Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Vegetatives Nervensystem

Siehe auch unter Stress

Siehe auch unter Angststörungen, Depression, posttraumatischen Belastungsstörungen,

Impressum

Das vegetative Nervensystem ist das System der meist motorischen Neuronen, das Drüsen, glatte Muskeln (innere Organe) und das Herz mit Information versorgt. Manchmal spricht man auch von autonomem Nervensystem, weil es teilweise ohne die höheren Zentren der Großhirnrinde arbeitet und weil es ohne willentliche Steuerung funktioniert.

Es ist z. B. verantwortlich für: Blutkreislauf, Herztätigkeit und Atmungsfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur Kontrolle der Magensaftsekretion.

Es arbeitet mit dem Hormonsystem zusammen und wird durch den Hypothalamus und den Hirnstamm, hier vor allem die Medulla oblongata und Teilen der Pons kontrolliert. 

Lokalisation vegetativer Regulationszentren im ZNS

Drei verschiedene Ebenen im ZNS : Oberste Ebene Area 4,6,8 + rostrale Anteile des Frontallappens, Ausgangspunkt lokaler oder allgemeiner vegetativer Mitinnervation, Ergebnisumsetzung psychisch - vegetativer Korrelationen Mittlere Ebene = Limbisches System Basale Anteile des frontalen und temporalen Cortex, Amygdala kerne, Septale Kerne, Hypothalamus, Teile des Mesencephalon, Integrative Steuerung der drei Anteile der Verhaltensweise (somatomotorische, vegetative, emotionale Komponente) speziell : Ergotropes System (hinterer Hypothalamus) : Sympatische Funktionen, Trophotropes System (vorderer Hypothalamus) : Temperaturhaushalt, Wasserhaushalt, Nahrungshaushalt + Vagusfunktionen Untere Ebene Medulla oblongata, Pons ("multifunktionelles Zentrum"), Reflexzentren für Nahrungsaufnahme, Atmung, Kreislauf, Nahrungsausnahmen. Schutzreflexe des Atemtraktes. In der Formatio reticularis des unteren Hirnstammsystems gibt es ein "gemeinsames Hirnstammsystem" für die Regulation vegetativer und somatischer Funktionssysteme. Integration vieler auf diese System einwirkender zentraler und peripherer Faktoren. Rhythmogenese (Atemzentrum), Sympatikotonus, Vagotonus, Regulation homoisostatischer Regelkreise (Atmung + Kreislauf), Das periphere vegetative Nervensystem versorgt Eingeweide, Herz und Gefäße. Es besteht aus 2 Teilen, dem thorakoloumbalen (sympatischen) und craniosakralen (parasympatischen) System. Erfolgsorgane sind glatte Muskulatur, Drüsen und Zellen des Nebennierenmarks und andere Gewebe. In der Regel erfolgt die Innervation unwillkürlich. Die beiden Systeme wirken meist antagonistisch sind aber nicht in allen Erfolgsorganen gleichzeitig vertreten, wie z.B. die bei den Blutgefäßen fehlenden parasympathische Innervation.

