Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Kognitive Störung

Leichte kognitive Störungen oder englisch „Mild Cognitive Impairment“ (MCI) sind per Definition Minderungen der geistigen Leistungsfähigkeit, die nicht so schwerwiegend sind, dass die Diagnose einer Demenz gestellt werden kann. Die sichere Diagnose einer leichten kognitiven Störung setzt eine entsprechende Testung und eine optimale Mitarbeit des Patienten voraus. Diese Mitarbeit kann nicht immer selbstverständlich angenommen werden und muss für die Diagnose mit überprüft werden, damit die Diagnose sinnvoll gestellt werden kann. Die in Studien verwendeten Tests sind zudem nicht einheitlich, was die Vergleichbarkeit der Studien erschwert. Die Häufigkeit leichter kognitiver Störungen hängt damit sehr vom zugrunde liegenden diagnostischen Konzept ab. (siehe z.B. ( Busse et al., Gesundheitswesen 2004; 66 DOI: 10.1055/s-2004-833766). Leichte kognitive Störungen können reversibel im Rahmen von Depressionen oder akuten organischen Psychosyndromen vorkommen. Die meisten Studien beziehen sich auf sehr gut getestete gut motivierte Patienten. Diese sind nicht unbedingt repräsentativ für übliche klinische Stichproben, in soweit sind auch nicht alle Forschungsergebnisse auf die klinische Realität übertragbar.

Leichte kognitive Störungen sind charakterisiert durch Gedächtnisstörungen, Lernschwierigkeiten und die verminderte Fähigkeit, sich längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Oft besteht ein Gefühl geistiger Ermüdung bei dem Versuch, Aufgaben zu lösen. Objektiv erfolgreiches Lernen wird subjektiv als schwierig empfunden. Menschen mit leichten kognitiven Störungen sollen in 80% innerhalb von 6 Jahren eine Demenz entwickeln. Gemeint ist ein erworbener krankhafter Zustand, der mit dem normalen Nachlassen geistiger Leistungen im Alltag nicht erklärt werden kann. Für die Diagnose ist es also erforderlich, dass die festgestellten kognitiven Defizite über altersbedingte Leistungsverluste eindeutig hinausgehen. Es handelt sich um ein ätiologisch, psychopathologisch und prognostisch uneinheitliches Syndrom, die Diagnose ist rein beschreibend. Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein, Vorstufe einer Demenzerkrankung wie M. Alzheimer, vaskuläre Demenz, etc. oder auch Auswirkung einer körperlichen Erkrankung oder psychischen Störung. In Zweifel sollte eine Diagnose einer Leichten kognitiven Störung daher eine Ausschlussdiagnostik hinsichtlich der behandelbaren Ursachen nach sich ziehen. In erster Linie muss bei den meist alten Patienten auch an eine Medikamentenvergiftung gedacht werden, auch bisher unerkannter Alkoholismus ist im Alter nicht ganz selten. Neben einer psychiatrischen Diagnostik sollten internistische Erkrankungen wie Elektrolytstörungen, Unterfunktion der Schilddrüse, Unterfunktion der Nebenschilddrüse, Diabetes mellitus, chronische Leber- oder Nierenerkrankungen, zerebrale Vaskulitiden ausgeschlossen werden. Zumindest bei anhaltenden Beschwerden und unverändertem Befund sollte auch ein EEG und eine cerebrale Bildgebung erfolgen, um behandelbare Ursachen wie Tumore, Normaldruckhydrozephalus, Subduralhämatom etc. auszuschließen. Nach einer aktuellen Studie haben etwa 22.2% der über 70 Jährigen eine Leichte kognitive Störung ohne Demenz. Etwa 11.7% der Patienten mit leichter kognitive Störung entwickeln jährlich eine Demenz, bei dem Subtyp, bei dem prodromale Alzheimersymptome bestehen gehen bis zu 20% pro Jahr in eine Demenz über. Menschen mit leichter kognitiver Störung haben zudem eine im Vergleich zur Altersnorm verkürzte Lebenserwartung. B. L. Plassman et al., Prevalence of Cognitive Impairment without Dementia in the United States. Ann Int Med 2008, 148,6; 427-434

