungsfehler sind ein beliebter Forschungsgegenstand geworden. Das Eingeständnis und die Beseitigung von Fehlern werden zunehmend als Entwicklungsmotor erkannt.
 

Quellen / Literatur:

  1. Fehldiagnosen siehe hier
  2. Gutachterkommissions-Broschuere der Bundesaerztekammer-2009
  3. Adressen der Gutachterkommissionen der Bezirksärztekammern in Baden- Württ Gutachterstelle bei der Bayerischen Landesärztekammer  Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern
  4. eine Schweizer Webseite hilft aus den Fehlern anderer zu lernen. https://www.cirsmedical.ch/Deutschland/cirs/cirs.php Seiten die Helfen Fehler zu vermeiden, die andere schon gemacht haben: CIRSmedical  Deutschland CIRS an der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie CIRS Risikomanagement in der präklinischen Notfallmedizin  Jeder Fehler zählt! Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen  PaSIS Patienten-Sicherheits-Informations-System   PaSOS Patienten-Sicherheits-Optimierungs-System Schweiz CIRSmedical Schweiz  
  5. Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen ( Patientenbeauftragte),
  6. Thomas H. Gallagher, MD, A 62-Year-Old Woman With Skin Cancer Who Experienced Wrong-Site Surgery Review of Medical Error JAMA. 2009;302(6):669-677. [Abstract] [Full Text]  
  7. Gallagher TH, Studdert D, Levinson W. Disclosing harmful medical errors to patients. N Engl J Med. 2007;356(26):2713-2719.
  8. Chafe, R., Levinson, W., Sullivan, T. (2009). Disclosing errors that affect multiple patients. CMAJ 180: 1125-1127 [Full Text]  
  9.  L. Gostin, "A Public Health Approach to Reducing Error: Medical Malpractice as a Barrier," Journal of the American Medical Association 283, no. 13 (2000): 1742–1743;
  10. Dintzis, S. M., Gallagher, T. H. (2009). Disclosing Harmful Pathology Errors to Patients. Am J Clin Pathol 131: 463-465 [Full Text]  
  11. Berwick DM, Leape LL. Reducing errors in medicine. BMJ. 1999;319:136-137
  12. Murphy, J. G., McEvoy, M. T. (2008). Revealing Medical Errors to Your Patients. Chest 133: 1064-1065 [Full Text]  
  13. Levinson, W. MD, Gallagher, T. H. MD (2007). Disclosing medical errors to patients: a status report in 2007. CMAJ 177: 265-267 [Full Text]  
  14. Gallagher TH, Garbutt JM, Waterman AD, et al. Choosing your words carefully: how physicians would disclose harmful medical errors to patients. Arch Intern Med 2006;166:1585-1593. 
  15. Wu AW. Handling hospital errors: is disclosure the best defense? Ann Intern Med. 1999;131(12):970-972
  16. L. Berlin Will Saying "I'm Sorry" Prevent a Malpractice Lawsuit? Am. J. Roentgenol., July 1, 2006; 187(1): 10 - 15.  [Full Text] [PDF]
  17. D. L. B. Schwappach and C. M. Koeck What makes an error unacceptable? A factorial survey on the disclosure of medical errors Int. J. Qual. Health Care, August 1, 2004; 16(4): 317 - 326.  [Abstract]
  18. T. A. Brennan and M. M. Mello Patient Safety and Medical Malpractice: A Case Study Ann Intern Med, August 19, 2003; 139(4): 267 - 273. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  19. R. M. Lamb, D. M. Studdert, R. M.J. Bohmer, D. M. Berwick, and T. A. Brennan Hospital Disclosure Practices: Results Of A National Survey Health Aff., March 1, 2003; 22(2): 73 - 83.  [Abstract]
  20. T. H. Gallagher, A. D. Waterman, A. G. Ebers, V. J. Fraser, and W. Levinson Patients' and Physicians' Attitudes Regarding the Disclosure of Medical Errors JAMA, February 26, 2003; 289(8): 1001 - 1007. [Abstract] [Full Text] [PDF]

     

 

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Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10 Jahre.Möglicherweise sind nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate kenntlich gemacht. Durch Verwendung verschiedener Quellen konnte eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitate nicht immer vermieden werden. Soweit möglich wird dies angezeigt. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. Bitte beachten Sie: Diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. 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Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt, woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten). Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. 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