Die Steuerzentrale Hypothalamus Dem Hypothalamus kommt eine wesentliche Funktion für die Aufrechterhaltung des inneren Milieus (Homöostase) zu. Er reguliert die Schilddrüsenfunktion, das Wachstum, den Schlaf-Wach-Rhythmus (innere Uhr), den Appetit und die Sättigung, den Sexualtrieb, Körpertemperatur, den  Energiehaushalt und das Körpergewicht ebenso wie den Salz- Wasserhaushalt.  Er gehört zum Zwischenhirn und liegt unterhalb des Thalamus in enger Nachbarschaft zum 3. Ventrikel. Zellen des Hypothalamus können somit Zustand von Blut und Liquor messen (Temperatur, Salzgehalt, Hormonkonzentrationen) und über Verschaltungen sowohl auf das untergeordnete vegetative Nervensystem als auch auf die Ausschüttung verschiedener Hormone Einfluß nehmen. Besondere Bedeutung hat das Zusammenspiel von Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Einerseits über die Ausschüttung verschiedener chemischer Substanzen (Releasinghormone) ins Blut, andererseits über direkte Nervenverbindungen bestehen viele Regelmechanismen zwischen beiden Organen, welche einen Großteil der hormonellen Vorgänge des Körpers steuern. TRH = Thyreotropin-Releasinghormon reguliert die Ausschüttung der  Schilddrüsehormeone T3 und T4 ins Blut. CRH = Corticotropin-Releasinghormon steuert über die Hypophyse zur Ausschüttung von ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) und damit die Produktion von Kortison in der Nebennierenrinde. Gn-RH =Gonadotrophes Releasinghormon steuert in der Hypophyse die  Ausschüttung der  Sexualhormone FSH und LH. GH-RH = Growth Hormone-Releasinghormon und GH-IH oder Growth Hormone-Inhibitinghormonregt regen die  Ausschüttung von Wachstumshormon an und hemmen diese. MSH--Releasinghormon steuert die Freisetzung von Melanotropin (MSH) aus dem Hypophysenvorderlappen. MSH-IH hemmt diese Freisetzung. PRL-Releasinghormon und PRL-IH steuern die Ausschüttung von Prolaktin aus dem Hypophyenvorderlappen. Adiuretin (ADH) reguliert den Wasser und Salzhaushalt, Oxytocin die Wehentätigkeit. Der Hypophysenhinterlappen speichert im Hypothalamus gebildete Hormone (ADH und Oxytocin) und gibt diese in den Blutkerislauf ab, der Vorderlappen stellt nach Steuerung des Hypothalamus solche Hormone (Prolaktin, Wachstumshormon, MSH, β-Endorphin, GH, LH, FSH, TSH) her. Der Hypophysenvorderlappen ist damit eine endokrine Drüse die vom Hypothalamus kontrolliert wird, der Hinterlappen eine direkte Fortsetzung des Nervensystems (bzw. des Hypothalamus). Außerdem kann der Hypothalamus unter anderem über die Formatio reticularis eine übergeordnete Steuerung z.B. von Herz-Kreislauffunktionen oberhalb der Zentren in der Medulla oblongata ausüben. Bestimmte Zonen des Hypothalamus steuern auch komplexe Verhaltensweisen des Individuums (Abwehr-, Fluchtverhalten, Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Thermoregulation), wobei sich die Zentren anatomisch nur ungenau abgrenzen lassen.  Der Hypothalamus scheint eine wichtige Rolle bei der Narcolepsie und den Clusterkopfschmerzen zu spielen. Vielleicht spielt er auch eine große Rolle bei Migräne und Depressionen. Dabei spielt der H. möglicherweise eine entscheidende Rolle als Trigger beim Beginn von Attacken. Sebastiaan Overeem, Jorine A van Vliet , Gert J Lammers, Frans G Zitman , Dick F Swaab, and Michel D Ferrari. The hypothalamus in episodic brain disorders, The Lancet Neurology, Volume 1, Number 7, 01 November 2002
 

Interozeptives System

Bei Menschen und Primaten gibt es eine spezielle Hirnregion, die die alle Aspekte der Homöostase aller physiologischen Zustände in allen Körpergeweben abbildet. Dieses interozeptive System hat eine autonome motorische Kontrollfunktion. Es kann vom exterozeptiven System (Hautmechanorezeption und Propriozeption) unterschieden werden, letzteres steuert die somatische Motoraktivität. Dieses primäre interozeptives System ist bei Primaten in der dorsalen posterioren Insel und bei Menschen in der rechten vorderen Insel lokalisiert, es lokalisiert genau die Körperwahrnehmungen von Schmerzen, Temperatur, Juckreiz, Berührung, muskuläre und Eingeweideempfindungen, vasomotorische Aktivität, Hunger, Durst und Lufthunger. Es bildet die Basis für das subjektive Bild des körperlichen Selbst als Gefühl der Körpereinheit und der Eigenwahrnehmung der Emotionen. AD (Bud) Craig,  Interoception: the sense of the physiological condition of the body, Current Opinion in Neurobiology
Volume 13, Issue 4 , August 2003, Pages 500-505



