Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Hippokrates

Hippokrates, der als berühmtester Arzt der Antike und als Vater der Medizin bezeichnet wird, wurde 460 v. Chr. auf der Insel Kos (Griechenland) geboren. Bevor er sich auf Kos niederließ, unternahm er zahlreiche Reisen, um die Medizin zu lehren und zu praktizieren. Er starb 377 v. Chr. in Larissa (Griechenland). Hippokrates versucht nun Krankheiten nicht mehr aus reinem Aberglaube heraus zu begründen, sondern beobachtet deren Symptome und Verläufe. Er sieht im Menschen ein Glied des Kosmos, beeinflusst von Wetter, Wind, Wasser, Nahrung und Örtlichkeit, also von seiner unmittelbaren Umwelt. Hierin liegen für Hippokrates auch die wichtigsten Ursachen der Krankheiten, welche stets natürlichen Ursprungs sind. Es gibt allerdings auch Untersuchungen in diesem Zusammenhang, die Hippokrates als Vater der Medizin zurückweisen. Ludwig Englert z.B. gibt in seinen Untersuchungen zu Galens Schriften Thrasybulos (Englert, 1929) zu bedenken, dass auch schon in der Zeit vor Hippokrates von einer empirischen Medizin gesprochen werden kann. Seiner Meinung nach steht Hippokrates nur am Endpunkt einer Entwicklungsphase der empirischen Medizin, deren Beginn er bei Homer im 8. Jahrhundert v. Chr. sieht und in diesem Zusammenhang auf dessen Gedichte verweist. Weiter begründet er seine Feststellung mit der Existenz von blühenden Ärzteschulen bereits im 6. bzw. 5. Jahrhundert v. Chr. in Kroton, sowie die bekannten kidnischen, sizilischen, athenischen, äginetischen und koischen Schulen. Für ihn ist es undenkbar, dass eine Ärzteschule von Bedeutung bestanden haben könnte, ohne dass das Bewusstsein von der Medizin als Kunst vorhanden gewesen wäre. Nach Hippokrates besteht der Mensch aus den vier Grundstoffen Luft, Feuer, Wasser und Erde. Er übernimmt damit die Aristotelische Theorie, dass alles aus diesen vier Elementen bestehe. Mit dieser Meinung stellt er die Lehren der Philosophen Heraklit, Thales, Anaximenes und Xenophanes, die von einem einheitlichen Grundstoff im Makro- und Mikrokosmos ausgehen, in Frage. Darauf aufbauend kommt er zu dem Schluss, dass der Mensch nicht nur aus einem einzigen Stoff , nämlich aus Blut, Schleim oder Galle bestehen kann. Es müssen vier Säfte im Körper vorhanden sein, die er in seiner Säftelehre in das Gesamtschema einfließen lässt. Hippokrates sieht den Ursprung der Krankheiten in der Wirkungskraft der vier Säfte. Damit widerspricht er einigen, zur damaligen Zeit angesehenen Ärzten, die der Meinung sind, dass der Mensch nur aus einem Saft bestehe.

Hippokrates Eid Wird im Gegensatz zur Meinung vieler nicht wirklich von Ärzten geleistet. Ich schwöre bei Appollon dem Arzt und Asklepios und Hygieia und Panakeia und allen Göttern und Göttinnen, indem ich sie zu Zeugen rufe, dass ich nach meinem Vermögen und Urteil diesen Eid und diese Vereinbarung erfüllen werde: Den, der mich diese Kunst gelehrt hat, gleichzuachten meinen Eltern und ihm an dem Lebensunterhalt Gemeinschaft zu geben und ihn Anteil nehmen zu lassen an dem Lebensnotwendigen, wenn er dessen bedarf, und das Geschlecht, das von ihm stammt, meinen männlichen Geschwistern gleichzustellen und sie diese Kunst zu lehren, wenn es ihr Wunsch ist, sie zu erlernen ohne Entgelt und Vereinbarung und an Rat und Vortrag und jeder sonstigen Belehrung teilnehmen zu lassen meine und meines Lehrers Söhne sowie diejenigen Schüler, die durch Vereinbarung gebunden und vereidigt sind nach ärztlichem Brauch, jedoch keinen anderen. Die Verordnungen werde ich treffen zum Nutzen der Kranken nach meinem Vermögen und Urteil, mich davon fernhalten, Verordnungen zu treffen zu verderblichem Schaden und Unrecht. Ich werde niemandem, auch auf eine Bitte nicht, ein tödlich wirkendes Gift geben und auch keinen Rat dazu erteilen; gleicherweise werde ich keiner Frau ein fruchtabtreibens Zäpfchen geben: Heilig und fromm werde ich mein Leben bewahren und meine Kunst. Ich werde niemals Kranke schneiden, die an Blasenstein leiden, sondern dies den Männern überlassen, die dies Gewerbe versehen. In welches Haus immer ich eintrete, eintreten werde ich zum Nutzen des Kranken, frei von jedem willkürlichen Unrecht und jeder Schädigung und den Werken der Lust an den Leibern von Frauen und Männern, Freien und Sklaven. Was immer ich sehe und höre, bei der Behandlung oder außerhalb der Behandlung, im Leben der Menschen, so werde ich von dem, was niemals nach draußen ausgeplaudert werden soll, schweigen, indem ich alles Derartige als solches betrachte, das nicht ausgesprochen werden darf. Wenn ich nun diesen Eid erfülle und nicht breche, so möge mir im Leben und in der Kunst Erfolg beschieden sein, dazu Ruhm unter allen Menschen für alle Zeit; wenn ich ihn übertrete und meineidig werde, dessen Gegenteil.

