Semantik

(griechisch semantikos: zum Zeichen gehörend, bezeichnend), die Lehre von der Bedeutung sprachlicher Zeichen. Untersuchungsgegenstand sind sprachliche Ausdrücke wie Wörter, Wortgruppen und Sätze. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Bedeutung einzelner sprachlicher Ausdrücke, die Relationen zwischen einzelnen Ausdrücken, die Bedeutung ganzer Sätze sowie die Relation zwischen sprachlichen Ausdrücken und der außersprachlichen Wirklichkeit. In der Semantik gibt es einen philosophischen (reinen) und einen linguistischen (deskriptiven und theoretischen) Ansatz sowie einen Ansatz, den man als allgemeine Semantik bezeichnet. Philosophen interessieren sich für das Verhalten, das mit dem Prozess ,,etwas meinen“ verbunden ist. Linguisten untersuchen die semantischen Komponenten oder Merkmale und ihre Beziehung zueinander als Elemente eines linguistischen Systems. Forschungen auf dem Gebiet der allgemeinen Semantik bemühen sich in erster Linie darum, herauszufinden, welchen Einfluss der Bedeutungsgehalt einer Äußerung auf das Denken und Handeln hat. Diese semantischen Ansätze sind für verschiedene Disziplinen von Interesse. Ethnologen untersuchen mit Hilfe der Verfahren der deskriptiven Semantik, was Menschen als kulturell wichtig kategorisieren. Psychologen stützen sich auf Untersuchungen der theoretischen Semantik, die den mentalen Prozess des Verstehens zu beschreiben versuchen und darum bemüht sind, herauszufinden, wie Bedeutungszuordnungen (ebenso wie Sprachlaute und sprachliche Strukturen) erlernt werden. In der Ethologie der Tiere gibt es behavioristische Untersuchungen zur Kommunikation der verschiedenen Arten. Vertreter der allgemeinen Semantik untersuchen, in welchen Merkmalen (oder Konnotationen) sich Zeichen, die scheinbar dieselbe Bedeutung haben (wie z. B. die Äußerungen ,,der Sieger von Jena“ und ,,der Verlierer von Waterloo“, die beide auf Napoleon referieren), unterscheiden. Außerdem wurden Literaturkritiker von Studien der allgemeinen Semantik beeinflusst, die die Unterschiede der literarischen und der Alltagssprache herauszuarbeiten versuchen und beschreiben, wie literarische Metaphern Gefühle und affektive Haltungen hervorrufen.

 

Dr. Johannes Werle

Dr. med Johannes Werle

Redakteur