 

Transmitter & Blocker

Präganglionär

Postganglionär

Sympathisches System

Acetylcholin

Noradrenalin

Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Ganglienblocker

a +b Blocker

Parasympatisches System

Acetylcholin

Acethylcholin

 

Ganglienblocker

Atropin

Ausnahmen sind bei sympathischen Erfolgsorganen : Nebennierenmark, Schweißdrüsen, Muskelgefäße

 

Enge Verbindungen zum Hypothalamus besitzt das Limbische System. Am eindeutigsten ist die Rolle des limbischen Systems für das Gedächtnis, es integriert äußere und innere Einflüsse und bewertet diese emotional. Das limbische System ist eine komplexe Gruppe von 3 wie eine C konfigurierten Strukturen, die sowohl graue als auch weiße Substanz enthalten. Es liegt tief im Hirn und enthält Teile aller Hirnlappen. Es hat Verbindungen zu vielen tiefen Kerngebieten und zum Geruchsapparat. Phylogenetisch ist das limbische System einer der primitiven alten Teile des Gehirns. Die wichtigsten limbischen Zentren sind das ventrale tegmentale Areal und das zentrale Höhlengrau im ventralen Mittelhirn (Tegmentum des Mesencephalon); der Hypothalamus, das ventrale Pallidum, Mammillarkörper, anteriore, mediale, intralaminare und Mittellinienkerne des Thalamus im Zwischenhirn (Diencephalon); orbitofrontaler, inferiorer temporaler, cingulärer, entorhinaler und insulärer Cortex, Amygdala, Septum, ventrales Striatum/Nucleus accumbens im Endhirn (Telencephalon). Es ist eine heterogene Gruppe von Strukturen rund um das Mittelhirn, die mit dem Geruchssinn, nicht durch den Willen gesteuerten Funktionen, Emotionen und Verhalten verknüpft sind. Man geht davon aus, dass die therapeutische Wirkung von Antipsychotika durch eine Blockade der Dopaminrezeptoren im limbischen System vermittelt wird. Das limbische System ist die Zentralstelle des endokrinen, vegetativen und psychischen Regulationssystems. Es verarbeitet Reize aus dem Körperinneren und von außen. Das limbische System steuert das emotionale Verhalten und ist das Zentrum für Gefühle. Außerdem ist es mit anderen Zentren am Gedächtnis beteiligt. Störungen des limbischen Systems führen zu Störungen der emotionalen Verhaltensweisen und beim Tier zu Störungen des artspezifischen Verhaltens. Bei Epilepsien und Psychosen lassen sich häufig Störungen des limbischen Systems nachweisen, wobei deutliche Verhaltensänderungen (z.B. Wutanfälle, Angstgefühle, Geruchshalluzinationen usw. auftreten. Begleitet werden diese von vegetativen Reaktionen wie z.B. Änderungen des Blutdrucks.
Das vegetative Nervensystem besteht aus 2 Bereichen, die antagonistisch wirken:  dem parasympathischen und sympathischen Teil (= Parasympathicus und Sympathicus). nsgesamt verlaufen alle sympathischen Fasern über den Grenzstrang (Truncus sympathicus), eine Ganglienkette links und rechts des Rückenmarks. Die parasympathischen Bahnen verlaufen über den 3., 7., 9.,10. Gehirnnerv (Nervus vagus) und einige am Kreuzbein austretende Nerven. Der Nervus vagus führt zu allen Organen im Brust-und Bauchraum. (siehe Übersicht links) Mit P = Parasympathicus sind die parasympathischen Nerven markiert, mit S = Sympathicus sind die Bereiche des Sympathicus über den Grenzstrang gekennzeichnet. Das bedeutet, daß die (meisten) inneren Organe immer durch 2 motorische Nerven, die sympathischen und parasympathischen Neuronen gesteuert werden. Dabei wirken beide antagonistisch, z. B. erhöht die sympatische Faser den Herzschlag, während die parasympathische Bahn den Herzschlag erniedrigt. Die autonome Steuerung der Organe verläuft über 2 Neurone: ein prä- und ein postganglionäres Neuron. Die Zellkörper der präganglionären Neuronen befinden sich im ZNS, deren Axone sind markhaltig. Im weiteren Verlauf wird eine Synapse außerhalb des ZNS in einem peripheren Ganglion gebildet. Hier sind Abzweigungen und Interneurone möglich.
Das Neuron nach der Synapse wird postganglionär genannt, dessen Axon ist marklos und verläuft in das Endorgan.  Ein Ganglion ist eine Ansammlung neuronaler Zellkörper außerhalb des ZNS. ypischerweise sind die sympathischen präganglionären Fasern kurz und die Synapsen liegen in den Grenzstrangganglien. Die postganglionären Fasern bis zum Zielorgan sind lang. Die parasympathischen präganglionären Fasern sind lang und besitzen wie oben angeführt Synapsen in Ganglien in der Nähe des Endorgans. Dies gilt jedoch nicht für alle Organe. Schweißdrüsen und die meisten vascularen glatten Muskeln werden nur sympathisch innerviert.  Der Ciliarmuskel des Auges wird nur parasympathisch innerviert. Die glatten Muskeln der Bronchien werden nur parasympathisch versorgt, sie sind jedoch für Adrenalin als Neurotransmitter höchst empfindlich.  In den Speicheldrüsen produzieren Parasympathicus und Sympathicus eher gleiche Effekte. Im allgemeinen wird das sympathische System bei Stress aktiviert, um die "fight or flight" Reaktion hervorzurufen, die den Organismus in Leistungsbereitschaft zu versetzen. Stellen Sie sich vor, sie stehen im Halbdunkel direkt vor einem Dobermann. Ihre Haare sträuben sich, die Pupillen erweitern sich, Ihr Gesicht verfärbt sich schlagartig weiß, sie beginnen zu schwitzen, Herzschlag und Atemfrequenz erhöhen sich usw. Das parasympathtische System produziert den "feed or breed" -Effekt. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an einem warmen Sonntagnachmittag nach einem feinen Mittagessen am Swimmingpool und müssen nicht an kommende Klassenarbeiten denken.

