Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

HIV- assoziierte Demenz

Aktuell geht man davon aus, dass das HI-Virus wahrscheinlich in Zentralafrika um 1930 erstmals vom Tier auf den Menschen übersprang. Die älteste nachgewiesene HIV-Infektion stammt aus dem Kongo 1959, 1969 kam das Virus in die USA wo 1981 die ersten Aids-Fälle entdeckt wurden 1981. Das HIV zählt zu den derzeit gefährlichsten Krankheitserregern. Neurologische Komplikationen sind nicht selten. Die HIV- Enzephalopathie entwickelt sich subakut bis chronisch, 20 bis 30% der Patienten entwickeln im Verlauf der HIV-1-Infektion ein Syndrom aus kognitiven, motorischen, Verhaltens- und vegetativen Störungen. Dazu gerechnet werden motorische Symptome mit Störung der Feinmotorik, die sich besonders bei bestimmten Berufen wie Feinmechaniker, Musiker, Datentypisten bemerkbar machen, Ungeschicklichkeiteb z.B. beim Knöpfen von Kleidungsstücken. Kognitive Symptome Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Verlangsamung von Auffassung und Reagibilität, Emotionale Symptome Verlust von Initiative und Antrieb, sozialer Rückzug mit Verlust sozialer Kompetenz (Umgang mit Geld, Kontakt mit Behörden), Depressivität, verminderte emotionale Schwingungsfähigkeit. Vegetative Symptome Störung von Miktion und Libido, erektile Impotenz (Nervenarzt 2000 · 71:677–684). Das HIV durchdringt die Bluthirnschranke in dem es die Makrophagen infiziert. Einmal im Gehirn  infiziert das Virus die Gliazellen, diese scheiden dann Neurotoxine aus, die zu Schädigungen der Nervenzellen bis zum Zelluntergang führen. Das Ausmaß der neuronalen Schädigung korreliert mit dem Fortschreiten der klinisch neurologischen Auffälligkeiten.  Die Frontallappen, die subcorticale weiße Substanz und die Basalganglien werden besonders geschädigt.  Neurotoxine die von den periventrikulären Macrophagen und der Microglia ausgeschieden werden setzen eine Freisetzung von Cytokinen und Chemokinen in Gang, dies führt zu einer Veränderung der synaptischen Architektur der Hirnrinde. Durch Apoptose und/oder programmierten Zelltod kommt es zum Verlust von Nervenzellen. Eine hohe Viruslast im Blut macht die Beteiligung des ZNS wahrscheinlicher. Eindeutige neurokognitive Auffälligkeiten sind unter suffizienter antiviraler Behandlung seltener als ohne Behandlung und betreffen nur etwa 1% der Behandelten/Jahr der Erkrankung (Inzidenz). Leichtere Defizite die sich bei genauerer Untersuchung ergeben sollen aber auch bei sonst asymptomatischen AIDS- Patienten deutlich häufiger sein und im Verlauf der Erkrankung zunehmen. Neben der hier diskutierten HIV assoziierten Demenz sind schwere psychische Störungen bei HIV infizierten deutlich häufiger als in der Durchschnittsbevölkerung, dies gilt insbesondere für Depressionen und Manien.  Der Mechanismus der Entstehung ist nicht bekannt, die Behandlung ist symptomatisch, wie bei anderen idiopathischen psychischen Störungen auch. . Online Service zur Auswahl von Aidsmedikamenten unter  http://www.geno2pheno.org/cgi-bin/geno2pheno.pl

Diagnostische Kriterien für eine HIV- assoziierte Demenz

I. Erworbene Einschränkungen von mindestens 2 der folgenden kognitiven Fähigkeiten, die mindestens einen Monat vorhanden sind und eine Beeinträchtigung bei der Arbeit oder den Aktivitäten des täglichen Lebens verursachen:
(1) Aufmerksamkeit oder Konzentration
(2) Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung
(3) Abstraktionsvermögen oder logisches Denken
(4) Visuell- räumliche Fähigkeiten
(5) Gedächtnis oder Lernen
(6) Sprechen oder Sprache
II. Mindestens 1 der folgenden:
(1) Erworbene Einschränkungen der motorischen Funktionen (verlangsamte Bewegungen, Lähmung oder Ataxie)
(2) Verminderung der Motivation oder der emotionalen Kontrolle oder Veränderung im Sozialverhalten
III. Fehlen einer Beeinträchtigung des Bewusstseins für eine Zeit die lange genug ist, um die Symptome unter I feststellen zu können. 
IV. Fehlen einer anderen Ursache der oben genannten kognitiven, motorischen oder Verhaltens- Symptome ( aktive opportunistische ZNS Infection oder maligner ZNS Prozess, psychiatrische Störungen, Substanzmissbrauch)
Wenn nur I oder II zutreffen spricht man von einer HIV-assozierten leichten kognitiven und motorischen Störung (engl.: HIV-associated minor cognitive and motor disorder)
Quelle: Working Group of the American Academy of Neurology AIDS Task Force.45


Sloan-Kettering-Skala der HIV- Enzephalopathie: Stadium 0: (normal) Normale geistige und motorische Leistungen, Stadium 0,5: (unklar/subklinisch) Keine Beeinträchtigung der Arbeit oder täglichen Verrichtungen. Normaler Gang. Evtl. gering verlangsamte Okulo- und Extremitätenmotorik. Stadium 1: (leicht) Kann alle außer den anspruchsvollen Tätigkeiten bei der Arbeit und im täglichen Leben leisten. Eindeutige Hinweise auf kognitive oder motorische Störungen. Gang ohne Hilfe möglich. Stadium 2: (mittelgradig) Nicht mehr arbeitsfähig. Kann nur die einfacheren Tätigkeiten des täglichen Lebens leisten. Gangstörung, evtl. auf Gehhilfe angewiesen. Stadium 3: (schwer) Ausgeprägte kognitive Störung (kann auch für die eigene Person relevanten neuen Informationen nicht mehr folgen, komplexe Unterhaltung nicht möglich, erhebliche psychomotorische Verlangsamung) oder ausgeprägte motorischeStörung (Gang nicht mehr selbständig, sondern nur noch mit z. B.Rollator, relevante Verlangsamung und Ungeschicklichkeit der Armmotorik) Stadium 4: (Endzustand) Nahezu oder komplett mutistisch. Stark beinbetonte spastische Tetraparese bis -plegie.Harn- und Stuhlinkontinenz. Ausdrücken und Verstehen nur noch einfachster Inhalte möglich. Zitat nach Nervenarzt, 2000 · 71:677–684. 2006

 

Quellen / Literatur:

Report on the global AIDS epidemic. Geneva: UNAIDS, 2006. Declaration of Commitment on HIV/AIDS. "Global crisis — global action." New York: United Nations, 2001. Global Report on HIV  World Health Organization Global Health Atlas

 

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