Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Glück

Eine einheitliche und exakte Definition von Glück gibt es nicht. Unglücklicherweise wird das deutsche Wort auch mehrdeutig verwendet. Das amerikanische "luck" meint Glück im Sinne Glück im Spiel oder andere zufallsbedingte "Glücksfälle", das Wort "fortune" kann ebenfalls für einen Glückfall im Sinne eines Ereignisses aber auch im Sinne von vorteilhaftem Schicksal, "Lebensglück" und bezeichnenderweise auch "Vermögen" verwendet werden. "Happiness" meint den Glückszustand, der als Gefühl im Sinne einer Stimmung kurzfristig oder lang anhaltend ist und mit Zufriedenheit vergesellschaftet ist. Zufriedenheit sollte dabei nicht mit vollkommener Wunschlosigkeit verwechselt werden. Ein kurzdauernder Zustand wird eher als Glücksgefühl bezeichnet, während man unter Glück eher einen lang anhaltenden Zustand versteht. Was Menschen unter Glück verstehen, ist auch von der Kultur abhängig und wandelt sich im Laufe der Zeit. Man muss Menschen selbst überlassen, wann sie sich als glücklich bezeichnen. Biologisch spielt dabei das dem Gehirn eigene Belohungssystem eine wesentliche Rolle. Das aus vielfältigen verzweigten Nervenverbindungen im Gehirn bestehende System lässt uns Gefühle wie Euphorie Freude, Wohlbefinden, Motivation und Tatendrang aber auch Glück empfinden. Dabei spielen verschiedenste Neurotransmitter eine Rolle, (Dopamin, Opiate, GABA, Serotonin...). Glück lässt sich nicht künstlich erzeugen. Drogen können ein kurzes Glücksgefühl erzeugen, das aber meistens mit direkt oder verzögert folgendem und länger anhaltendem "Unglücksgefühl" bezahlt werden muss. Unglücklichsein im Sinne beispielsweise einer Depression lässt sich mit Eingriffen in das Neurotransmittersystem auch anhaltend bessern, das Unglücklichsein verschwindet dann. Wirkliches Glück wird aber durch die Abwesenheit von Unglücklichsein noch nicht hergestellt. Die Fähigkeit Glück zu erleben ist ebenso wenig einklagbar, wie sie durch eine medizinische Behandlung alleine herstellbar ist. Angeborene Persönlichkeitsmerkmale legen den Grundstein für die Erlebnisfähigkeit eines Menschen, die Umgebung und Umwelt kann diese Persönlichkeitsmerkmale verändern, im Sinne einer Verstärkung oder Abschwächung. Glück leitet sich auch vom Erreichen bestimmter Ziele ab. Diese Ziele sind immer individuell. Der Vergleich mit anderen spielt dabei immer auch eine wesentliche Rolle. Beim Vergleichen vergessen dabei viele, dass die Auswahl der Vergleichsgruppe ein aktiver Vorgang ist. Mit der Wahl der Vergleichsgruppe bestimmt man auch die Chancen zu einem guten Ergebnis zu kommen. Ein hoher Anspruch kann dabei zu einem größeren Glücksgefühl führen, tut dies aber nicht notwendigerweise und selten anhaltend. Neben der Vergleichsgruppe ist die eigene Biographie immer ein wichtiger Vergleichspunkt. Man vergleicht also mit anderen Menschen und mit seiner eigenen Vergangenheit um zu bestimmen, wie zufrieden man mit dem Erreichten sein kann. Das Streben des einzelnen nach seinem Glück und das Glücksempfinden eines Menschen ist auch von der Anerkennung durch andere und von der inneren Übereinstimmung mit eigenen Wertvorstellungen und den Wertvorstellungen seiner Bezugspersonen geprägt. Glück ist nicht daran gebunden, dass alle Wünsche erfüllt sind oder erfüllt werden, oder dass alle Ziele erreicht werden. Das Fehlen von Wünschen und Zielen schließt im Gegensatz zur Annahme mancher Religionen das Glück fast aus. Die (zumindest mögliche) Erreichbarkeit wichtiger Ziele und Wünsche ist allerdings eine Voraussetzung dafür, dass man sich als glücklich empfindet. Der Satz: "Je mehr erreichbare Wünsche, Gelüste und Ziele ein Mensch hat, desto glücklicher ist er", ist allerdings ebenso wenig zutreffend wie die Annahme, dass Bedürfnislosigkeit glücklich mache. Wünsche, Gelüste und Ziele sind allerdings eine Voraussetzung für Glück. Alleine die Wunscherfüllung ist selten der Anlass oder die Ursache für Glück. Die Bewältigung einer Herausforderungen stärkt das Selbstwertgefühl, sie lässt das Zutrauen in die Fähigkeit auch andere Ziele zu erreichen wachsen und ist damit eine der Voraussetzungen für Glück. Glücksversprechungen sind ein Kennzeichen von Religionen und Werbung. Individuelles Glück kann dabei durchaus von Religionen begünstigt werden. Religiöse Menschen sind im Durchschnitt glücklicher als nicht religiöse. Allerdings beinhaltet die Zuwendung zur Religion auch ein Risiko unglücklich zu werden. Geld alleine macht nicht glücklich Ähnlich verhält es sich mit dem Besitz, "Geld alleine macht nicht glücklich", sagt ein Sprichwort, wie auch die Moral des Märchens von Hans im Glück. Untersuchungen bestätigen, dass Reichtum zwar zum Glück beitragen kann, im Gegensatz zu einer guten Ehe aber weniger zum anhaltenden Glücksgefühl beiträgt. Reichtum verändert rasch die Maßstäbe, das Verlangen nach immer mehr, schmälert schnell das Glücksgefühl über das erreichte. Prospektive soziologische Untersuchungen zeigen, dass parallel mit dem Erwerb größerer Güter wie Fernseher, Haus, Auto, Ferienhaus, .. der Wunsch nach anderen höherwertigen Gütern wächst und die Zufriedenheit damit nahe dem Ausgangniveau bleibt. Im Gegensatz zu manchen Annahmen sind Menschen mit höherer Bildung im Durchschnitt glücklicher als ihrer ungebildeteren Zeitgenossen, ein Effekt, der sich nicht alleine mit dem besseren Verdienst erklären lässt. Dieser Unterschied zu Gunsten der Gebildeten bleibt im Laufe des Lebens erhalten. Chronische Erkrankungen schmälern das Glücksgefühl anhaltend. Obwohl es nach einer entsprechenden Zeit eine Akzeptanz der Erkrankung gibt und die betreffenden oft gut mit ihrer Erkrankung umgehen können, schmälert ein chronische Erkrankung das Glücksgefühl dauerhaft. Unzufriedenheit mit der eigenen Gesundheit nimmt mit der Anhäufung chronischer Erkrankungen mit zunehmendem Alter zu. Im Gegensatz zu der Annahme Glück könne nicht dauern, scheint das Glück in der Ehe doch anzudauern. Verheiratete Menschen schätzen sich selbst als glücklicher ein als ihre nicht verheirateten Altersgenossen. Dieser Effekt hält statistisch auch nach 35 Ehejahren noch an. Primär allein stehende Menschen, geschiedene und verwitwete Menschen empfinden sich als weniger glücklich als verheiratete. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen ob Menschen in erster, zweiter oder dritter Ehe verheiratet sind. Ähnlich wie bei der Religion beinhaltet die private Zweisamkeit auch ein Risiko unglücklich zu werden, langfristig überwiegen aber die Chancen zumindest statistisch die Risiken erheblich. Das Eingebundensein in eine Gemeinschaft ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für das Glück. In unseren westlichen Industriegesellschaften wird das Individuum oft vor die Gemeinschaft gestellt, Besitz wird nicht selten höher bewertet als der Zusammenhalt. Wirtschaftswachstum und finanzieller Erfolg sind Prioritäten vor der Gesundheit und dem Zusammenhalt der Gemeinschaft geworden. Wenn man die Menschen glücklicher machen will, sind diese Prioritäten falsch gesetzt. Glück lässt sich allerdings nicht verteilen, jeder muss es selbst für sich erwerben. Wenn wir anderen dabei helfen, kommen wir nicht selten dem eigenen Glück näher. Ein Trost bei momentan fehlendem Glück ist, dass wir uns an weniger  Einkommen, schlechtere Noten oder einen sozialen Abstieg meist genauso gewöhnen wie an neuen Reichtum und einen neu erreichten hohen Status. Wenn der neue Zustand "normal" geworden ist, streben wir, wenn wir psychisch gesund sind von dort aus nach etwas Besserem als neue Quelle des neuen Glücks.
 