Das sympathische Nervensystem (SNS) Dient der Anpassung an Anforderungs- und Stresssituationen, erhöhen die Kampfbereitschaft des Organismus.  Die Zellkörper der präganglionären Neurone des SNS sitzen im lateralen grauen Horn in den T1-L2 Segmenten des Rückenmarks. Die Abbildung unten zeigt die 3 Hauptwege, über die die sympathischen Fasern das Zielorgan innervieren. . Da es vom Rückenmark keine Abzweigung im Halsbereich für Kopf und Hals gibt, entspringen die sympathischen Nerven zu den Zielorganen in diesen Bereichen im Brustabschnitt. Präganglionäre Fasern aus den oberen thorakalen Abschnitten verlaufen über die vordere Wurzel und weißen Rami communicantes zu den Grenzstrangganglien. Hier verzeigen sie aufwärts und bilden im cervikalen sympathischen Ganglion mit den postganglionären Neuronen Synapsen. Postganglioniäre Fasern aus den Hals- und oberen 4-5 thoracalen sympathetischen Ganglien bilden die Herzabzweigung, die zu Herz- und Lunge führt. 2. Im Brustbereich findet man nahezu den umgekehrten Verlauf.  Einige präganglionäre Fasern aus den T5-L2 Segmenten verlaufen ohne Synapse durch das Grenzstrangganglion. Sie bilden die thorakalen und lumbalen splanchialen Nerven die im prävertebralen Ganglion Synapsen bilden. Die postganglionären Fasern verlaufen dann zu Leber und Pankreas. Mit dem Älterwerden erwachsener Menschen nimmt die Aktivität des sympathischen Nervensystems im peripheren Gewebe wie Herz, Darm, Leber und Skelettmuskeln zu. Man nimmt an, dass dies vom zentralen Nervensystem so gesteuert wird um die Fetteinlagerung mit zunehmendem Alter durch größeren Verbrauch (Thermogenese) zu vermindern. Bei Übergewicht, Hypertonus und anderen Risikofaktoren kann dieser Mechanismus sich schädlich auf die Organe auswirken und sekundär kardiovaskuläre Erkrankungen begünstigen. Es kommt dadurch zu einem verminderten Blufluss in den Extremitäten und der Haut, der Blutdruck wird gesteigert, das Ansprechen auf den Baroreflex vermindert, die großen Gefäße und das Herz hypertrophieren,  Seals, Douglas R., and Frank A. Dinenno. Collateral damage: cardiovascular consequences of chronic sympathetic activation with human aging. Am J Physiol Heart Circ Physiol 287: H1895–H1905, 2004; doi:10.1152/ajpheart.00486.2004.

