Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 


Glossar Psychiatrie / Psychosomatik / Psychotherapie / Neurologie / Neuropsychologie
 

HIV und neurologische Störungen

Polyneuropathien gehören zu den häufigsten primäre Neuromanifestation der HIV-Infektion, am häufigsten ist wie auch sonst die distal-symmetrische Form. Daneben gibt es aber auch Polyneuropathien durch die HAART- Therapie, die nicht immer von der Neuromanifestation der HIV-Infektion zu unterscheiden sind. Guillain-Barré-Syndrome und andere Polyneuritiden kommen ebenfalls vor. Bei 2 bis 5% der HIV-1-Infizierten kommt es unmittelbar vor, während oder nach der Serokonversion zu einem mononukleoseähnlichen Krankheitsbild mit bifrontal betonten Kopfschmerzen, subfebrilen bis febrilen Temperaturen, leichtem Meningismus, unspezifischen Exanthemen und allgemeinem Krankheitsgefühl. Gelegentlich treten auch Hirnnervenentzündungen (Mononeuritiden z B.: Fazialis-Paresen, Trigeminusaffektionen, oder Hörnervenbeteiligungen) hinzu, beschrieben sind auch brachiale Plexusneurititiden, und ein Cauda equina Syndrom.  Liquoruntersuchungen zeigen eine geringe bis mäßige lymphomonozytäre Pleozytose (100–1000/3 Zellen). All diese Nervenschäden zu Beginn heilen in der Regel spontan aus. Eine spezifische Therapie ist meist nicht erforderlich. (Münch. med. Wschr. 140 (1998) Nr. 49, Brew BJ.  Muscle Nerve 2003;28: 542–52., Kolson DL, J Peripher Nerv Syst 2001; 6: 2–7.). Im Rahmen der  etwas weiter fortgeschrittenen HIV- Infektion (CD4 200–500×106/L) können durch den HIV-Erreger selbst oder als Folge der Koinfektion mit Hepatitis B oder Hepatitis C entzündliche Neuropathien einschließlich chronisch entzündlicher demyelinisierender Polyradikuloneuropathien (CIDP) und vaskulitische Neuropathien auftreten, die bei HAART Behandlung können sich diese bessern, wenn nicht können Kortikoide dazu gegeben werden. Bei der fortgeschrittenen HIV-Infektion (CD4< 200×106/L), können small-fibre Neuropathien als distal symmetrische sensorische Polyneuropathien und HIV-bedingte autonome Neuropathien auftreten. Auch die opportunistischen Infektionen können zu peripheren Nervenschäden führen. Das Cytomegalovirus kann zu einem Cauda equina Syndrom oder zu einer vaskulitischen Neuropathie führen, Der HTLV-1 Virus kann eine periphere sensorische Neuropathie oder eine Myelopathie auslösen.  Die Nukleosidanaloga Didanosin, Stavudin, und Zalcitabin sowie andere eingesetzte Medikamente (Isoniazid, Vincristin, Vinblastin, Paclitaxel, Dapson, und Thalidomid)  können im Rahmen der HAART bzw der Behandlung der Sekundärinfektionen ebenfalls zu einer peripheren Neuropathie führen. Bei der HIV Myelopathie (HIVM) tritt eine langsam progrediente spinale Symptomatik mit einer Kombination von spastisch-ataktisches Gangbild, Pyramidenbahnzeichen, und Sphinkterinnervationsstörung auf.  Maligne Erkrankungen wie das Kaposi-Sarkom oder das primäre zerebrale Lymphom, können sich im ZNS manifestieren. Opportunistische Infektionen wie Toxoplasmose, Kryptokokkose, Zytomegalie-Virus-Infektionen, Herpes-Enzephalitiden, TBC, Syphilis, etc. befallen ebenfalls das Zentralnervensystem. Sowohl bei den malignen Erkrankungen als auch bei den Opportunistischen Infektionen hängt die Symptomatik von der Lokalisation und Ausdehnung ab. Daneben kommen auch vaskuläre Erkrankungen wie Hirninfarkte, Sinusthrombosen oder Vaskulitiden vor. Für die meisten Betroffenen stellt die unerwartete HIV-Diagnose einen erheblichen Eingriff in das bisherige „normale“ Leben dar. Dies gilt besonders für die ersten 3 Monate nach Diagnosestellung und für die Betroffenen, sich aus Furcht vor Zurückweisung durch die soziale Umgebung von Familienangehörigen oder Beziehungspartnern zurückziehen, weil sie diesen oder auch den Arbeitskollegen unter diesen Umständen die Fähigkeit zu praktischer Hilfe und emotionaler Solidarität nicht zutrauen. Soziale und emotionale Unterstützung setzt dann voraus, dass Vertrauenspersonen gefunden werden, die helfen, sich der Familie oder dem Freundeskreis zu öffnen. Auch allgemein sind Depressionen bei HIV-Infizierten häufig. Die Inzidenz depressiver Erkrankungen im Verlauf der HIV-Infektion wird auf bis zu 65% geschätzt.  Die bisherige Politik HIV- Tests nur nach Aufklärung und Einverständnis des Patienten durchzuführen weicht in den USA derzeit auf. Das Center for Disease Control and Prevention (CDC) begründete in MMWR (2006; 55 RR14; 1-17) ihre Abkehr von der bisherigen Praxis, die eine ausführliche Beratung und Aufklärung vorsah, mit der steigenden Zahl von Infektionen außerhalb der klassischen Risikogruppen. Nach einer gut geführten dänischen Statistik geht man davon aus, dass die Lebenserwartung eines 25 jährigen Dänen in der Allgemeinbevölkerung bei weiteren 51 Jahren liegt, bei einer HIV- Infektion reduziert sich diese Lebenserwartung auf 39 Jahre. Sie ist damit weiter zu Zeiten der gut verbesserten Therapiemöglichkeiten reduziert, allerdings im Vergleich zu den Zeiten vor den neuen Behandlungsmöglichkeiten sehr gut gebessert. Ann Intern Med.2007; 146: 87-95