Geisteskrankheiten nach Hippokrates  "Hippokrates vertrat bereits die Überzeugung, dass die meisten Geisteskrankheiten  Krankheiten des Gehirns sind. Er erkannte, dass wir durch das Gehirn denken, sehen, hören. Durch das Gehirn wird das Erleben und bewerten möglich, es ermöglicht das Häßliche und das Schöne, das Böse und das Gute, das Angenehme und das Unangenehme zu erkennen, erleben und unterscheiden. Durch das Gehirn sind wir verrückt, delirieren wir, nehmen sowohl nachts wie nach Tagesanbruch Ängste und Schrecken von uns Besitz, Tagesträume, grundlose Sorgen, das Verkennen der Gegenwart, die Ungewohntheit, die Unerfahrenheit. All dem sind wir durch das Gehirn ausgesetzt, wenn es krank ist, das heißt, wenn es zu warm oder zu kalt, zu feucht oder zu trocken ist, oder wenn es irgendeine widernatürliche Schädigung erfahren hat, die es nicht verkraften kann.«
 

Temperamentstypologie nach Hippokrates Der Sanguiniker ist durch Sorglosigkeit, Geselligkeit und sprunghaftes, heiteres Verhalten gekennzeichnet. Dem gegenüber steht der Melancholiker, für den im Gegensatz dazu seine Selbstbezogenheit, Bedrücktheit und eine grundsätzlich pessimistische Lebenshaltung charakteristisch ist. Der Choleriker gilt als leicht erregbar, aufbrausend und unbeherrscht. Auch hier gibt es ein Temperament, welches dem Cholerischen gegenübersteht. Der Phlegmatiker nämlich wird durch seine Langsamkeit, Untätigkeit und eine geringe Lebendigkeit charakterisiert. Den Zusammenhang zwischen den Säften und den zugeordneten Temperamentstypen erkennt man schon alleine an den Übersetzungen der Begriffe Blut, Schleim, gelber und schwarzer Galle. Blut wird ins Lateinische übersetzt zu ,,sanguis". Das griechische Wort für Schleim ist ,,phlegma", für gelbe Galle ,,cholè" und für schwarze Galle ,,melaina cholè". Temperament Vorherrschender Saft Beschreibung des Temperaments Sanguiniker Blut Leicht wechselnde Reaktionen, ausgerichtet auf Freude und Hoffnung Phlegmatiker Schleim Schwer auslösbare Reaktionen, bis hin zur Teilnahmslosigkeit Choleriker Gelbe Galle Rasch ansteigende, nachhaltige Reaktionen, bis hin zum Jähzorn Melancholiker Schwarze Galle Langsam an- und absteigende Reaktionen, der Trauer zugewandt

 

Quellen / Literatur:

Geschichte der Psychiatrie (Jacques Vié und Henri Baruk): Die großen klassischen Traditionen von Hippokrates bis Pinel. Illustrierte Geschichte der Medizin, S. 3914 (vgl. GdMed Bd. 4, S. 1952) (c) Andreas & Andreas 1986

 

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