Parasympathisches Nervensystem (PNS). zuständig für "trophotrope" Reaktionen. Dient der Wiederherstellung, der Regenerierung der körperlichen Energien in Phasen der Ruhe und Erholung. Wie schon gesagt, faßt man die Gehirnnerven 3, 7, 9, und 10 sowie einige, die an den Sacralsegmenten 2,3,4, und 5 austreten als parasympatische Nerven zusammen. Dabei hat der Nervus vagus (X) die größte Bedeutung, da er viele Organe im Brust- und Abdominalbereich innerviert. Die Nerven des PNS haben lange präganglionäre Neuronen und ein sehr kurzes postganglionäres Neuron. IIm Allgemeinen sitzt das Ganglion auf der Oberfläche des Endorgans. Die ganglionäre Synapse benutzt Acetylcholin (ACh) als Neurotransmitter. Die Rezeptoren im Ganglion sind in beiden Systemen (SNS und PNS) sehr ähnlich und reagieren ebenfalls ziemlich gleich auf Drogen und Medikamente. Die postganglionäre Synapse im PNS setzt ebenfalls ACh frei, jedoch ist der postsynaptische Rezeptor sehr unterschiedlich vom Rezeptor im Ganglion

Neurotransmitter (siehe auch unter Synapsen) im vegetativen Nervensystem SNS: ACh im präganglionären Neuron, Noradrenalin oder Adrenalin im postganglionären Axon. PNS: ACh ist der Neurotransmitter der ganglionären Synapse und der Endorgan-Synapse des PNS. Man nennt die Neuronen die ACh produzieren cholinerge Neuronen, die die Katecholamine (Adrenalin und Noradrenalin) produzieren adrenerge Neuronen. (Von der Nebenniere ausgeschüttet wirkt Adrenalin als Hormon) In den postganglionären Endorgan-Synapsen des parasympathischen Nervensystems und sympathischen Endorgan-Synapsen der Schweißdrüsen, in einigen Blutgefäßen der Muskeln und Haut findet man muskarinische ACh-Rezeptoren. Diese können durch Atropin geblockt werden. Hieraus ergibt sich die Möglichkeit, mit Hilfe verschiedener Medikamente gezielt den Sympathicus oder den Parasympathicus zu hemmen oder zu verstärken.

 

 

 

Organ Sympatische Wirkung

Nervöse Bahn

Parasympathische Wirkung

Nervöse Bahn

Pupillen Erweiterung

Th1-Th2, Ggl. Stellatum, ggl. cervikale superius

Verengung

Ggl. Cilliare

Linse (m.ciliaris) Fern-Akkommodation

Th1-Th2, Ggl. Stellatum, ggl. cervikale superius

Nah-Akkomodation

Edinger Westphal Kerne, Nucleus. oculomotorii, Ggl. Cilliare

Tränendrüse geringer Effekt

Th1-Th2, Ggl. Stellatum, ggl. cervikale superius

Steigerung der Sekretion, wässriger Ganglion pterygopalatinum
Speicheldrüsen Wenig Sekretion (dicke visköse Sekretion)

