Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

Kohorte

abgeschlossene, feststehende Grundgesamtheit von Personen, für die über einen (i.a. längeren Zeitraum) das Auftreten bestimmter Ereignisse (z.B. Erkrankungen) untersucht/beobachtet wird. Die Kohorte ist dann eine Gruppe von Personen, die zum gleichen Zeitpunkt ein bestimmtes Lebensereignis erfahren hat, etwa Geburt (Alterskohorten =alle in einem Kalenderjahr Geborenen), Musterung (Musterungskohorten), usw. Von diesen Kohorten werden zumeist (retrospektiv oder prospektiv) Längsschnittdaten erhoben. Werden mehrere Kohorten miteinander verglichen, so kann man u. U. Kohorteneffekte (Wirkungen auf die Personen, die sich aus ihrer Kohortenzugehörigkeit ergeben) von Alterseffekten (Wirkungen, die sich aus der Tatsache des Älterwerdens ergeben) trennen. Bei der Untersuchung von Morbidität und Mortalität spielen u.a. Lebensalter, Geburtsjahr und Ereignisalter eine wichtige Rolle. Diese stehen in gegenseitiger Abhängigkeit. Bei der Bewertung von Ergebnissen wird dementsprechend zwischen Alterseffekten, Kohorteneffekten und epochalen Effekten unterschieden. Entsprechend unterscheidet man Querschnitts-, Kohorten- und Zeitreihenanalysen. Bei manchen Modellrechnungen spielen künstliche Kohorten eine Rolle, hier (u.a. bei Sterbetafeln, -Fertilitätsmaßen ) werden Querschnittsergebnisse in Längsschnittinterpretationen umgewandelt. Bei einer Kohortenstudie wird im Längsschnitt (meist prospektiv) nach entwicklungsbedingten Veränderungen gesucht. Im Gegensatz dazu wird beispielsweise in Fall-Kontroll-Studien der Einfluß von Expositionen auf das Auftreten einer seltenen Krankheit untersucht. Jedem “Fall”mit der untersuchten Krankheit wird eine Kontrollperson ohne entsprechende Erkrankung zugeordnet, die nach Alter, Geschlecht und Wohnort möglichst ähnlich ist. Fall-Kontroll-Studien sind in der Regel retrospektive Untersuchungen. Beispiel wären Studien bei denen der Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Auftreten der Parkinsonkrankheit erforscht wird und von einer Gruppe aktuell erkrankter ausgegangen wird, die wie die Kontrollpersonen nach ihren früheren Konsumgewohnheiten gefragt werden. Bei Fall-Kontroll-Studien werden also meist Erkrankte werden mit gesunden Kontrollen verglichen. Einflussfaktoren wie z.B. Expositionen (Kaffeekonsum) werden retrospektiv abgefragt. Bei Kohorten Studien wird prospektiv eine Risikogruppe uber die Zeit beobachtet. Man könnte also im obigen Beispiel auch Kaffeetrinker und Menschen die keinen Kaffeetrinken über Jahre beobachten und die Häufigkeit des Auftretens eines M. Parkinson im laufe der Jahre erheben, dies wäre eine Kohortenstudie.

Bei Kohorten Studien  werden Risikogruppen über die Zeit beobachtet, bei Fall-Kontroll Studien werden Erkrankte mit gesunden Kontrollen verglichen, indem mögliche Einflussfaktoren
retrospektiv abgefragt werden.

Neben der Art einer Studie ist die Fallzahl ist entscheidend für die Aussagekraft statistischer Methoden. Wie groß die Fallzahl sein muss, hängt davon ab, was untersucht werden soll und wie groß ein zu erwartender Behandlungeffekt oder die Varianz des natürlichen Verlaufs beispielsweise einer Krankheit ist. Schon bei der Studienplanung wird deshalb in der Regel die Fallzahl wird so groß gewählt, dass man unter Hypothesen mit möglichst großer
Wahrscheinlichkeit signifikanten Unterschied beobachtet. Je einheitlicher der zu erwartete spontane Behandlungsverlauf und je größer die klinisch relevante und messbare Wirkung einer Behandlung (oder Unterschied zwischen 2 Behandlungen), desto weniger Fälle werden benötigt,
um einen signifikanten Unterschied zwischen den Therapiearten aufzudecken. Konfundierende Faktoren können dennoch das Ergebnis verfälschen. Bei der Behandlung von depressiven Patienten oder Schmerzpatienten beispielsweise kann alleine die Zuwendung durch die Untersucher einer Studie eine Wirkung zeigen, die fälschlich einem Medikament, oder einem Psychotherapieverfahren zugeschrieben wird. Will man den Einfluss von Kaffee auf die Auftretenswahrscheinlichkeit eines M. Parkinson untersuchen, so kann Nikotinkonsum ein konfundierender Faktor sein, der die Auftretenswahrscheinlichkeit ebenfalls senkt. Kaffeetrinker rauchen häufiger als Nicht-Kaffeetrinker.

Die unterschiedliche Stichprobenrekrutierung kann dabei auch zu unterschiedlichen
Ergebnissen führen. So ist davon auszugehen, dass beispielsweise Menschen, die an einer Schizophrenie leiden sich wesentlich unterscheiden, wenn sie über Versorger oder Behandler im ambulanten, stationären oder im Heimbereich rekrutiert werden.  Ob sich eine für alle diese Bereiche repräsentative Patientenauswahl (Stichprobe) für eine Studie herstellen ist zweifelhaft. In manchen Regionen ist der Anteil von Patienten teilstationärer Behandlung  oder der Anteil der in Wohnbetreuungseinrichtungen lebenden Menschen mit Schizophrenie deutlich höher als in anderen Regionen. Neben der Verfügbarkeit spielen auch die Einweisungskriterien der individuellen ambulanten Versorger eine Rolle. Die Verzerrung durch die Auswahl bezeichnet man als Sampling Bias.  Neben der Stichprobenrekrutierung spielt auch die Art der Messung/Befragung für die Qualität einer Studie eine Rolle. Tendenziöse Fragen (Erhebungs-Bias), falsch kalibrierte Messgeräte oder die Verwendung unüblicher Normalwerte können die Antwort präjudizieren. Die Art, wie die Studienergebnisse dargestellt werden, kann ein Ergebnis völlig anders aussehen lassen.  Mit irreführenden Graphiken kann ein kleiner Behandlungseffekt auf den ersten Blick nicht erkennbar weit größer dargestellt werden. Übergenaue Zahlenangaben können eine scheinbare Genauigkeit der Untersuchung vortäuschen. Insbesondere bei sehr kleinen Stichproben können Prozentangaben irreführend sein. Das  Ausblendung oder Verschweigen von relevanten Tatsachen kann ein Behandlungsverfahren in ein wesentlich positiveres Licht rücken als es den tatsächlichen Ergebnissen entspricht.
 

Ergebnisse von Studien werden in der Regel erst dann allgemein anerkannt, wenn eine Reproduzierbarkeit gegeben ist. D.h. dass andere Untersucher unter ähnlichen Versuchsbedingungen zu den selben Ergebnissen gekommen sind.


 

Quellen / Literatur:

siehe auch unter Bias Doppelblindversuch Randomisieren Validität Tests (psychologische) Testgütekriterien

 

 

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Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10 Jahre.Möglicherweise sind nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate kenntlich gemacht. Durch Verwendung verschiedener Quellen konnte eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitate nicht immer vermieden werden. Soweit möglich wird dies angezeigt. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. Bitte beachten Sie: Diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. 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