Die Zeitschrift Natur veröffentlicht eine Studie nach der ein molekularer Test bei dem 18 Proteine im Serum eine 90% ige Vorhersagewahrscheinlichkeit haben sollen, wer von den Patienten mit einer leichten kognitven Beeinträchtigung in 2-6 Jahren einen M. Alzheimer entwickelt. Dabei geht es um Eiweiße, die für die Blutbildung, Immunantworten des Körpers und Apoptose wichtig sind. (NATURE MEDICINE VOLUME 13/11, 2007 S 1359-62). Eine Replikation der Studie unter Praxisbedingungen steht bisher aus. Die Diagnose einer leichten kognitiven Störung hat bisher keine in ihrem Nutzen gesicherte therapeutische Konsequenz, dies gilt auch dann, wenn es sich um eine wahrscheinliche Alzheimer-Krankheit im Prädemenzstadium handelt. Bei allen gegenwärtig verfügbaren symptomatischen Therapiemöglichkeiten ist bisher kein Nutzen bei Leichten kognitiven Störungen gesichert. Es ist aber möglich, dass zukünftige Behandlungsverfahren,- z.B.: neue Variante der Alzheimerimpfung etc. für diesen Personenkreis interessant sind. Ein Nutzen der Diagnose ergibt sich auch aus der Tatsache, dass jetzt für die Betroffenen dringender Handlungsbedarf für eine Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung besteht.

Kriterien für eine leichte kognitive Beeinträchtigungen
  • Klagen über Gedächtnisstörungen, die von einem Bekannten oder Angehörigen bestätigt werden
  • Beeinträchtigte Gedächtnisleistung in Relation zu Alter und Bildung
  • Erhaltene allgemeine kognitive Fähigkeiten
  • Intakte Aktivitäten des täglichen Lebens
  • nicht dement

länger anhaltende leichte kognitive Beeinträchtigung was könnte dahinter stecken

Leichte kognitive Beeinträchtigung

(Gedächtnis)

  • M. Alzheimer
Leichte kognitive Beeinträchtigung

in vielen Gebieten leichte Beeinträchtigungen

  • M. Alzheimer
  • Vaskuläre Demenz
  • normales Altern
Leichte kognitive Beeinträchtigung

(einzelne Teilbereiche außer Gedächtnis)

  • frontotemporale Demenz
  • Lewybody Demenz
  • Vaskuläre Demenz
  • Primäre progressive Aphasie
  • M. Parkinson
  • M. Alzheimer

 

Quellen / Literatur:

Janet M. Torpy; Cassio Lynm; Richard M. Glass Mild Cognitive Impairment JAMA. 2008;300(13):1610. EXTRACT | FULL TEXT | PDF Roee Holtzer; Joe Verghese; Cuiling Wang; Charles B. Hall; Richard B. Lipton Within-Person Across-Neuropsychological Test Variability and Incident Dementia JAMA. 2008;300(7):823-830. ABSTRACT Nicola T. Lautenschlager; Kay L. Cox; Leon Flicker; Jonathan K. Foster; Frank M. van Bockxmeer; Jianguo Xiao; Kathryn R. Greenop; Osvaldo P. Almeida Effect of Physical Activity on Cognitive Function in Older Adults at Risk for Alzheimer Disease: A Randomized Trial JAMA. 2008;300(9):1027-1037. ABSTRACT James M. Ellison, A 60-Year-Old Woman With Mild Memory Impairment: Review of Mild Cognitive Impairment JAMA. 2008;300(13):1566-1574. Published online September 2, 2008 (doi:10.1001/jama.300.9.jrr80008).ABSTRACT Ritchie K, Artero S, Touchon J. Classification criteria for mild cognitive impairment: a population-based validation study. Neurology. 2001;56:37-42.MEDLINE Daly E, et al Predicting conversion to Alzheimer's disease using standardized clinical information. Arch Neurol.2000;57:675-680 MEDLINECurrent Ronald C. Petersen et al. Concepts in Mild Cognitive Impairment ARCHIVES OF NEUROLOGY, Vol 58, No 12, pp 1721-1952 http://archneur.ama-assn.org/issues/v58n12/abs/nsa10002.html, Morris JC, Storandt M, Miller JP, et al. Christensen H, ICD-10 mild cognitive disorder: epidemiological evidence on its validity. Psychol Med.1995;25:105-120. MEDLINE Howieson DB, et al Cognitive markers preceding Alzheimer's dementia in the healthy oldest old.J Am Geriatr Soc.1997;45:584-589.MEDLINE Mild cognitive impairment represents early-stage Alzheimer disease.Arch Neurol. 2001;58:397-405. MEDLINE, Masur DM, Neuropsychological prediction of dementia and the absence of dementia in healthy elderly persons.Neurology.1994;44:1427-1432.MEDLINE Petersen RC.Mild cognitive impairment or questionable dementia [editorial]?
Arch Neurol.2000;57:643-644. MEDLINE

 

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