 

Quellen / Literatur:

P. Leiberich et al., Wirkung von Belastung und Krankheitsbewältigung auf die Lebensqualität bei HIV-Positiven, Nervenarzt 2005 · 76:1117–1126. Simon J Hickman, Abir Sanyal, Hadi Manji, Michael J Groves, Gavin Giovannoni, “Double whammyâ€￾ neuropathy: a 37-year-old woman with burning and weakness in both legs, Lancet Neurol 2006; 5: 632–36, S. Evers, W. Fiori, N. Brockmeyer, G. Arendt, I.-W. Husstedt, Empfehlungen zur Kodierung von Neuromanifestationen der HIV-Infektion, Nervenarzt 2005 · 76:1542–1546 R.W. von Einsiedel, T.Berger, M.Weisbrod, S.Unverricht, M.Hartmann, HIV-Patienten mit psychiatrischen Krankheiten Nervenarzt, 2001, 72:204–215, G.J. Treisman, Psychiatric Issues in the Mangement of Patients with HIV Infection, Jama, 2001, 286/22, 2857-2864, Brew BJ. The peripheral nerve complications of human immunodeficiency virus (HIV) infection. Muscle Nerve 2003; 28: 542–52. Kolson DL, Gonzalez-Scarano F. HIV-associated neuropathies: role of HIV-1, CMV, and other viruses. J Peripher Nerv Syst 2001; 6: 2–7. H. Irene Hall; Estimation of HIV Incidence in the United States JAMA. 2008;300(5):520-529.ABSTRACT

Scott M. Hammer et al.,  Antiretroviral Treatment of Adult HIV Infection: 2008 Recommendations of the International AIDS Society–USA Panel JAMA. 2008;300(5):555-570. ABSTRACT Trends in HIV/AIDS Diagnoses Among Men Who Have Sex With Men—33 States, 2001-2006 JAMA. 2008;300(5):497-499. EXTRACT

UN-AIDS Daten und Fakten der UN zu HIV

 

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Inhaltsverzeichnis  |  Suche  |  Startseite

 

Wichtiger Hinweis: Sämtliche Äußerungen auf diesen Seiten erfolgen unter Ausschluss jeglicher Haftung für möglicherweise unzutreffende Angaben tatsächlicher oder rechtlicher Art. Ansprüche irgendwelcher Art können aus eventuell unzutreffenden Angaben nicht hergeleitet werden. Selbstverständlich erheben die Aussagen keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit, es wird daneben eine Vielzahl vollkommen anderer Erfahrungen und Auffassungen geben. Ich distanziere mich ausdrücklich von den Inhalten der Webseiten und Internetressourcen, auf die ich mit meinen Links verweise. Die Haftung für Inhalte der verlinkten Seiten wird ausdrücklich ausgeschlossen. Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage, dieser beinhaltet das Impressum, weiteres auch im Vorwort. Das Glossar wurde unter Verwendung von Fachliteratur erstellt. Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10 Jahre.Möglicherweise sind nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate kenntlich gemacht. Durch Verwendung verschiedener Quellen konnte eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitate nicht immer vermieden werden. Soweit möglich wird dies angezeigt. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. Bitte beachten Sie: Diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. Es ist auch nicht möglich, dass ein Arzt immer auf dem aktuellsten Stand der medizinischen Forschung in allen Bereichen seines Faches ist.  Es ist immer möglich, dass die medizinische Forschung hier noch als wirksam und ungefährlich dargestellte Behandlungsmaßnahmen inzwischen als gefährlich oder unwirksam erwiesen hat. Lesen Sie bei Medikamenten immer den Beipackzettel und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren behandelnden Arzt. Medikamentöse Behandlungen auch mit freiverkäuflichen Medikamenten bedürfen ärztlicher Aufsicht und Anleitung. Dies gilt auch für alle anderen Behandlungsverfahren. Die hier angebotenen Informationen können nicht immer für jeden verständlich sein. Um Mitteilung, wo dies nicht der Fall ist, bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt, woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten). Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. Jeder Nutzer ist für die Verwendung der hier gewonnenen Informationen selbst verantwortlich, es handelt sich definitiv um keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Es wird keinerlei Haftung weder für die hier angebotenen Informationen noch für die in den Links angebotenen Informationen übernommen. Sollten Sie Links finden, die nicht (oder nicht mehr) seriös sind, teilen Sie mir dies bitte mit, damit ich diese löschen kann. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens des Autors kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt. Alle Angebote sind freibleibend und unverbindlich. Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten oder das gesamte Angebot ohne gesonderte Ankündigung zu verändern, zu ergänzen, zu löschen oder die Veröffentlichung zeitweise oder endgültig einzustellen. Veränderungen erfolgen dabei ständig in Anpassung an neue Literatur oder weil sich meine Auffassung zu einem Thema aus anderen Gründen geändert hat.  Dieser Haftungsausschluss ist als Teil des Internetangebotes zu betrachten, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt.  Sollte sich jemand durch die Homepage in irgendeiner Form beleidigt, benachteiligt oder in sonst einer Form geschädigt fühlen, bitte ich um eine persönliche Kontaktaufnahme per E-Mail  oder telefonisch bzw. per Post. Bitte nennen Sie bei Mitteilungen Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse. Bei Mitteilungen von Kollegen bitte auch Tatsache, dass sie Kollege sind, sowie die Fachbezeichnung. Anonyme Mitteilungen sind in der Regel nicht willkommen. Karl C. Mayer