Quellen / Literatur:

  1. Ellison CG.  Religious involvement and subjective well-being. J Health Soc Behav. 1991 Mar;32(1):80-99.
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  3. McKenzie B, Campbell J.Race, socioeconomic status, and the subjective well-being of older Americans.Int J Aging Hum Dev. 1987;25(1):43-61,
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  5. Willi J. The significance of romantic love for marriage.Fam Process. 1997 Jun;36(2):171-82.
  6. Costa PT Jr, Zonderman AB, McCrae RR, Cornoni-Huntley J, Locke BZ, Barbano HE.Longitudinal analyses of psychological well-being in a national sample: stability of mean levels.J Gerontol. 1987 Jan;42(1):50-5.
  7. Brickman P, Coates D, Janoff-Bulman R. Lottery winners and accident victims: is happiness relative? J Pers Soc Psychol. 1978 Aug;36(8):917-27.
  8. Kennedy P, Gorsuch N, Marsh N.Childhood onset of spinal cord injury: self-esteem and self-perception.Br J Clin Psychol. 1995 Nov;34 ( Pt 4):581-8.
  9. Richard A. Easterlin Inaugural Article: Explaining happiness, PNAS 2003 100: 11176-11183; published online before print September 4 2003, 10.1073/pnas.1633144100 [Abstract] [Full Text] [PDF]
  10. David G. Myers Psychologie, Springer, Berlin 2004 ASIN/ISBN: 3540213589 http://www.isbn3-540-21358-9.de/myers/index.php  Kap 13.
     

 

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