Th1-Th2,  Ggl. Stellatum, ggl. cervikale superius

Reichlich Sekretion

Nucleus salivatorius superior und inferior, Ggl. submandibulare, Ganglion pterygopalatinum

Herz Positiv inotrop

Positiv chronotrop

Th1-Th5, Ggl. Stellatum, Ggl. cervikale superius, medius, inferius und obere thorakale Ganglien

Negativ chronotrop

Nucleus dorsalis N.Vagus, N. vagus

Bronchien Erweiterung, Hemmung der Sekretion Th2-Th7, Ggl. cervikale inferius und obere thorakale Ganglien Verengung, Steigerung der Sekretion Nucleus dorsalis N.Vagus, Plexus bronchialis et pulmonalis
Magen, Gallenblase Sekretions- und Peristaltikhemmung,

Th6-Th10, Ggl. Coeliacum

Sekretions- und Peristaltikzunahme

Nucleus dorsalis N.Vagus, N. Vagus Plexus gastricus.

Leber Glykogenmobilisation

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Mehr Gallensekretion

N. Vagus

Nebennierenmark Adrenalinausschüttung Th11-L1, Nebennierenzellen - -
Magen-, Pankreas-, Darmdrüsensekretion   Th6-Th10, Ganglion Coeliacum Insulinausschütung, Sekretfunktion

N. Vagus, periarterieller Plexus

Niere Durchblutungs-Drosselung, Hemmung der Urinbildung

L1-L2, Ggl. Coeliacum, Plexus renalis und hypogastricus

Vasodialtation  
Blase Harnverhaltung Ggl. Coeliacum, Plexus renalis und hypogastricus Harnentleerung S2-S4, Plexus hypogastricus, (Plexus vesicalis)
Dünndarm Hemmung der Peristalitik und Sekretion

Th6-Th10, Ggl. Coeliacum, Ggl. Mesentericum superius

Peristalitik und Sekretion, Vasodilatation Plexus mesentricus (Auerbachplexus) und Plexus submuscosus (Meissner)
Dickdarm Erschlaffung

L1-L2,  Ggl. Mesentericum superius

Kontraktion

S2-S4 Ggl. Pelvicum

Skelettmuskelgefäße Kontraktion   Erschlaffung  
Sph. Ani externus Kontraktion

Ggl. Mesentericum inferius

Erschlaffung

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M. detrusor vesicae Erschlaffung

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Kontraktion

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Sph. Ves. Internus Kontraktion

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Erschlaffung

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Vesica seminalis Ejakulation L1-L2,  Plexus hypogastricus sup. und inf.    
Vasa deferentia Kontraktion bzw. Peristaltik L1-L2,  Plexus hypogastricus sup. und inf.    
Tuben Kontraktion bzw. Peristaltik L1-L2, Plexus hypogastricus sup. und inf. Erschlaffung

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Corpus uteri Kontraktion bzw. Peristaltik L1-L2, Plexus hypogastricus sup. und inf Kontraktion

"

Cervix uteri Kontraktion bzw. Peristaltik

L1-L2, Plexus hypogastricus sup. und inf"

Erschlaffung

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Penis Ejakulation PL1-L2, lexus hypogastricus sup. und inf Erweiterung, Erektion

