Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Glossodynie

Brennschmerz im Bereich der Zunge und anderer Schleimhautpartien im Mund (vorderer harter Gaumen, Lippen, alveolare Mukosa, meist bilateral). Auftreten vorwiegend bei Frauen nach der Menopause, Intensitätszunahme gegen Abend, fakultativ verknüpft mit Mundtrockenheit, Geschmacksstörungen und Durst. Zunahme in Anspannung, bei Müdigkeit, beim Sprechen und durch heiße Nahrungsmittel - typisch ist jedoch die vorübergehende Erleichterung durch Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme. Linderung durch Kälte, Ablenkung und Schlaf. Gehäufte Assoziation mit depressiver Verstimmung und Angst. Organisch bedingt oft bei Mundtrockenheit als Medikamentennebenwirkung z.B. auch Psychopharmaka (wie Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva), Parasympathikolytika (Atropin, Glykopyrrolat, Ipratropium), Scopolamin), Antihistaminika, Diuretika, Antihypertonika, Antiepileptika,  Antivertiginosa; Zungenbrennen (Glossodynie) ist eine häufige Begleiterscheinung von Schmeckstörungen und eine typische Nebenwirkung der Behandlung mit Betablockern. Mundtrockenheit mit Zungenbrennen kommt auch  bei Autoimmunerkrankungen und rheumatischen Systemerkrankungen, nach Strahlentherapie im Kopfbereich, bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Urämie, gastroösophagealem Reflux, Vitamin-B12-Mangel, Eisenmangel vor. Manche Menschen reagieren empfindlich auf Gewürze wie Pfeffer und Chili.  Mundschleimhautinfektionen mit Streptokokken, Staphylokokken, Furospirochätosen, Helicobacter pylori, Pilze können ebenfalls ursächlich sein. 

Diagnostik:  Anamnese (Frage nach Medikamenten, internistischen Krankheiten, Infekten....), Lokalinspektion des Mundes, Biographie und psychopathologischer Befund,  Zungenbeläge werden oft vom Betroffenen selbst nicht bewusst wahrgenommen oder als störend empfunden. Gelegentlich führen Zungenbeläge jedoch zu Glossodynie und/oder einer Störung des Geschmacksempfindens. Ein brauner Zungenbelag findet sich bei starken Rauchern, diese berichten oft über eine subjektiv erheblich bessere und differenziertere Geschmacksempfindung nach Aufgabe des Rauchens. Mundsoor als Begleiterscheinung im Rahmen einer Antibiotika- oder Zytostatikabehandlung kann Zungebrennen verursachen. Bei normaler Schleimhaut sind keine Biopsien oder andere invasiven Diagnoseverfahren indiziert, Pilze sind nur dann als pathogen anzusehen, wenn auch eine sichtbare Entzündung/Belag vorliegt. Ansonsten handelt es sich um normale Mitbewohner im Mund.  Psychiatrische Differentialdiagnose: Circumskripte Hypochondrie bzw. Coenästhäsien bei Schizophrenie, affektive Störungen im Alter. Das "Burning-mouth-Syndrom" oder die Glossodynie kann aber auch für sich alleine einem somatoformen Symptom im Sinne einer psychischen Störung entsprechen,   Labor: Blutbild, B12-, Fe-, Ferritin,  Zn-, Folsäurebestimmung, Blutbild; AST oder ALT; Kreatinin, Glukose, TSH. Therapie:

Behandlung: Medikamentös wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind: Trizyklische Antidepressiva teils wirksam, können aber die Mundtrockenheit verstärken, bei Coenästhäsien Antipsychotika. In seltenen Fällen Behandlung im Sinne neuropathischer Schmerzen (Gabapentin) oder Verhaltenstherapie.  Ansonsten richtet sich die Behandlung nach der Grunderkrankung, z.B. Absetzen der ursächlichen Medikamente. Lokal soll manchmal die Behandlung mit Capsaicinlösung helfen.
 

Quellen / Literatur:

Siehe auch

  1. MIRIAM GRUSHKA et al, Burning Mouth Syndrome, Am Fam Physician 2002;65:615-20,622
  2. A. Scala et al., UPDATE ON BURNING MOUTH SYNDROME: OVERVIEW AND PATIENT MANAGEMENT, Crit Rev Oral Biol Med14(4):275-291 (2003)    
  3. S. Fedele, G. Fricchione, S.R. Porter, and M.D. Mignogna Burning mouth syndrome (stomatodynia) QJM, August 1, 2007; 100(8): 527 - 530. [Full Text]
  4. J. H. Southerland, G. W. Taylor, and S. Offenbacher Diabetes and Periodontal Infection: Making the Connection Clin. Diabetes, October 1, 2005; 23(4): 171 - 178. [Abstract]
  5. Piedad Suarez,  Glenn T. Clark, Burning Mouth Syndrome: An Update on Diagnosis and Treatment Methods CDA.JOURNAL (2006) 34/8; 611 ff
     

 

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