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Clitoris     Erektion

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Die Kontrolle der Blase

Während Neugeborene noch eine reine Reflexblase haben, die noch nicht der willentlichen Kontrolle unterliegt, so ist bei den meisten gesunden Kinder bis zum Eintritt ins Kindergartenalter die willentliche Kontrolle über die Blasentleerung erreicht.  Mit fünf Jahren sind zwischen 10 und 20% der Kinder nicht in der Lage, nächtliches Einnässen zu verhindern. Von ihnen lernen in der dann kommenden Zeit Jahr für Jahr 15%, die Entleerungsfunktion zu beherrschen. Weniger als 1% erwirbt die Kontrolle nie. Kinder, die nach dem 5. Geburtstag noch regelmäßig tagsüber einnässen, müssen körperlich genauer untersucht werden. Fehlbildungen in den Harnwegen wie auch neurologische Krankheiten können die Ursache dieser kindlichen Harninkontinenz sein. Nicht wenige Kinder sind also von "Einnässen", (medizinischer Begriff: Enuresis) betroffen. Sie haben eine normale, vollständige Blasenentleerung am falschen Platz und zur falschen Zeit, überwiegend nachts. Als Harninkontinenz bezeichnet man einen ungewollten Harnabgang mit Blasenfunktionsstörung. Fast jede 5. Frau und etwa jeder 11. Mann hat keine vollständige Kontrolle über die Blasenentleerung, und leidet damit an der Blasenschwäche, die man medizinisch als Inkontinenz bezeichnet. 20 bis 36 Prozent aller über 40-Jährigen  sollen an einer Inkontinenz leiden, die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Bei den 65-Jährigen sind bei beiden Geschlechtern bereits 30% betroffen.  Auch hieraus resultieren nicht selten erhebliche soziale Ängste. Männer können mit dieser Inkontinenz meist noch schlechter umgehen als Frauen. Nach entsprechender Diagnostik und Behandlung von Auslösern wie Harnwegesinfekten etc. ist Beckenbodentraining und Toilettentraining häufig eine ausreichende und erfolgreiche Behandlung.

Bei der Blasenfunktion und auch deren Entleerung wird nur ein Teil der Funktion willentlich kontrolliert. Sie wird teilweise vom vegetativen Nervensystems, der Sympathikus und Parasympathikus, die normalerweise nicht der willentlichen Kontrolle unterliegen gesteuert. Willentlich kann hier nur durch erlernte Hilfsmechanismen ein reflexhafter Ablauf eingeleitet und schwieriger auch angehalten werden. Neben dem vegetativen Nervensystem erfolgt die Nervensteuerung der Kontrolle über das Wasserlassen auf verschiedenen Ebenen des Nervensystems im Gehirn, Rückenmark und durch die peripheren Nerven. Auf jeder dieser Ebenen kann es zu Störungen durch Fehlbildungen, Erkrankungen oder Reifungsverzögerungen kommen. Beim Urinieren muss sich der Blasenmuskel (medizinischer Begriff: Detrusor) zusammenziehen um den Druck auf den Urin in der Blase zu erhöhen, der Schließmuskel (medizinischer Begriff: Sphinkter) muss erschlaffen, damit der Urin ungehindert abfließen kann. Der Blasenmuskel wird überwiegend parasympathisch (N. pelvicus, S2 – 4) versorgt, diese parasympathische Innervation, die die Blasenentleerung durch zusammenziehen des Detrusors fördert, kommt bei Entspannung der Person leichter zustande.  Sympathische Neurone (N. hypogastricus Th12 – L2) versorgen Teile des Blasenmuskels im Muskeldreieck am Blasenausgang, im Blasenhals und in der Harnröhre.  Sympathische Neurone sind überwiegend für die Harnverhaltung zuständig.  Der quergestreifte Sphinkter externus wird vom N. pudendus (S2 – 4) versorgt.  Zentren im Hypothalamus, Stammganglien und Frontalhirn, spielen bei der Kontrolle der Blasenfunktion eine (überwiegend hemmende) Rolle, die Koordination zwischen Detrusor und Sphinkter soll im Hirnstamm in der Pons erfolgen.  Das Fassungsvermögen der Blase ist auch abhängig von deren Trainingszustand, vom Trainingszustand der Blase hängt damit auch ab, wann Harndrang entsteht. Etwa einen viertel bis einen halben Liter Urin fasst die durchschnittliche gesunde Harnblase. 

 

Weitere anatomische Bilder in Gray´s Anatomy, siehe auch Medizinfo-Endokrinologie-Hormone

 

 

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